versteinerte Überreste eines Dinosauriers aus der Kreidezeit, Naturkundemuseum Karlsruhe (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Staatliches Mueseum für Naturkunde Karlsruhe)

Streit um versteinerte Überreste aus der Kreidezeit

Naturkundemuseum Karlsruhe: Brasilien fordert Rückgabe eines Dino-Fossils

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Brasilien fordert ein Fossil aus der Sammlung des Naturkundemuseums Karlsruhe zurück. Die versteinerten Überreste des Dinosauriers kamen vor über 20 Jahren nach Karlsruhe.

Das Fossil des "Ubirajara jubatus" sei illegal außer Landes gebracht worden und gehöre nach Brasilien, findet die dortige Paläontologische Gesellschaft. Das baden-württembergische Wissenschaftsministerium sieht dagegen keine Anhaltspunkte für einen unrechtmäßigen Erwerb.

Import und Erwerb des Fossils geprüft

Man habe den Sachverhalt in Absprache mit dem Auswärtigen Amt in Berlin umfassend geprüft, so ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums gegenüber dem SWR. Es wurden alle verfügbaren Unterlagen zum Import und Erwerb des Fossils vorgelegt. Demnach habe es keine Anhaltspunkte für einen unrechtmäßigen Erwerb durch das Naturkundemuseum Karlsruhe gegeben, teilte das Ministerium mit. Außerdem liege dem Ministerium keine offizielle Anfrage aus Brasilien auf Rückgabe des Fossils vor.

Auch das Museum argumentiert, dass das Fossil vor Inkrafttreten des Unesco-Übereinkommens über Maßnahmen gegen die unzulässige Ausfuhr von Kulturgut legal nach Deutschland gebracht wurde.

"Es hat sich herausgestellt, dass es keine Anhaltspunkte für einen unrechtmäßigen Erwerb durch das Staatliche Naturkundemuseum Karlsruhe gibt. Eigentümer ist das Land Baden-Württemberg."

Scharfe Kritik in den sozialen Medien - Museum spricht von "Hetzkampagne"

Die Haltung des Landes Baden-Württemberg und des Karlsruher Naturkundemuseums wird in den sozialen Medien seit Tagen scharf kritisiert. Dort wird Deutschland von vorwiegend brasilianischen Nutzern aufgefordert, das Fossil zurückzugeben. Darüberhinaus wird dem Museum eine "kolonialistische Haltung" vorgeworfen. Eine rein rechtliche Bewertung des Falles sei nicht ausreichend, so die Kritik weiter.

A german museum (Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe) stole a dinosaur fossil from Brazil, and refuse to return it. #UbirajaraBelongstoBR https://t.co/OKrXRjqdgO

Eine Sprecherin des Naturkundemuseums sprach gegenüber dem SWR von einer "Hetzkampagne" in den sozialen Medien. Es sei dem Museum jedoch wichtig, die jeweilige Kommentarfunktion trotz teilweise beleidigender Inhalte nicht abzuschalten. Auf diese Weise solle die Diskussion über die Rückgabeforderung weiter öffentlich geführt werden können.

Naturkundemuseum Karlsruhe war zunächst gesprächsbereit

Als der Fall im vergangenen Dezember erstmals öffentlich diskutiert und die Rückgabeforderung von brasilianischen Experten geäußert wurde, zeigte sich das Naturkundemuseum in Karlsruhe zunächst gesprächsbereit. Der zuständige Paläontologe des Karlsruher Museums wurde damals von der Zeitschrift National Geographic mit den Worten zitiert, er sei sicher, dass man in der Diskussion über die Rückgabe eine Lösung finden werde. Später sei das Museum allerdings zurückgerudert und habe mit Hinweis auf das Kulturschutzgesetz erklärt, dass es keine gesetzliche Grundlage für eine Rückgabe gebe.

Naturkundemuseum in Karlsruhe (Foto: Imago, Imago / Hoch Zwei Stock/Angerer)
Naturkundemuseum in Karlsruhe Imago Imago / Hoch Zwei Stock/Angerer

Fleischfresser lebte vor über 100 Millionen Jahren

Das Fossil stammt aus der Kreidezeit. Der knapp ein Meter große gefiederte Fleischfresser lebte vor über 100 Millionen Jahren im heutigen Brasilien. Das Fossil des Sauriers gehört zu den interessantesten Stücken der Sammlung des Naturkundemuseums. Es war in einem Steinbruch im Nordosten von Brasilien gefunden und 1995 nach Deutschland gebracht worden. Laut einem Bericht des brasilianischen Nachrichtenportals G1 hatte das Regionalbüro der für Fossilien zuständigen Abteilung im Bergbau- und Energieministerium die Ausfuhr genehmigt. An der Rechtmäßigkeit der Ausfuhrgenehmigung gibt es allerdings Zweifel.

G1 machte den Beamten ausfindig, der die Ausfuhrgenehmigung damals erteilte. José Betimar Filgueira erklärte laut dem Bericht, seine Genehmigung habe nur für das Bergbauministerium gegolten. Man hätte aber auch die Genehmigung des Ministeriums für Wissenschaft und Technologie gebraucht. Zudem hätten die von ihm inspizierten Kisten keine Dinosaurier-, sondern andere Fossilien enthalten. Er vermutet, dass nach der Genehmigung der Inhalt der Kisten ausgetauscht wurde.

"Wir werden nicht aufhören, für unser Natur- und Kulturerbe zu kämpfen."

Wissenschaftler in Brasilien geben nicht auf

Der Verkauf von Fossilien ins Ausland ist seit 1990 nach brasilianischem Recht ohnehin verboten. Die Wissenschaftler im größten Land Lateinamerikas wollen sich jedenfalls noch nicht geschlagen geben.

Stuttgart

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