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In Pforzheim erreichte die AfD bei der Landtagswahl 2016 ihr bestes Ergebnis landesweit. Im Stadtteil Buckenberg-Haidach stimmten sogar 43,2 Prozent für Kandidat Bernd Grimmer. Ob der Landtagsabgeordnete seinen Erfolg am Sonntag wiederholen kann, ist offen.

Waldemar Meser hat eine Mission. Der 70-Jährige mit der sportlichen Schildmütze verteidigt seinen geliebten Stadtteil. Führt vorbei an grauen Plattenbauten, aber auch an immer mehr schicken Bungalows und hübschen Reihenhäuschen. Hier im Pforzheimer Stadtteil Buckenberg-Haidach holte die AfD bei der letzten Landtagswahl 43,2 Prozent.

"Das war eine Protestwahl. Viele haben AfD gewählt, um die große Politik abzustrafen."

Ängste und Wut bei Russlanddeutschen in Pforzheim

Die Flüchtlingsdiskussion und Sanktionen gegen Russland wegen der Krim-Krise – beides habe unter Pforzheimer Russland-Deutschen zu Ängsten und Wut geführt, erzählt Waldemar Meser.

Er selbst wuchs als Sohn von deutschen Eltern in Jakutsk auf und kam 1978 nach Pforzheim, wurde später auch CDU-Mitglied und mehrfach für seine integrative Arbeit in Haidacher Vereinen ausgezeichnet. Die Gegend habe sich längst zu einem lebenswerten und sicheren Multi-Kulti-Viertel entwickelt. Jeder würde hier akzeptiert, unabhängig von Sprache und Nationalität. Die Menschen seien verfassungstreu.

AfD-Kandidat Grimmer holte Direktmandat

Dass die AfD hier 2016 so gut ankam, könnte auch mit der Position der Partei zu Wladimir Putin und Russland zu tun haben, meint der Pforzheimer AfD-Kandidat Bernd Grimmer.

"Wir sind die einzige Partei, die für gute außenpolitische Beziehungen zu Russland stehen, während andere die Sanktionspolitik unterstützen."

Grimmer war 2016 mit 24,2 Prozent der Stimmen hauchdünn vor den Grünen gelegen, gefolgt von der CDU. Den Flügelstreit in seiner Partei vergleicht er mit Diskussionen bei den Grünen in deren Gründungszeit. Grimmer war selbst Grünen-Mitbegründer, trat später aber aus der Partei aus.

Arbeitslosigkeit und konservativer Nährboden

Den Erfolg der AfD in Pforzheim allein am Haidach festzumachen würde aber deutlich zu kurz greifen. Die Partei lag auch in anderen Stadtteilen weit über 20 Prozent oder knackte sogar die 30 Prozent-Marke.

In der konservativ geprägten Stadt mit einer Arbeitslosenquote von knapp acht Prozent fanden die Rechtspopulisten offenbar einen Nährboden, betont Grünen-Gegenkandidat Felix Herkens. Trotzdem glaubt er, dass die AfD ihren Sieg in Pforzheim nicht wiederholen werde.

"Nach fünf Jahren hat die AfD ihr Gesicht offenbart. Im Landtag hat sie sich zum großen Teil zerstritten."

Waldemar Meser hofft auf mehr Interesse an Politik

Ein Panoramabild aus dem Stadtteil Haidach, wo sich hinter schicken, modernen Bungalows Hochhäuser-Blöcke auftun. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow)
Schicke Neubauten stehen im Stadtteil Haidach vor den typischen Hochhäuser-Blöcken, die vor Jahrzehnten gebaut wurden. Hier hatte die AfD 2016 besonders gut abgeschnitten. picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow

Ob der Richtungsstreit in der Landes-AfD Auswirkungen auf das Wahlverhalten in Buckenberg-Haidach hat? Waldemar Meser ist da skeptisch. Viele im Stadtteil würden russisches Fernsehen schauen.

Gerade frühere Aussiedler zeigten kaum Interesse an deutscher Kommunal- oder Landespolitik. Vielleicht würden das aber künftig die Generationen tun, die in Deutschland geboren und zur Schule gegangen sind.

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