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Die Sanierung des Staatstheaters in Karlsruhe kostet eine halbe Milliarde Euro - ein Drittel mehr als erwartet. Und Generalintendant Spuhler bleibt trotz massivem Mitarbeiterprotest im Amt. Ein Kommentar von Heiner Kunold.

Ein Staatstheater ist kein Fußballverein. Das möchte ich zunächst einmal ausdrücklich betonen. Und die Sanierung des betonbröseligen Theaters schlägt demzufolge auch nicht mit 140 Millionen Euro zu Buche wie beim neuen Wildparkstadion, sondern sie wird bis zu 500 Millionen kosten. Eine halbe Milliarde! Ich rechne jetzt nicht nach, wie viele Fußballstadien die Stadt dafür bauen könnte und ich will auch gar nicht wissen, ob es nicht günstiger wäre, das alte Theater, wie man im Volksmund sagt, einfach wegzuschieben. Da müssen Experten entscheiden: Gemeinderäte, Bürgermeister, Kunstministerinnen.

Ein Staatstheater ist eben kein Fußballverein

Und heute ist sowas anscheinend völlig normal. Hier mal eben 50 Millionen Euro mehr, weil das Ingenieurbüro gewechselt wurde. Dort ein paar Millionen drauf, weil die Baukonjunktur angezogen hat und noch ein paar Millionen in den Topf, weil es Verzögerungen gegeben hat beim Baustart. Wir sind es in Karlsruhe gewöhnt von der Kombilösung. Die Kosten haben sich dort am Ende verfünffacht, insofern haben wir beim Staatstheater, zynisch gesagt, noch echt Luft nach oben.

Heiner Kunold (Foto: SWR, SWR -)
SWR-Redakteur Heiner Kunold SWR -

Theaterchef mit mächtigen Verbündeten

Aber so ein Staatstheater ist eben kein Fußballverein: Deshalb werden Trainer auch nicht so schnell gefeuert. Oder Generalintendanten. Der Vertrag von Peter Spuhler läuft noch bis 2026. Dass der inzwischen heftigst umstrittene Theaterchef mächtige Verbündete hat, wurde spätestens nach der Sitzung des Verwaltungsrates deutlich. Völlig egal, was die Mitarbeiter sagen, ein Oberbürgermeister und eine Kunstministerin toppen sie allemal. Sie müssen ja auch nicht in einem offenbar völlig vergifteten Arbeitsklima weiterwurschteln, die kommenden fünf Jahre.

Mitarbeiterbefragung wie bei den Verkehrsbetrieben

Ich will jetzt gar nicht von den rührenden Versuchen anfangen, das Theater mit seinen 700 Mitarbeitern zu befrieden. Eine Mitarbeiterbefragung wie bei den Verkehrsbetrieben soll es richten. Wie man allerdings die Lebenswirklichkeit eines Straßenbahnfahrers auf einen Orchestergeiger übertragen will, werden wir gespannt beobachten.

Viel schwieriger stelle ich mir vor, in so einem zerrütteten Haus überhaupt noch vernünftig zusammen zu arbeiten. Peter Spuhler hat sich jetzt einen Coach genommen, einen Benimmtrainer, könnte man ihn auch nennen. Mal schauen, wie lange der an Bord bleibt.

Strich drunter: In Oberbürgermeister-Wahlkampfzeiten kann sich nicht einmal ein bislang unangefochtener Frank Mentrup so ein Personaldesaster leisten. Das Problem wurde vom Verwaltungsrat nicht gelöst, sondern einfach weggewischt. Das wird sich in den kommenden Jahren rächen. Und jetzt ist nicht nur der Karlsruher Generalintendant angezählt, sondern auch der amtierende Oberbürgermeister, der gerne wiedergewählt werden möchte.

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