Plakat zur Ausstellung "Criminal Women" im LA8 in Baden-Baden. Es zeigt auf magentafarbenem Grund eine Frau in einem Kostüm der Jahrhundertwende mit einem Wolfskopf

Geschichte der weiblichen Kriminalität

Neue Ausstellung "Criminal Women" im LA8 Baden-Baden

Stand
AUTOR/IN
Sven Huck
Ein Bild von Sven Huck

Im Museum LA8 in Baden-Baden öffnet am Wochenende die neue Ausstellung "Criminal Women". Es geht um die Geschichte der weiblichen Kriminalität.

Mörderinnen, Diebinnen, Prostituierte oder Frauen, die ihr Kind nach der Geburt töteten. "Criminal Women" befasst sich mit der Geschichte der weiblichen Kriminalität und Kriminalisierung  vom 19. Jahrhundert bis in die Zeit des Nationalsozialismus. Zu sehen sind Objekte der Kriminologie und Kunstwerke aus dieser Zeit.

Die drei Kuratorinnen Jadwiga Kamola, Sabine Becker und Ksenija Chochkova Giese wollen kriminelle Frauen zwischen Kriminalisierung und individuellem Tatmotiv verorten. Gezeigt werden Frauen, die schwere Straftaten begangen haben - aber auch Frauen, die kriminalisiert wurden aus unterschiedlichen Gründen. Zum Beispiel Frauen, die abgetrieben haben oder Prostituierte.

Ein Gemälde dasJudith und ihre Magd zeigt. Judith hat in der rechten Hand ein Schwert und hält mit der linken Hand den Kopf des Holofernes
"Judith mit ihrer Magd" (ca. 1651) Nach Giovanni Francesco Barbieri gen. Guercino

Aus der Perspektive der Frau

Versucht wird, immer wieder die Perspektive der Frauen einzunehmen. Die Frauenkriminalität sei bisher wenig erforscht, so die Kuratorinnen. Nicht nur in der Kriminologie, sondern auch in der Kunstwissenschaft.

"Das Besondere an dieser Ausstellung ist, dass wir uns in einer Spannung befinden zwischen Kriminalisierung und Straffälligkeit."

Biblische Geschichte und Serienmörderinnen

Nur wenig entfernt vom Eingang hängt ein großes Gemälde, das eine biblische Geschichte zum Thema hat. Zu sehen ist Judith, die nach dem Alten Testament den feindlichen Feldherrn Holofernes enthauptete.

Judith mit dem Haupt des Holofernes (Ferdinand Theodor Hildebrandt, 1844)
Judith mit dem Haupt des Holofernes (Ferdinand Theodor Hildebrandt)

Auch zwei Serienmörderinnen sind Thema in der neuen Ausstellung. Zum einen Gesche Gottfried (1785 – 1831), die 15 Menschen vergiftete. Die zweite Serienmörderin ist Elisabeth Wiese (1859 bis 1905), die mehrere Kinder umgebracht und verbrannt hatte. Von ihr ist zum Beispiel eine Totenmaske aus Gips zu sehen, die aus dem Polizeimuseum in Hamburg stammt.

„Wir zeigen diese beiden Frauen, um deutlich zu machen, dass die Vorstellung der friedfertigen Frau vielleicht auch ein Mythos ist."

Es soll aber auch deutlich gemacht werden, dass es seltene Fälle seien, so Mit-Kuratorin Sabine Becker.

Neue Ausstellung "Criminal Women" im LA8 Baden-Baden
Replik einer Richtaxt aus dem 19. Jahrhundert

Kriminalisierung in der NS-Zeit

Ein besonderes Augenmerk gilt Frauen, die im Nationalsozialismus als "kriminell" oder als "asozial" bezeichnet wurden und in Gefängnissen oder in Konzentrationslagern festgehalten oder umgebracht wurden. Dazu zählen unter anderem  die Künstlerinnen Eva Schulze-Knabe und Nina Jirsíková. Zu sehen sind zum Beispiel Zeichnungen von Schulze-Knabe.

„Wir zeigen auch viele Frauen, Künstlerinnen, die in der NS-Zeit kriminalisiert wurden und als Kriminelle dargestellt wurden.“

Audioguide mit eingesprochenen Zeugenberichten

Schauspielerinnen und Schauspieler des Theaters Baden-Baden haben einen Audioguide eingesprochen. Zu hören sind zum Beispiel historische Berichte von Zeuginnen oder Zeugen. Der Audioguide kann entweder über eine App oder mit einem Endgerät, das im Museum geliehen werden kann, angehört werden.

In der Ausstellung gibt es auch Video-Interviews mit der Kriminalpsychologin Lydia Benecke. Sie umrahmen die einzelnen Sektionen und überführen die historischen Fragen in die heutige Zeit. Zum Beispiel geht es darum, warum Frauen töteten.

Ausstellung bis kommenden Februar

Die Ausstellung "Criminal Women" im Museum LA8 in Baden-Baden ist ab Samstag für das Publikum geöffnet. Die Schau ist bis Ende Februar 2024 zu sehen. Zur Schau gibt es auch ein Begleitbuch unter gleichnamigem Titel.

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