Zwei Obdachlose sitzen bei Kälte in einer Unterführung in Stuttgart (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Sina Schuldt /dpa )

Erneuter Wintereinbruch und Minusgrade

Kälte in Baden-Württemberg macht Obdachlosen zu schaffen

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Der Winter ist zurück in Baden-Württemberg. Es drohen Tiefstwerte von bis zu minus 20 Grad. Vor allem für Obdachlose im Land kann die Kälte schnell gefährlich werden.

In einigen Regionen ist der Schnee bereits da. Jetzt kommen auch noch Minusgrade dazu. Die Temperaturen steigen in den nächsten Tagen kaum mehr über null Grad. Vor allem für Wohnungslose, die keinen warmen Platz zum schlafen haben können solche eisigen Temperaturen gefährlich werden. Und dann kommt auch noch Corona dazu: Einfach zu Hause bleiben ist nicht möglich. Und wie ist das mit den Abstands- und Hygieneregeln in den Notunterkünften? Gabriele Kraft, Referentin für Wohnungslosenhilfe beim Diakonischen Werk Württemberg bestätigt: "Die Leute sind toll, sie geben aufeinander acht. Die meisten halten die Abstandsregeln ein, nutzen Desinfektionsmittel und tragen Masken."

Weniger Angebote für Obdachlose

Wegen der Corona-Pandemie gebe es derzeit aber rund die Hälfte weniger Notunterkünfte für Obdachlose, schätzt Kraft. Ein Grund: Betten müssten weiter auseinander gestellt werden. Das biete weniger Platz. Sind trotzdem mehrere obdachlose Menschen in einem Zimmer untergebracht, werde es noch einmal schwieriger, wenn dort jemand in Quarantäne muss. Als Beispiel nennt Kraft Drogensüchtige, die sich ihr Substitut dann nicht mehr selbst abholen können und dann einen kalten Entzug machen müssen.

Sobald die Temperaturen unter null Grad sinken, fahren in einigen Städten auch Kältebusse des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), unter anderem in Stuttgart und Karlsruhe. Der Bus bringt Obdachlose auf Wunsch in die zentrale Notübernachtung oder verteilt Schlafsäcke und Einmaldecken. Wegen der Corona-Maßnahmen, dürfen dort derzeit aber keine warmen Mahlzeiten ausgegeben werden, sagt Kraft. Einige Vesperkirchen im Land haben ihre Mahlzeiten für Bedürftige über Fenster verteilt - zum Beispiel die Ambulante Hilfe e. V. Stuttgart.

Schlafkapseln und Hotels als Notlösung

In größeren Städten wie Stuttgart funktioniere die Hilfe für Obdachlose ziemlich gut, meint Kraft. Dort habe man schon während des ersten Lockdowns nicht genutzte Hotels für die Unterbringung von Obdachlosen bereitgestellt. Von sogenannten Schlafkapseln, wie sie die Stadt Ulm aufstellt, hält Kraft gar nichts. Die Kapseln zum Übernachten erinnerten sie eher an Särge. Das sei nicht menschenwürdig.

"Jeder Mensch hat das Recht auf menschenwürdiges Wohnen."

Sozialen Wohnungsbau fördern

Von der Politik wünscht sich Gabriele Kraft ein generelles Umdenken. Die Kommunen müssten besser gefördert werden, um sich freie Bauflächen kaufen zu können. Städte und Gemeinden müssten dann dazu verpflichtet werden, einen bestimmten Anteil an sozialem Wohnraum zu schaffen. Außerdem fordere die Diakonie für Neubauten von Notunterkünften mehr Einzelzimmer. Separate Sanitäranlagen seien auch für die Einhaltung der Hygieneregeln wichtig.

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