Kollision nahe Oberhausen-Rheinhausen (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Uli Deck/dpa)

"Helikopter nicht in Sicht" - Ermittlungen dauern an Ein Jahr nach dem Flugunglück nahe Oberhausen-Rheinhausen

Es war eines der schwersten Flugunglücke der vergangenen Jahre in Baden-Württemberg. Vier Menschen starben bei der Kollision. Auch ein Jahr danach ist die Ursache noch immer unbekannt.

"Helikopter nicht in Sicht" - das waren offenbar die letzten Worte der Besatzung eines Kleinflugzeugs an den Flugplatz Speyer. Wenige Augenblicke danach kam es zur Kollision mit einem Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung nahe Oberhausen-Rheinhausen (Kreis Karlsruhe). Alle vier Insassen starben.

Flugzeugkollision nahe Oberhausen-Rheinhausen (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Uli Deck/dpa)
Auf einem Acker lagen Wrackteile zerstreut. Die Insassen beider Maschinen hatten keine Chance. Foto: Uli Deck/dpa

So kam es zu der Kollision

Mitte des Jahres veröffentlichte die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) aus Braunschweig einen ersten Zwischenbericht des Vorfalls. Demnach hatte die Rettungshubschrauberbesatzung verschiedene Flugmanöver am Flugplatz Speyer trainiert. Kurz vor der Kollision stand der Helikopter in der Nähe des Flugplatzes in der Luft, um den Start eines unbeteiligten Kleinflugzeuges abzuwarten und dann wieder zu landen.

Das am Unfall beteiligte Kleinflugzeug aus Basel war im gleichen Zeitfenster im Anflug auf den Flugplatz Speyer. Die Besatzung aus der Schweiz - ein Flugschüler und sein Fluglehrer - nahm Kontakt mit dem Flugleiter im Tower auf. Dieser soll, so geht es aus dem Zwischenbericht hervor, die Piloten über den Flugverkehr am Flugplatz informiert haben. Die Rückmeldung an den Tower: "Helikopter nicht in Sicht" (traffic not in sight). Dann kam es zu dem Unglück.

"In diesem Moment gab es eine riesige Feuerballexplosion und schwarze Rauchwolken am Himmel. Viele Teile fielen zu Boden."

Augenzeuge

Warum haben sich die Piloten nicht gesehen?

Helikopter und auch Kleinflugzeuge fliegen auf Sicht - auch im Bereich des Flugplatzes. Nach Angaben des Geschäftsführers des Flugplatzes Speyer, Roland Kern, müssen die Piloten gegenseitig aufeinander achten und Ausschau halten. Alle hören den Sprechfunkverkehr mit. Deshalb müssten auch die beiden Piloten damals alle Funksprüche gehört haben.

Warum sich die beteiligten Piloten nicht gegenseitig gesehen haben, ist bislang nicht nachvollziehbar. Eine Aufzeichnung des Sprechfunkverkehrs am Flugplatz Speyer existiert nicht. Nach Angaben des Landesbetriebs Mobilität Rheinland-Pfalz ist dies auch gesetzlich für den kleinen Flugplatz nicht vorgeschrieben.

Flugplatz Speyer (Foto: SWR)
Beide Piloten hatten zuvor Kontakt mit dem Flugplatzleiter in Speyer.

Warum dauert die Untersuchung so lange?

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat den Auftrag, den Flugverkehr sicherer zu machen. Sie untersucht dafür unter anderem Flugunfälle in Deutschland und war wenige Stunden nach dem Unglück vor Ort.

In einem ersten Zwischenbericht wurden die bereits vorliegenden Fakten zusammengefasst. Weil Gutachten durch externe Firmen länger dauern, die BFU mit ihren fast 40 Mitarbeitern auch andere Flugunfälle untersucht und alle Fakten mehrfach geprüft werden, dauert die Bearbeitung nach Angaben der BFU entsprechend lange. Ob in diesem Fall die Ursache rekonstruiert und festgestellt werden kann, ist jedoch fraglich. Ein Abschlussbericht könnte noch mehrere Monate oder sogar Jahre auf sich warten lassen.

Ermittler der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung am Unglücksort (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Uli Deck/dpa)
Ermittler der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung untersuchen hunderte Wrackteile. Foto: Uli Deck/dpa

Ermittelt die Staatsanwaltschaft Karlsruhe?

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe ist für die Ermittlungen zuständig und ermittelt auch in diesem Fall. Allerdings wartet die Behörde zunächst den Abschlussbericht der BFU ab. Dann entscheidet sie, ob sie weiter ermittelt oder das Verfahren einstellt.

Ungewöhnlicher Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr

Das Unglück war ein nicht alltäglicher Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr Rheinhausen. Kurz nach 13 Uhr wurden die Rettungskräfte alarmiert - unter den Helfern waren damals auch Daniel Wittemaier und Oliver Baumann:

Dauer

Zieht die DRF Flugrettung Konsequenzen aus dem Unglück?

Zwei Piloten der DRF Flugrettung mit Sitz in Filderstadt kamen bei dem Unglück ums Leben. Auf SWR-Anfrage teilte die Organisation mit, dass sie ebenfalls auf den Abschlussbericht wartet. Der Vorfall sei jedoch besprochen und reflektiert worden.

Eine Anpassung der Trainingsabläufe der DRF Luftrettung bzw. der Inhalte der Pilotenschulungen war nach DRF-Angaben nicht notwendig:

"Sie erfüllen selbstverständlich alle gesetzlichen Anforderungen und darüber hinaus die sehr hohen internen Qualitäts- und Sicherheitsstandards der DRF Luftrettung."

DRF Flugrettung
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