Blick auf die provisorische Südtribüne im Wildpark beim Spiel gegen den SV Meppen am 20. April 2019 (Foto: Imago, Carmele)

Nach KSC-Kritik am Gemeinderat Karlsruher OB wehrt sich gegen KSC im Tribünen-Streit

Der Karlsruher OB Mentrup hat am Mittwoch bei einer Sonderpressekonferenz Kritik des KSC am Gemeinderat zurückgewiesen. Der Rat hatte entschieden, die provisorische Südtribüne aus Kostengründen nicht zu überdachen, was nun die DFL bemängelt.

Der KSC fordert dagegen die Überdachung beider Tribünen. Mit ihrer Lizenz-Entscheidung hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) dem Verein am Dienstag neue Argumente geliefert. Diese hatte angekündigt, dem KSC nach seinem möglichen Aufstieg in die zweite Bundesliga keine Ausnahmegenehmigung für eine Tribüne ohne Dach zu erteilen.

KSC-Präsident Ingo Wellenreuther hatte die Entscheidung des Karlsruher Gemeinderates in den "Badischen Neuesten Nachrichten" eine "Frechheit" genannt und von einer "politischen Fehleinschätzung" gesprochen. Um Geld zu sparen, will das Stadtgremium nur eine der beiden Tribünen überdachen.

Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) sagte am Mittwochnachmittag bei der Sonderpressekonferenz im Karlsruher Rathaus, er empfinde es als große Zumutung seitens des Vereins, "derart auf den Gemeinderat einzudreschen", anstatt nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen, die finanziell verantwortbar ist. Der KSC hat am Mittwoch dann schließlich doch noch Beschwerde gegen die DFL-Auflagen eingelegt.

Dauer

"Wellenreuthers Vorwürfe gegenüber der Stadt sind eine Anmaßung"

Auch mehrere Fraktionen im Karlsruher Gemeinderat hatten das Vorgehen der KSC-Führung scharf kritisiert. Renate Rastätter von den Grünen nannte die Vorwürfe von Wellenreuther gegenüber der Stadt eine "Anmaßung". Wellenreuther sei nur darauf aus, einen Eklat zu provozieren, sagte Rastätter dem SWR. Die Kosten für die Überdachung der Südtribüne mit Steuergeldern zu finanzieren, sei nicht zu verantworten.

"Die Frage ist, was sich Oberbürgermeister Mentrup im Zusammenhang mit dem Stadionbau noch gefallen lässt."

Lüppo Cramer, KULT-Fraktion
Blick von der Nord- auf die im Bau stehende Südtribüne im Wildparkstadion (Foto: SWR)
Blick von der Nordtribüne auf die gerade im Bau stehende Südtribüne im Wildparkstadion

Neue Abstimmung über Südtribünen-Dach im Mai?

Lüppo Cramer von der KULT-Fraktion nannte die Aussage des KSC-Präsidenten eine "Unverschämtheit" und forderte mehr Demut gegenüber dem Gemeinderat. SPD-Fraktionschef Parsa Marvi forderte "weniger Dramatik" und setzt trotz der Spannungen auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit zwischen Stadt und Verein. Die CDU will, so Fraktionschef Tilman Pfannkuch, eine sachliche Klärung und eine erneute Entscheidung des Gemeinderats am 14. Mai.

Stadt will als Bauherrin Kosten sparen

Die Stadt Karlsruhe ist Besitzerin und Bauherrin des Wildparkstadions, der KSC ihr Mieter. Insofern muss die Stadt auch die Baukosten tragen. Der Gemeinderat hatte Ende Februar beschlossen, nur die provisorische Nordtribüne zu überdachen. Auf die Überdachung der Südtribüne sollte wegen zu hoher Kosten bei zu kurzer Nutzungszeit verzichtet werden. Die Miete für die beiden temporären Dachkonstruktionen hätte sich laut Stadtverwaltung auf 1,37 Millionen Euro summiert. Durch die Entscheidung gegen eine Überdachung der südlichen Sitzplätze ließen sich demnach rund 800.000 Euro an Kosten einsparen.

"Nur" ein Verstoß oder Lizenz-Verbot?

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte einen Ausnahmeantrag des KSC abgelehnt, in der zweiten Liga ohne überdachte Südtribüne zu spielen. Wird die provisorische Südtribüne im Wildparkstadion nicht bis September überdacht, verstoße der Drittligist gegen die Lizenzierungsauflagen für die 2. Bundesliga, zitierte der KSC die DFL am Dienstag. Welche Folgen ein solcher Verstoß haben wird, ist bislang nicht bekannt.

In einer ersten Meldung hatte der Karlsruher SC zunächst mitgeteilt, dass er ohne eine Überdachung der Tribüne keine Lizenz für die 2. Bundesliga erhalte. Richtig ist jedoch, dass der Verein dann lediglich gegen die Lizenzierungsauflagen verstößt. Der KSC hat dies mittlerweile richtig gestellt.

"Die beantragte Genehmigung einer Ausnahme wird nicht bewilligt. […] Dieser Zeitraum würde die gesamte Spielzeit 2019/2020 betreffen. [...] Hinzu kommt, dass insbesondere die Fans des jeweiligen Gastclubs die Nachteile der fehlenden Überdachung tragen würden."

Auszüge aus dem Lizenzierungsbescheid der DFL
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