Die Tunnel-Baustelle in Rastatt (Foto: SWR)

Deutsche Bahn informiert nach Tunnelhavarie Rastatter Tunnel: Projekt wird teurer und später fertig

Nach der Tunnelhavarie vor zwei Jahren bei Rastatt will die Deutsche Bahn die Bauarbeiten 2020 fortsetzen. Das Projekt wird voraussichtlich deutlich teurer als veranschlagt.

Die Deutsche Bahn wird im kommenden Jahr mit der Sanierung des vor zwei Jahren havarierten Rastatter Tunnels beginnen. Das Unternehmen hat am Mittwoch die Pläne für das weitere Vorgehen präsentiert.

Tunnelbohrmaschine wird geborgen

Laut Bahn sollen ab April die letzten 200 Meter der intakten Weströhre fertiggestellt werden. Anschließend wird die havarierte Oströhre in offener Bauweise saniert. Um an die Unglücksstelle von oben heranzukommen, muss die über der Baustelle verlaufende Rheintalbahn auf einer Länge von 700 Metern verlegt werden. Nach der Verlegung der Gleise wird die in Beton eingegossene havarierte Bohrmaschine geborgen. Danach kann der Tunnel endgültig fertiggestellt werden.

Vor zwei Jahren waren direkt unter der bestehenden Bahnstrecke Wasser, Sand und Kies in den gerade gebohrten Tunnel eingedrungen. Die Gleise sackten ab, die Strecke wurde sieben Wochen lang gesperrt. Günter Precechtel war an der Tunnelbaustelle:

Dauer

Kosten steigen deutlich

Die Inbetriebnahme wird sich nach Angaben der Deutschen Bahn um ein Jahr auf 2025 verzögern. Die Gesamtkosten werden die veranschlagten 700 Millionen Euro voraussichtlich deutlich übersteigen. Nähere Angaben zu den Kosten machte die Bahn nicht. Das Schlichtungsverfahren zur Vermeidung von langwierigen Gerichtsprozessen laufe derzeit noch. Mitte kommenden Jahres soll dieses Verfahren, in dem es auch um Verantwortlichkeiten für die Havarie geht, abgeschlossen sein.

Kritik vom Netzwerk Europäischer Eisenbahnen

Zum zweiten Jahrestag der Havarie kritisierte der Geschäftsführer des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen, Peter Westenberger, die Bahn. Weder seien die Ursachen des Schadens öffentlich bekannt gemacht noch der Schadenersatz geregelt oder der dringend notwendige Bau ernsthaft weitergeführt worden. "Die Erinnerungen an die Chaoswochen im europäischen Schienenverkehr verblassen langsam und der von Beginn an geringe Elan, grundlegende Konsequenzen zu ziehen, erlahmt aus unserer Sicht immer weiter", teilte er mit.

Außer einem Handbuch, das bessere Verfahren für künftige Havarien festschreibe und der ohnehin geplanten Ertüchtigung der parallelen Gäubahn habe es bei der DB Netz keine weiteren Maßnahmen für die Eisenbahnunternehmen gegeben.

Volkswirtschaftlicher Schaden in Milliarden-Höhe

Westenberger erinnerte daran, dass bis zu 200 Güterzüge täglich von der Sperrung betroffen waren. Für viele davon habe es keine Ausweichrouten gegeben. Der volkswirtschaftliche Schaden wurde nach seinen Angaben auf rund zwei Milliarden Euro geschätzt.

Die Rheintalbahn ist eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen im europäischen Streckennetz. Sie dient als Zulaufstrecke zum Gotthard-Basistunnel in der Schweiz.

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