Brand in einem Jugendstil-Wohnhaus in Baden-Baden (Foto: SWR, Patrick Neumann)

Prozessauftakt um Brandstiftung in Baden-Baden Angeklagter äußert sich nicht zur Tat

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Im Prozess um Brandstiftung und versuchten Mord vor dem Baden-Badener Landgericht wird sich der Angeklagte nicht zur Tat äußern. Er soll in einem Mehrfamilienhaus Feuer gelegt haben.

Der Verteidiger des Angeklagten gab am Montag zu Prozessauftakt bekannt, dass sich sein 75-jähriger Mandant vorerst nicht weiter zu Details der ihm vorgeworfenen Tat äußern werde. Zuvor war es vor Gericht zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Anwalt und seinem Mandanten gekommen.

Anwalt und Angeklagter uneinig

Nachdem der Verteidiger zunächst vom Lebenslauf des Angeklagten berichtet hatte, begann er mit einer Schilderung der Abläufe am Tag des Brands. Dabei unterbrach ihn der Angeklagte und versuchte, die Schilderung seines eigenen Anwalts zu korrigieren. Der Prozess wurde daraufhin für eine Stunde unterbrochen.

Anklage spricht von Mordversuch

Zu Beginn des Verhandlungstags ging die Staatsanwaltschaft Baden-Baden davon aus, dass der Mann in seiner Wohnung absichtlich Feuer legte, indem er Möbel übereinander stapelte und mit Benzin übergoss. Sie wertet das als heimtückischen Mordversuch an sieben Menschen in dem Haus in der Lichtentaler Straße am 18. März 2019.

Erste Zeugenaussage von Feuerwehrmann

Als erster Zeuge berichtete am Mittag ein Feuerwehrmann der Berufsfeuerwehr von seinen Eindrücken am Brandort. Er war als Truppführer einer der ersten Wehrleute in dem brennenden Gebäude. Im verqualmten Treppenhaus sei ihm der Angeklagte begegnet und habe in aller Ruhe zu ihm gesagt, er sei der Brandstifter. Dabei habe er sogar noch einen Schluck aus einer Wasserflasche genommen. So etwas sei ihm in 29 Dienstjahren noch nicht passiert, sagte der Feuerwehrmann.

Hoffte der Angeklagte, das Haus zu erben?

Der Brand geschah in der Baden-Badener Innenstadt. Nach Ermittlungen der Kriminalpolizei brach das Feuer im zweiten Stock des Gebäudes aus, in der Wohnung, in der der Angeklagte lebte. Das Haus gehörte nach SWR-Recherchen ursprünglich der Lebensgefährtin des Angeklagten. Noch vor ihrem Tod überschrieb sie es aber ihrer Tochter. Der Angeklagte glaubte jedoch offenbar, dass er das Haus einmal erben würde.

Erbstreitigkeiten gingen Brand voraus

Als sich nach dem Tod seiner Lebensgefährtin herausstellte, dass er selbst nicht der Erbe des Hauses war, kam es laut den Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei zu einem Streit mit der Tochter. Ursache war wohl eine Formulierung im Testament, mit der die Lebensgefährtin zwar für ihren Partner sorgen wollte. Diese Klausel blieb aber wirkungslos, weil sie das Haus schon zuvor auf ihre Tochter übertragen hatte.

Staatsanwaltschaft sieht Rache als Motiv

Am Tag des Brands war die Anwältin der Tochter mit dem Angeklagten verabredet, es sollte um dessen Auszug gehen. Für die Staatsanwaltschaft ein klares Motiv, das Haus aus Rache zu zerstören, ohne sich um die darin wohnenden Menschen zu scheren. Heimtückisch sei die Tat gewesen, heißt es in der Anklageschrift. Vier geöffnete Benzinkanister soll der Täter in der Wohnung platziert haben. Unmittelbar nach dem Brand sprach der Angeklagte von einer "Verzweiflungstat" und bezeichnete sich gegenüber Einsatzkräften selbst als Brandstifter.

Angeklagter war polizeibekannt

Zunächst ging es im Prozess um den Werdegang des Angeklagten. Er ist in der Stadt als Malermeister bekannt, dessen Firma immer wieder von geschäftlichen Misserfolgen geprägt war, bis ihm die Berufsausübung verboten wurde. Auch für die Polizei war er wegen verschiedener Vorkommnisse kein Unbekannter. In dem Haus, das später brannte, war er eine Art Hausmeister. In den Tagen vor der Tat habe er allerdings begonnen, sein eigenes Hab und Gut zu verschenken, weil er es bald nicht mehr brauche, heißt es in Ermittlerkreisen.

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