Der Borkenkäfer mag heiße und trockene Tage im Juli (Foto: IMAGO, imago Manngold)

Förster fürchten die nächste Generation

Extrem gute Bedingungen für den Borkenkäfer-Schädling im Nordschwarzwald

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Heiner Kunold

Hitze und Trockenheit begünstigen derzeit die Entwicklung des Borkenkäfer-Schädlings im Nordschwarzwald. Die Forstliche Versuchs-und Forschungsanstalt Freiburg (FVA) spricht von einer sehr angespannten Lage.

Die Fichten im Nordschwarzwald leiden derzeit ohnehin unter Trockenstress. Dazu kommt jetzt ein verschärfter Schädlingsbefall, weil die Buchdrucker genau dieses Wetter für ihre Fortpflanzung lieben. In den Randstreifen des Nationalparks, die besonders gründlich untersucht werden, wurde in den Fallen eine große Zahl von Schädlingen festgestellt.

Ein Weibchen produziert bis zu 200.000 Nachkommen

Da sich nun auch der Juli anschickt, ein besonders warmer Monat zu werden, sei die Anlage und Entwicklung einer dritten Buchdrucker-Generation –zumindest bis hinauf in die mittleren Lagen– in diesem Jahr ein leider recht wahrscheinliches Szenario, meldet die Freiburger Versuchsanstalt, die die Schädlingsentwicklung landesweit kontrolliert. Borkenkäfer können sich innerhalb von nur drei Generationen extrem stark vermehren. Ein Weibchen kann demnach über mehrere Generationen bis zu 200.000 Nachfahren pro Jahr produzieren.

Ein theoretisches Beispiel für die extreme Vermehrung von Borkenkäfern beschreibt die online Plattform "Waldwissen.net": "Bei einer am 23. August 2018 durchgeführten Momentaufnahme in mehreren Forstämtern waren pro Stamm für Buchdrucker durchschnittlich etwa 1.600 Altkäfer, 29.000 Larven, 4.000 Puppen und in einem Fall sogar zusätzlich 471 frisch angelegte Muttergänge zu finden. Bei vorsichtiger Schätzung der möglichen Nachkommenschaft eines Borkenkäferweibchens würde sich im darauffolgenden Jahr aus einem Baum eine Nachkommenschaft von ca. 1,5 Milliarden Käfern ergeben."

Kontrollen alle zwei Wochen nötig

Bei einem so enormen Schädlingspotential empfiehlt die FVA, in den kommenden Wochen intensive Befallskontrollen. Außerdem sei ein rechtzeitiger Einschlag und eine zeitnahe Abfuhr des sogenannten Käferholzes aus dem Wald unbedingt nötig. Die Experten empfehlen, die Kontrollen nicht seltener als im 2-Wochen-Rhythmus durchzuführen.

Borkenkäferbefall in Fichtenbeständen sei derzeit am Bohrmehl gut zu erkennen. Harzfluss als frühes Befallsmerkmal sei wegen des Trockenstresses der Bäume eher unwahrscheinlich. Immer häufiger sind in den Wäldern des Nordschwarzwaldes auch bräunliche Kronenverfärbungen nach Käferbefall zu sehen.

Vom Käfer befallene Fichten werden langsam braun (Foto: IMAGO, imago imagebroker)
Vom Käfer befallene Fichten werden langsam braun imago imagebroker

13 Hektar im Nationalpark Schwarzwald betroffen

Nach Berechnungen der Forstlichen Versuchsanstalt ist in diesem Jahr allein in den Randstreifen des Nationalparks eine Fläche von 13 Hektar Wald, das entspräche der Flächer von 26 Fußballfeldern, durch den Borkenkäfer vernichtet worden. Wenn ein Befall rechtzeitig erkannt wird und die Bäume gefällt werden, können sie immer noch als Nutzholz verkauft werden. Allerdings hat Käferholz einen deutlich geringeren Wert.

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