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Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann hat weitere Lockerungen der Corona-Auflagen angekündigt. Gleichzeitig kritisierte er das Vorpreschen anderer Bundesländer.

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Sendezeit
19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Kretschmann kündigte bei der Pressekonferenz am Dienstag in Stuttgart an, man habe den Lenkungskreis der Landesregierung beauftragt, ab kommender Woche wieder "kontaktlosen Outdoorsport" zu erlauben.

Damit sei Sport im Freien gemeint, bei dem die Abstandsregeln unproblematisch eingehalten werden könnten - etwa Golf, Leichtathletik und Tennis. Gerade Sport im Freien sei gut und stärke das Immunsystem.

Ampelsystem soll kommende Woche beschlossen werden

Kretschmann betonte außerdem erneut, dass die bisherigen Erfolge zur Eindämmung des Coronavirus' "fragil" seien. Nur wenn die Bürgerinnen und Bürger ihre Disziplin beibehielten, seien weitere schrittweise Lockerungen möglich. Genaue Daten wollte Kretschmann jedoch nicht nennen - detaillierte Pläne müssten immer am Infektionsgeschehen festgemacht werden.

Stattdessen stellte er ein Ampelsystem in Aussicht, das unterschiedliche Bereiche und Institutionen quasi nach ihren Infektionsrisiken bewertet. Darin seien etwa "Großveranstaltungen rot, also problematisch, und der Outdoortsport grün, unproblematisch", so Kretschmann. Das Sytem soll kommende Woche beschlossen werden und den Bürgern zeigen, in welchen Bereichen Perspektiven für weitere Öffnungen liegen.

Kretschmann sieht Verhalten anderer Länder kritisch

Das Vorpreschen einiger Bundesländer bei der Lockerung von Corona-Auflagen sieht Kretschmann kritisch. Er sei für ein bundesweit abgestimmtes Vorgehen, sagte er. "Zusammenbleiben kann man nicht, wenn jeder schon vorher beschlossen hat, was er macht", kritisierte Kretschmann. Er machte klar, dass er zum Beispiel gegen eine Lockerung des Kontaktverbotes für die Bürger ist. "Was Sachsen-Anhalt gemacht hat, werde ich nicht machen", betonte Kretschmann.

Dort war in der Nacht zum Montag eine neue Verordnung in Kraft getreten, mit der das Land bundesweit bei der Lockerung der Corona-Beschränkungen vorangeht. Die Menschen dort dürfen statt wie bisher mit einem Menschen abseits des eigenen Haushalts fortan zu fünft zusammen sein. Kretschmann stellte jedoch klar, regionale Unterschiede stärker wahrnehmen zu müssen. Wo es sehr viel weniger Infektionen gebe, "kann man natürlich auch anders agieren", so Kretschmann.

Weitere Gespräche zwischen Bund und Ländern am Mittwoch

Am Mittwoch wollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder über weitere mögliche Lockerungen der strengen Auflagen für Schulen, Kitas und Sport sprechen.

Umweltminister Untersteller: Energiepreise könnten steigen

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) äußerte sich bei der Pressekonferenz unter anderem zum wegen der Corona-Krise sinkenden Stromverbrauch in Baden-Württemberg. Er sieht diese Entwicklung jedoch nicht nur positiv. "Es wäre positiv, wenn die niedrigen Handelspreise umgehend an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben werden könnten. Ich befürchte aber, dass das nicht so sein wird", sagte er. Es drohe vielmehr für das Jahr 2021 die paradoxe Situation, dass die Stromrechnung steige. Die Gründe hierfür seien vielschichtig, erklärte Untersteller. Unter anderem gehe es um die wachsende Differenz zwischen Börsenstrom und der gesetzlich zugesicherten Vergütung für Produzenten erneuerbarer Energien, die ihren Strom ins Netz einspeisten. Er gehe davon aus, dass deshalb die EEG-Umlage, mit der diese Differenz ausgeglichen wird, stark ansteigen werde und sich der Strompreis für Mittelständler und Haushalte entsprechend erhöhe.

Der Stromverbrauch generell sei wegen Corona auf 80 Prozent des normalen Durchschnittswerts gesunken, sagte Untersteller. Grund dafür sei vor allem der Rückgang der Industrieproduktion wegen Corona.

Sehen Sie hier die Regierungspressekonferenz in voller Länge:

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