Die zerstörte Fahrerkabine eines Lkws nach einem Unfall auf der A8 (Foto: SWR)

Nach tödlichem Unfall auf A8 DRK spricht nach Gaffermeldung von Missverständnis

Das Deutsche Rote Kreuz hat eine Meldung der Polizei dementiert, wonach Gaffer am Mittwoch bei einem tödlichen Lkw-Unfall auf der A8 bei Pforzheim die Tür eines Rettungswagens geöffnet haben sollen. Es handele sich um ein Missverständnis.

Ein Unfall auf der A8 am Mittwoch ist wegen Gaffern in die Schlagzeilen geraten. Nach Gesprächen mit den Rettungskräften habe sich jedoch herausgestellt, dass niemand versucht hatte, die Tür zu öffnen oder gar in den Rettungswagen zu steigen, heißt es jetzt vom DRK Pforzheim-Enzkreis.

Es hätten jedoch viele Unbeteiligte von außen Fotos gemacht und versucht, Blicke in den geöffneten Wagen zu werfen. Eine Rettungskraft habe deshalb zu einem Polizisten gesagt: Es fehle nur noch, dass jemand in den Rettungswagen steigt, um Fotos zu machen. So sei es zu dem Missverständnis gekommen.

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Bei dem Unfall bei Pforzheim war am Mittwochvormittag ein 59-jähriger Lkw-Fahrer ums Leben gekommen. Er war an einem Stauende auf einen weiteren Lastwagen geprallt. Dabei kippte das vordere Zugfahrzeug um, dessen Fahrer konnte sich laut Polizei aber selbst befreien. Der 59 Jahre alte Unfallverursacher wurde eingeklemmt und erlag kurz darauf seinen Verletzungen.

Die Polizei hielt zunächst an ihrer Darstellung vom Mittwoch fest, Schaulustige sollen die Tür eines Rettungswagens geöffnet haben, "um den Verletzten aus der Nähe zu betrachten und möglicherweise auch fotografieren zu können".

Bislang keine Zeugen gemeldet

Da die Rettungskräfte "alle Hände voll zu tun hatten", sei es nicht gelungen, die Personen vor Ort festzustellen, hieß es. Bislang hätten sich auch keine Zeugen gemeldet, sagte ein Sprecher der Polizei Karlsruhe am Donnerstag. Die Polizei ist nun dabei, den Fall aufzuklären und zu ermitteln, was genau sich an dem Rettungswagen zugetragen hat.

Unverständnis von der Polizeigewerkschaft

Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Ralf Kusterer, reagierte mit Unverständnis. "Ob man dabei versuchte, die Türe eines Rettungswagens zu öffnen oder sich nur am Rettungswagen aufgehalten hat, um Blicke vom Verletzten zu erhaschen, der vermutlich mit dem Leben kämpfte, ist zweitrangig - ein solches Verhalten ist widerlich." Er finde es besonders schlimm, dass die Polizei personell nicht in der Lage sei, die Gaffer zu erfassen und zu verfolgen, teilte Kusterer mit.

Sowohl Polizei als auch DRK bestätigten, dass nach dem Unfall zahlreiche Schaulustige die Rettungsarbeiten behinderten. Eine Frau sei dem Rettungswagen bei der Versorgung von Verletzten sehr nahe gekommen und vom Rettungsdienst weggeschickt worden, sagte eine DRK-Sprecherin.

Gaffer behinderten Bergung der Leiche

Auch die Bergung der Leiche sei schwierig gewesen, sie habe nicht vor neugierigen Blicken geschützt werden können: Schaulustige seien nicht weggegangen, obwohl sie dazu aufgefordert worden seien. Ein Rettungswagen habe nicht umparken können, weil Gaffer keinen Platz gemacht hätten. Solche Vorfälle seien für Retter, die um Menschenleben kämpften, eine hohe zusätzliche Belastung.

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