Die Innenstadt von Bad Wildbad (Foto: SWR)

DAS KANN GEMEINDE Wie sich der Kurort Bad Wildbad neu erfindet

Kurorte haben es schwer. Das Geschäft ist in den letzten 30 Jahren eingebrochen. Wo früher jede Dachkammer vermietet wurde, verfallen heute Hotels. Bad Wildbad ist das Problem angegangen.

Der Strukturwandel in Bad Wildbad war dringend notwendig. Eine erste wichtige Frage war: wie kommen die Gäste in die Stadt? Dafür wurde die historische Enztalbahn modernisiert. Als S-Bahn-Linie 6 fährt sie seit 2003 von Karlsruhe und Pforzheim bis direkt an den Kurpark. Von dort sind es nur wenige Meter bis zur Sommerbergbahn, die mit Hilfe des Landes komplett erneuert wurde.

Attraktionen im Einklang mit der Natur

Oben auf dem 720 Meter hohen Hausberg Bad Wildbads bringt ein Wanderweg Touristen auf den 2014 eröffneten Baumwipfelpfad mit seinem 40 Meter hohen Aussichtsturm. Über eine Million Besucher haben den spektakulären Spaziergang schon unternommen. Von hier aus ist es ein Katzensprung zur neuesten Attraktion auf dem Sommerberg, die Wildline. Die mit knapp 400 Metern längste Hängebrücke im Land lockt Touristen aus aller Welt.

Peter Lauber hat Bad Wildbad besucht:

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"Viel Wald, intakte Natur, gute Luft – das ist unser Kapital. Daraus müssen und können wir wieder etwas machen."

Klaus Mack, Bürgermeister von Bad Wildbad

Tourismus als Zukunftsziel

Die Kurgäste von einst könne man nicht mehr holen, so Bürgermeister Mack. Aber mit guten und mutigen Ideen könne man Touristen anlocken. Heute sind die Verantwortlichen in dem knapp 11 000 Einwohner zählenden Städtchen davon überzeugt, das Image vom etwas verstaubten Kurort hinter sich gelassen zu haben.

Dazu habe auch der Gemeinderat beigetragen, der bei den großen Zukunftsfragen an einem Strick ziehe, sagt Jochen Borg von der CDU. Und seine SPD-Kollegin Ursula Jahn-Zöhrens ergänzt: "Wir wollen nach dem Einwohnerschwund der letzten Jahre wieder wachsen. Aufgrund der Lage siedelt sich hier kaum Industrie an – also setzen wir auf Tourismus."

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Investition in Infrastruktur

Und die Entwicklung des Wildbader Sommerbergs zum touristischen Hotspot im Land geht weiter. Kürzlich wurde der Märchenwanderweg "Das Kalte Herz“ eingeweiht und gerade entsteht neben dem Baumwipfelpfad ein Abenteuerspielplatz. Die Gemeinde investierte zudem in Beleuchtung, Toiletten und Parkplätze. Und man denkt schon über ein neues Projekt nach: eine Seilbahn hoch zum Sommerberg.

Gäste sollen länger bleiben

Stehenbleiben gibt es nicht, so das Credo von Bürgermeister Mack. Denn ein weiteres Ziel sei noch lange nicht erreicht: aus den Tagesausflüglern auch Übernachtungsgäste zu machen. Da gebe es noch viel Luft nach oben. An Ideen fehlt es dem rührigen Rathauschef auch hier nicht: luxuriöse Zeltcamps etwa oder Baumhäuser. "Davon träume ich noch," gesteht Mack. Aber davon müsse er noch den Gemeinderat überzeugen und Investoren finden.

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