Nitrat-Belastung in Deutschland: Ein Traktor versprüht Gülle auf einem Acker (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Carsten Rehder/dpa)

Recycling-Anlage aus Mühlacker Innovation aus Baden-Württemberg soll Gülle-Problem lösen

AUTOR/IN
AUTOR/IN

Zu viel Gülle auf den Feldern - zu viel Nitrat im Grundwasser. Ein Unternehmer aus Mühlacker (Enzkreis) hat eine Antwort auf dieses Problem: Gülle-Recycling.

Die Menge an Gülle auf den Feldern wird zunehmend zum Umweltproblem: In Deutschland ist vielerorts zu viel Nitrat im Grundwasser. Vor wenigen Wochen hat sich die Bundesregierung auf eine Verschärfung der Düngeregeln für Landwirte geeinigt. Der Druck ist groß: Wenn Deutschland weiter gegen die Nitrat-Vorgaben der EU verstößt, drohen Strafzahlungen. Allerdings müssen die Vorschläge noch durch den Bundesrat, und dann entscheidet Brüssel.

Innovation aus Mühlacker soll Gülle-Problem lösen

Doch Gülle lässt sich nicht verhindern - da, wo Tiere gehalten werden, gibt es sie. Der Unternehmer Ulrich Geltz aus Mühlacker (Enzkreis) hat sich deswegen etwas einfallen lassen: Er hat eine Anlage entwickelt, die Gülle aufspalten und damit recyclen kann.

Dauer

Mehr als acht Jahre lang hat er an dem Recyclingverfahren für Gülle gearbeitet, bald soll eine erste Großanlage fertig sein.

"Die Anlage ist in der Lage, die Gülle von 60.000 Schweinen beziehungsweise die entsprechende Menge aus Biogasanlagen, also Gärresten, abzuarbeiten."

Ulrich Geltz, Unternehmer aus Mühlacker

Die Gülle wird beim Recyclen in drei Bestandteile zerlegt: Phosphatsalze, Ammoniumsulfat und torfähnlichen Humus. "Diese Bestandteile können entweder als Dünger oder in der chemischen Industrie weiterverwendet werden", erklärt Geltz. Den Humus könne man als Blumenerde nutzen.

Durch Recycling von Gülle entstehen Humus, Phosphatsalz und Ammoniumsulfat. (Foto: SWR)
Durch Recycling von Gülle entstehen Humus, Phosphatsalze und Ammoniumsulfat.

NABU: Weniger Tiere für weniger Gülle

Die Firma geht davon aus, dass 10.000 Liter Gülle pro Stunde verarbeitet werden können. Doch kann das Gülleproblem auf diese Weise gelöst werden? Der Naturschutzbund (NABU) sieht das kritisch. Um die Nitratbelastung zu senken, schlägt die Organisation eine flächengebundene Tierhaltung vor.

"Das bedeutet, man darf eigentlich nur so viele Tiere halten, wie man von der Fläche ernähren kann beziehungsweise wie man den Dung auf der Fläche ausbringen kann, ohne dass die Fläche überdüngt wird."

Christine Tölle-Nolting, NABU

Geltz will 300 Anlagen verkaufen

Potential scheint die Gülle-Recycling-Anlage von Ulrich Geltz zu haben. Er müsse sich bereits vor Wirtschaftsspionage schützen: "Wir bekommen Anfragen aus China beispielsweise, von denen wir genau wissen, dass es darum geht, unsere Technologie auszuspähen", so Geltz. Die erste Großanlage hat er gerade nach Niedersachsen verkauft. Der Unternehmer hofft, weitere 300 Anlagen verkaufen zu können.

Auszeichnung durch die Wirtschaft

Auch die Wirtschaft ist schon aufmerksam geworden: So wird Geltz am Donnerstag für seine Idee mit dem VR-Innovationspreis 2019 der Volksbanken und Raiffeisenbanken ausgezeichnet. Der Preis zählt zu den wichtigsten Wirtschaftspreisen in Baden-Württemberg.

AUTOR/IN
STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG