PFC-Skandal in Mittelbaden Rotes Kreuz ruft weiter zum Blutspenden auf

Derzeit darf Blutplasma aus Mittelbaden nicht verwendet werden. Grund sind möglicherweise erhöhte PFC-Werte. Blutspenden sind allerdings vom Deutschen Roten Kreuz weiterhin erwünscht.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Der Blutspendedienst Baden-Württemberg/Hessen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bestätigte am Donnerstag dem SWR: Gespendetes Blutplasma aus der Region Mittelbaden sei für die direkte Anwendung am Menschen vorläufig gesperrt. Das gelte bereits seit März 2017. Grund ist der Verdacht, das Blutplasma könnte erhöhte PFC-Werte enthalten.

DRK: Bitte weiter Blut spenden

Allerdings wies das Deutsche Rote Kreuz am Freitag daraufhin hin, dass Blutspenden dennoch weiterhin erwünscht seien. Lediglich das Blutplasma werde vorsorglich eingelagert, der Rest des Blutes, rote Blutkörperchen und Blutplättchen, werde weiterhin verwendet und dringend benötigt.

Bei den Spenden aus dem Landkreis Rastatt und dem Stadtkreis Baden-Baden lagert das DRK seit März 2017 das Plasma ein und verwendet es vorerst nicht. Tiefgefroren bei minus 60 Grad ist das Plasma über Jahre haltbar. Das sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagt das DRK. Das Plasma werde solange eingelagert, bis es gesetzliche Grenzwerte für PFC gibt.

Blut-Tests in der Region Mittelbaden hatten diesen Oktober gezeigt: Bei Menschen, die PFC-belastetes Obst und Gemüse gegessen hatten, waren erhöhte Konzentrationen der Chemikalie im Blut nachweisbar. Wer Leitungswasser getrunken hatte, wies zum Teil sogar stark erhöhte PFC-Werte im Blut auf.

Abschließende Risiko-Bewertung steht noch aus

Die Blutplasma-Sperre gilt laut Blutspendedienst bis eine abschließende Risiko-Bewertung durch die Landesregierung vorliegt. Der Dienst habe sich freiwillig zu der Sperre entschlossen, von einer akuten Gefahr für Blutempfänger gehe man nicht aus.

Zitat aus einer E-Mail des DRK-Blutspendedienstes Baden-WürttembergHessen:
Zitat aus einer E-Mail des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg/Hessen

Mutmaßlich krebserregende Chemikalie im Grundwasser

PFC sind vermutlich durch verunreinigten Kompost auf Felder in Mittelbaden gelangt und von dort ins Grundwasser gesickert. Die Chemikalien stehen nach Tierversuchen im Verdacht, Krebs auszulösen und die Fruchtbarkeit zu verringern.

Größter Umweltskandal in Baden-Württemberg

Der PFC-Skandal wurde 2013 bekannt. Über 600 Hektar rund um Rastatt und Baden-Baden sind mit PFC verunreinigt. Der Umweltskandal gilt als flächenmäßig größter in Baden-Württemberg. 

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