Karlsruher Wildparkstadion Skurrile Funde beim KSC-Stadionrückbau

Beim Rückbau des alten Karlsruher Wildparkstadions ist ein historisches Relief entdeckt worden. Eines von vielen spannnenden Fundstücken unter den Stadionwällen, die ans Tageslicht kommen.

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Das Relief befand sich unter den alten KSC-Tribünen. Es stammt wohl aus den Zwischenkriegsjahren und zeigt einen jungen Mann: Nackt und muskulös sitzt er auf einem galoppierenden Pferd, in der linken Hand schwingt er eine Peitsche. Die Entdeckung liegt nun gut geschützt unter einer Plane am Eingang der Stadionbaustelle.

Viele Überraschungen im Kriegsschutt

Die Erdwälle, auf denen das Karlsruher Wildparkstadion gebaut wurde, bestehen zu großen Teilen aus Kriegsschutt. Sie werden deshalb vor dem Bau des neuen KSC-Stadions abgetragen. Dort, wo mal die Nordtribüne war, klafft zwischen turmhohen Erdhaufen inzwischen eine riesige Lücke. Hier wurde auch das Relief entdeckt.

"Es handelt sich um das Motiv des 'Rossebändigers'. Es ist bereits seit der Antike bekannt."

Folke Damminger, Landesamt für Denkmalpflege

Der Denkmalpfleger schätzt, dass das Relief in den 20er oder 30er Jahren entstanden ist. Folke Damminger ordnet es dem Neoklassizismus zu, wie es entstand, sei aber nicht bekannt. Es müsse aber für repräsentative Zwecke an einem öffentlichen Bau angebracht gewesen sein, etwa an einer Schule oder einer Sporthalle.

Stadionwälle bergen Zeugnisse der Alltagsgeschichte

Zwischen Erdbrocken, Backsteinen und Resten von Kampfmitteln stoßen die Bauarbeiter im Stadion immer wieder auf Skurriles: Unter den Fundstücken ist etwa eine vom Rost zerfressene Cremedose, wohl aus der Vorkriegszeit. Und Einzelteile einer etwas vergilbten Landkarte. Stuttgart ist darauf zu sehen, Pforzheim und der Rhein – die Karte stammt wahrscheinlich aus einer historischen Kunstdruckerei in Karlsruhe.

Funde kommen ins Archäologische Landesarchiv Rastatt

Für die Denkmalpfleger um Folke Damminger ist der Abriss des Kriegsschutt-Walls eine Chance. Baggerschaufel für Baggerschaufel wird ein Stück Alltagsgeschichte an die Oberfläche befördert. Die Fundstücke kommen ins zentrale Fundarchiv des Archäologischen Landesarchivs nach Rastatt. Man darf gespannt, sein, was noch alles zutage tritt. Und so dürfen sich die Baggerfahrer im Wildpark weiter ein klein bisschen wie Archäologen fühlen.

SWR-Reporter Andreas Fauth hat sich gemeinsam mit Denkmalpflegern und dem Bauleiter auf der KSC-Baustelle umgeschaut:

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