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Eine Navigations-App für Blinde und Sehbehinderte made in Baden-Württemberg ist ab sofort abrufbar. Eine Firma aus Ettlingen hat die App entwickelt.

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Vier Jahre lang haben die Entwickler aus der Firma in Ettlingen (Kreis Karlsruhe) an der App "routago" getüftelt. Sie meidet schlicht alle Wege, die für Blinde gefährlich werden könnten. Auf dem Startbildschirm der App kann man unter anderem seine Route planen, sich vorher schon einmal anschauen, wie sie verläuft oder Hindernisse anzeigen lassen. Mit der Kamera kann man außerdem Objekte erkennen, die im Weg sind. Die Sprachausgabe erklärt dann, was es ist.

"Ein blinder Mensch wird lieber einen kleinen Umweg gehen, wenn er dafür über eine sichere Ampel gehen kann, als dass er eine gefährliche Straße überqueren muss. Unsere App leistet im Bereich der Navigation neben vielen anderen Dingen genau dies.“

Stefan Siebert, App-Entwickler

Sehbehinderte haben andere Anforderungen

Die App soll vor allem eins besser können als herkömmliche Navigationssysteme ist: "Es ist eine Fußgänger-Navigation. Man wird auf dem Gehweg der Fußgänger geführt und nicht wie bei herkömmlichen Navigationssystemen, wie ein langsames Auto, wo der Weg mitten auf der Straße angezeigt wird", erklärt Geschäftsführer der Ettlinger Entwickler-Firma, Stefan Siebert. Denn Sehbehinderte haben andere Anforderungen an ihren Weg, sagt Gerhard Jaworek. Er ist selbst blind und war an der Entwicklung der App beteiligt.

"Die meisten Sehenden würden sagen, der optimale Weg ist der schnellste und der kürzeste. Für Blinde bedeutet optimal: Das ist der sicherste Weg, mit wenigen Hindernissen und Gefahrenstellen."

Gerhard Jaworek über den Vorteil der App

Hoffnung auf mehr Selbstbestimmung

Aber wie bedient man überhaupt ein Smartphone, wenn man nicht sehen kann? Dafür gibt es spezielle Einstellungen: Das Smartphone liest einem jede Auswahlmöglichkeit vor. Durch Wischen oder Doppelklicken auf den Bildschirm kann man navigieren oder auswählen. So ist es auch Sehbehinderten möglich, Smartphones zu benutzen. Das dauere natürlich länger, deshalb sei vor allem die Frage, wie kompakt die Informationen der App per Sprachausgabe sein könnten, erläutert Jaworek. Denn erzähle die App beim Laufen eine ganze Litanei, vergehe so wieder unnötig viel Zeit.

Jaworek erhofft sich von der Blinden-App vor allem mehr Selbstbestimmung. Für ihn ist eine scheinbar kleine Hilfe wie eine Navigationsapp ein großer Fortschritt.

SWR-Reporter Felix Dräger stellt die App aus Ettlingen vor:

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