Urteil im Darknet-Prozess erwartet (Foto: SWR)

Waffenhandel im Internet Sechs Jahre Haft im Karlsruher Darknet-Prozess

Im Prozess gegen den Betreiber einer illegalen Internet-Plattform vor dem Karlsruher Landgericht ist der Angeklagte am Mittwoch zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.

Dauer

Der 31-Jährige sei damit für den Tod von neun Menschen und für die fünf Verletzten des Amoklaufs von München im Sommer 2016 mitverantwortlich, so das Gericht. Er wurde wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung verurteilt. Denn eine über seine Plattform gehandelte Waffe wurde im Sommer 2016 für den Anschlag am Münchener Olympiaeinkaufszentrum genutzt.

Illegale Plattform seit vier Jahren

Rund vier Jahre lang betrieb der ehemalige Informatikstudent am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) die Plattform "Deutschland im Deep Web". Zuletzt waren dort weit über 20.000 Nutzer registriert. Es war ein Tummelplatz für Freidenker, politische Aktivisten und Verschwörungstheoretiker, aber zunehmend nutzten auch Drogen- und Waffenhändler die Anonymität im sogenannten Darknet für illegale Geschäfte.

Staatsanwaltschaft forderte lange Gefängnisstrafe

Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre und fünf Monate Haft für den 31-Jährigen gefordert. Sein Tatbeitrag liege in der Einrichtung und dem Betreiben der Plattform. Der Mann habe gewusst, welche Geschäfte die Nutzer abgewickelt hätten. Er habe eine Plattform geschaffen, die zur Durchführung von erheblichen Straftaten genutzt wurde. Die Anwälte der Nebenklage schlossen sich weitgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft an. Sie vertreten die Angehörigen der Opfer des Münchner Amoklaufs.

Verfahren für Juristen Neuland

Der Angeklagte habe ein Stück Anarchie geschaffen und müsse für die Folgen haften. "Das Verfahren ist juristisches Neuland", sagte der Staatsanwalt. Die Ermittlungen waren von der auf Cyberkriminalität spezialisierten Anklagebehörde in Mannheim geführt worden. Der Angeklagte wurde im Juni 2017 nach Ermittlungen der Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

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