Eine Schale in der sich Utensilien für den intravenösen Drogenkonsum befinden  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Uli Deck)

Drogenunfälle sollen vermieden werden Drogenkonsumraum in Karlsruhe eröffnet

In Karlsruhe ist am Freitag der landesweit erste Drogenkonsumraum eröffnet worden. Dort können Schwerstabhängige ihre Rauschmittel unter hygienischen Bedingungen und unter fachlicher Aufsicht konsumieren.

Etwa anderthalb Jahre hat es gedauert, bis die Landesregierung dem Konzept zustimmte und der Raum anschließend gebaut werden konnte. Im April vergangenen Jahres beschloss der Karlsruher Gemeinderat ein landesweites Pilotprojekt: einen Drogen-Konsumraum für Schwerstabhängige. Sie können dort selbst mitgebrachte Drogen konsumieren. Er ist an eine Suchtberatungsstelle der AWO-Karlsruhe angegliedert. Am Freitag wurde er offiziell eröffnet. Bernhard Basler war dort:

Dauer

Drogenkonsumraum weiterer Baustein

Der Konsum der Drogen findet unter fachlicher Aufsicht statt. "Damit können Drogenunfälle vermieden werden", sagt die Drogenbeauftragte der Stadt Karlsruhe, Cordula Sailer. Dafür stehen in dem 30 Quadratmeter großem Raum vier abgetrennte Plätze zur Verfügung. Diese sind jeweils mit sauberem Spritzbesteck, Desinfektionsmittel und Einweghandschuhen ausgestattet. Ein weiterer Vorteil ist, dass Anwohner entlastet werden, die unter einer offenen Drogenszene leiden.

"Ich denke, das ist ein gutes Zeichen für schwerstkranke Menschen, die ein bisschen mehr Würde zurückerhalten, und vielleicht auch die eine oder andere Chance auf ein Andocken, ein Leben ohne oder mit weniger Sucht."

Manne Lucha, Minister für Soziales und Integration

Niedrigschwellige Suchthilfe für Karlsruhe

Der Drogenkonsumraum heißt "Get In", ist in der Kriegsstraße untergebracht und wird von der Arbeiterwohlfahrt Karlsruhe (AWO) betrieben. Dafür musste eine Rechtsverordnung durch die Landesregierung erlassen werden, weil dort illegale Drogen konsumiert werden. Das grün-schwarze Kabinett hatte die Verordnung im März dieses Jahres einstimmig beschlossen.

Oberbürgermeister Frank Mentrup, Polizeipräsidentin Karlsruhe Caren Denner , Minister Manne Lucha, AWO-Geschäftsführer Markus Barton (Foto: SWR, Foto: Jonas Keinert)
Oberbürgermeister Frank Mentrup, Polizeipräsidentin Karlsruhe Caren Denner , Minister Manne Lucha, AWO-Geschäftsführer Markus Barton Foto: Jonas Keinert

Karlsruhe stand damals schon in den Startlöchern. Der Gemeinderat hatte schon im Frühjahr 2018 einmütig für den Drogenkonsumraum gestimmt. Nach der ärztlich verordneten Heroinvergabe und einem Alkoholkonsumraum sei der Drogenkonsumraum ein weiterer Baustein der Überlebenshilfe für Süchtige, so AWO-Geschäftsführer Markus Barton.

Karlsruhe ist Vorreiter in Baden-Württemberg

Der Drogenkonsumraum in Karlsruhe ist der erste in Baden-Württemberg. Aufgrund der neuen Rechtslage in Baden-Württemberg könnten weitere Räume auch in Mannheim und Stuttgart entstehen, weil dort mehr als 300.000 Einwohner leben. Bundesweit gibt es bereits über 20 Drogenkonsumräume, zum Beispiel in anderen Bundesländern wie Hessen oder Nordrhein-Westfalen.

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