Stethoskop liegt neben Laptop. Symbolbild für Telemedizin (Foto: dpa Bildfunk, Patrick Pleul)

Kritik an elektronischer Patientenakte Datensicherheit: Ärztin gibt Kassenzulassung ab

Ärzte müssen jetzt an ein Netzwerk angeschlossen sein, das den Austausch von Patientendaten erleichtern soll. Eine Ärztin aus Baden-Baden wehrt sich dagegen - mit einem drastischen Schritt.

Das Gesundheitswesen wird digital. Seit Jahren wird bereits an einer Vernetzung von niedergelassenen Ärzten mit Krankenhäusern, Apotheken und anderen Therapeuten gearbeitet. So sollen Patientendaten unkompliziert und vor allem sicher ausgetauscht werden können. Das ganze nennt sich "Telematik-Infrastruktur".

Kritik an der Datensicherheit

Kritiker sehen in dem System allerdings Sicherheitsprobleme und auch nicht alle Ärzte sind von dem neuen System begeistert, zum Beispiel die Baden-Badener Gynäkologin Nina Fortmann. Sie hat Bedenken wegen der Datensicherheit und ärgert sich über den Zwang, am neuen System teilzunehmen. Deshalb gibt sie ihre Kassenzulassung zurück und behandelt künftig nur noch Privatpatienten.

Dauer

In Baden-Württemberg sind derzeit nur 80 bis 85 Prozent der Ärzte an das Telematik-Netzwerk angeschlossen. Die restlichen haben entweder technische Probleme oder sie lehnen es ab. Ab März drohen diesen Ärzten Honorarkürzungen von Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung (KV).

Das Ziel ist die elektronische Patientenakte

Zunächst sollen lediglich die Daten der Gesundheitskarte in dem Netzwerk gespeichert werden, also Name, Geburtstag und Adresse. Später soll die elektronische Patientenakte hinzukommen, allerdings nur, wenn der Patient das will.

Technischer Zugang überdurchschnittlich sicher

Technisch funktioniert der Zugang mit einem Konnektor. Mithilfe des Arztausweises und Praxisausweises können sich die Ärzte über das Gerät in das Netzwerk einwählen.

Der Konnektor hält laut IT-Experten überdurchschnittliche Sicherheitsstandards ein, sofern er korrekt installiert ist. Doch das Problem ist, viele Arztpraxen haben keine hohe IT-Sicherheit.

"Die unsichere Umgebung einer Arztpraxis oder eines Krankenhauses ist das größte Einfallstor in diese Infrastruktur."

Florian Grunow, IT-Sicherheitsexperte

Der Baden-Badener Ärztin Nina Fortmann ist die Verantwortung zu groß. Nach 16 Jahren wird nun aus ihrer Praxis eine Privatpraxis.

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