Eine Sirene vor blauem Himmel mit Wolken (Foto: SWR)

Viele Anlagen in Baden-Württemberg haben ausgedient Immer weniger Kommunen mit Sirene

Mindestens 330 Gemeinden in Baden-Württemberg betreiben keine Sirenen mehr oder nutzen vorhandene Systeme nicht. Das ergab eine Recherche des SWR. Mit Sirenen kann im Katastrophenfall die Bevölkerung gewarnt werden.

Im kompletten Landkreis Böblingen etwa gibt es keine Sirenen mehr mit zentraler Ansteuerung. Auch in Stuttgart und Heidelberg ist das Sirenennetz abgeschaltet. Heidelberg war vor einigen Wochen deshalb bei zwei Fällen in den öffentlichen Fokus geraten: Bei einem Chemieunfall mit Gasaustritt und bei verunreinigtem Trinkwasser wäre laut Feuerwehr eine Warnung der Bevölkerung mit Sirenen sinnvoll gewesen.

Kommunen nutzen Sirenen unterschiedlich

Auch bei Stromausfall, Cyberangriffen, extremen Gefahrenlagen wie Hochwasser und in Regionen mit Funklöchern seien Sirenen wichtig, sagen Experten. Denn dann könnten die Warn-Apps unter Umständen nicht funktionieren. Wie Sirenen genutzt werden, ist gesetzlich nicht geregelt. Manche Kommunen nutzen sie zur Alarmierung der Feuerwehr, andere nur in extremen Katastrophenfällen. Wieder andere besitzen zwar noch Sirenen, nutzen sie aber nicht mehr.

Die nachfolgende Grafik zeigt die Sirenen-Abdeckung in den Stadt- und Landkreisen. Der Landkreis Böblingen hat demnach eine schlechte Abdeckung (rot), weil hier keine Gemeinde mehr eine Sirene im Einsatz hat. Der Landkreis Rottweil hat eine sehr gute Abdeckung (dunkelblau), weil hier jede Gemeinde Sirenen im Einsatz hat.

Warn-Apps und Durchsagen als Alternative

Viele Gemeinden setzen zur Warnung der Bevölkerung auf Warn-Apps oder Lautsprecherdurchsagen. Aber es gibt auch Gemeinden, die Geld in Sirenen investieren. Billigheim im Neckar-Odenwald-Kreis hat beispielsweise Sirenen mit präzisen Warndurchsagen installiert. Auch in Mannheim und Bretten wurde das Sirenennetz teuer aufgerüstet.

Kürnbach (Kreis Karlsruhe) hingegen hat zwar noch Sirenen, die sind aber nicht mehr zentral steuerbar, seit die Integrierte Leitstelle des Landkreises vor zwei Jahren auf Digitaltechnik umgestellt wurde. SWR-Reporter Jonas Keinert berichtet darüber:

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Die Warn-App NINA (Notfall-Informations-und Nachrichten-App des Bundes) beispielsweise warnt nicht nur, sondern gibt auch konkrete Warninformationen und Verhaltenshinweise über das Smartphone.

Die Warn-App NINA ist eine Art „Sirene für die Hosentasche“. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Foto: Bernd Wüstneck/dpa)
Die Warn-App NINA (Notfall-Informations-und Nachrichten-App des Bundes) ist eine Art „Sirene für die Hosentasche“. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Insgesamt gibt es in Baden-Württemberg noch mindestens 2.200 Sirenen. Allerdings eben auch in fast jeder dritten Gemeinden im Land keine mehr.

Gründe für den Abbau der Sirenen

Bis Anfang der 1990er Jahre gab es nach Angaben des baden-württembergischen Innenministeriums ein flächendeckendes Sirenennetz des Bundes, das die Bevölkerung vor möglichen Luftangriffen warnen sollte. Nach dem Ende des Kalten Krieges hätte der Bund dieses Sirenennetz aufgegeben und es den Kommunen zur Übernahme angeboten.

Aus Sicht des Innenministeriums ist es dabei wichtig, die Nutzung von Sirenen in ein Gesamtkonzept "Warnung" einzubetten. [...] Die Nutzung von Sirenen ist also keine Entweder/Oder-Entscheidung, sondern ein "sowohl als auch" im Rahmen des sogenannten "Warnmix".

Stellungnahme des baden-württembergischen Innenministeriums

In Deutschland gab es zum Zeitpunkt des Abbaus rund 80.000 Sirenen. Die Kommunen, die sich zur Übernahme entschlossen, würden die Sirenen häufig insbesondere zur Alarmierung der Feuerwehr nutzen, so das Innenministerium. Aufgrund der immer stärkeren Nutzung der "stillen Alarmierung" der Einsatzkräfte durch Meldeempfänger seien in den zurückliegenden Jahrzehnten vielerorts Sirenen abgebaut worden.

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