Flucht aus den deutschen Ostgebieten vor den vorrückenden Truppen der Roten Armee im Frühjahr 1945: eine Gruppe von Flüchtlingen mit Handwagen in einer zerstörten Ortschaft in Ostpreußen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / akg-images | akg-images)

70 Jahre Bund der Vertriebenen in BW

BW-Politiker würdigen Verdienste von Vertriebenen bei Landesgründung

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Nach Ende des Zweiten Weltkriegs haben viele Vertriebene im späteren Baden-Württemberg eine neue Heimat gefunden. BW-Politiker würdigten ihren Einsatz für den Südweststaat.

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Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat die Leistung der Heimatvertriebenen beim Aufbau von Baden-Württemberg gewürdigt. Kretschmann sagte vor einem Festakt zum 70-jährigen Bestehen des Bundes der Vertriebenen in Baden-Württemberg, das Jubiläum und das des Landes hingen eng zusammen. "Denn die Heimatvertriebenen haben bei der Volksabstimmung im Dezember 1951 nahezu geschlossen für den Südweststaat gestimmt." Sie hätten so den entscheidenden Ausschlag für die Gründung des Landes Baden-Württemberg wenige Monate später gegeben. "Die heimatvertriebenen Deutschen wollten in der neuen Heimat gute Staatsbürger sein."

Strobl: "Unser Land hat profitiert"

Ähnlich äußerte sich auch Innenminister Thomas Strobl (CDU): "Unser Land hat von der Aufnahme der Vertriebenen und Flüchtlinge sehr profitiert." Die Zuwanderung in der unmittelbaren Nachkriegszeit, die rund ein Fünftel der Bevölkerung im Gebiet des heutigen Landes umfasste, sei ein Gewinn gewesen.

Das Logo des Bundes der Vertriebenen (BdV).  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Das Logo des Bundes der Vertriebenen (BdV). Mit einer Jubiläumsveranstaltung unter dem Titel "70 Jahre Bund der Vertriebenen (BdV) und Spätaussiedler Baden-Württembergs" feiert der BdV sein Jubiläum. Picture Alliance

Vor 70 Jahren verschmolzen die drei Länder Württemberg-Baden, Baden und Württemberg-Hohenzollern. Während zuvor in einer Volksabstimmung fast alle Württemberger für den Südweststaat stimmten, hielt sich die Begeisterung vieler Badener in Grenzen. Kretschmann erinnerte auch an das Leid der Vertriebenen. Der Grünen-Politiker sagte: "Unrecht ist und bleibt es, wenn unschuldige Frauen, Männer und Kinder willkürlich aus ihrer Heimat vertrieben, wenn sie enteignet oder ermordet werden." Unrecht sei und bleibe es, wenn Menschen allein ihrer Volkszugehörigkeit wegen verfolgt, diskriminiert und an Leib und Seele bedroht werden.

Vertriebene treten für Frieden ein

Etwa 15 Millionen Deutsche verloren im Zweiten Weltkrieg durch Flucht und Vertreibung ihr Zuhause. In Stuttgart wurde auch die Charta der Heimatvertriebenen verkündet. Sie gilt als das Grundgesetz der deutschen Heimatvertriebenen. In ihrer Charta hatten diese am 5. August 1950 erklärt, auf Rache und Vergeltung zu verzichten und an der Schaffung eines friedlichen, freiheitlichen und geeinten Europas mitzuwirken.

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12.12.1951 Ergebnis der Volksabstimmung: Mehrheit für Südweststaat

12.12.1951 | Am 9. Dezember 1951 durften die Menschen im Südwesten abstimmen, ob sie für einen gemeinsamen Südweststaat sind. Die Stimmen wurden in Nord- und Süd-Württemberg sowie Nord- und Südbaden jeweils getrennt ausgezählt. Drei Tage später steht das Ergebnis offiziell fest: Außer in Südbaden stimmte überall die Mehrheit für den Südweststaat. Damit ist das gemeinsame Bundesland beschlossen.
Der badische Präsident Leo Wohleb will das Ergebnis noch nicht recht anerkennen. Denn wenn man alle badischen Stimmen zusammenzählt, ergäbe sich dort rechnerisch eine Mehrheit für ein eigenständiges Baden – so erläutert er es in seiner Rundfunkerklärung am 12. Dezember 1951.
Im Gegensatz zu Leo Wohleb aus Baden blickt dessen Amtskollege Gebhard Müller aus Württemberg-Hohenzollern nach vorne und begrüßt die Schaffung des neuen Südweststaats.  mehr...

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