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Ab Mittwoch werden Schulen und Kitas geschlossen. Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann hat diesen Schritt verteidigt. Dies sei angesichts der vielen Corona-Infektionen unausweichlich gewesen.

Etwa 1,5 Millionen Schüler, 130.000 Lehrer, zahlreiche Kita-Kinder und all ihre Eltern sind vom neuen Corona-Lockdown betroffen. Die baden-württembergische Landesregierung zieht die Weihnachtsferien vor. Im SWR-Interview begründete Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) diesen Schritt und ging auf die Frage vieler Eltern nach einer Perspektive ab Mitte Januar ein.

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SWR: Trotz der Schließung von Kitas und Schulen soll es eine Notbetreuung geben. Was bedeutet in diesem Zusammenhang der Begriff "unabkömmlich" und wer hat Anspruch auf Notbetreuung?

Eisenmann: Zunächst ist ja erst einmal der Sinn dieses sehr harten Lockdowns, dass möglichst alle zuhause bleiben. Deshalb ist die Bitte an alle, zu sehen, ob sie ihre Kinder selbst betreuen können. Das geht aber nicht bei allen und Anspruch haben diejenigen, die unausweichlich arbeiten müssen, die also unabkömmlich sind. Das gilt übrigens auch, wenn sie Home Office machen müssen und nicht nur für diejenigen, die sogenannte systemrelevante Berufe haben. Auch Alleinerziehende haben Anspruch darauf. So gesehen ist es eine erweiterte Notbetreuung, weil wir sehen, dass man das nicht von heute auf morgen umstellen kann und Betreuung für Eltern sehr wichtig ist.

Viele Lehrer sind gerade nicht glücklich über diesen Hü- und Hott-Kurs. Erst hieß es, die Schulen unbedingt offen zu halten. Jetzt werden die Schulen aber doch geschlossen. Warum hat man sich nicht früher auf einen klaren Kurs einigen können?

Eine Pandemie ist eine Pandemie und natürlich gibt es Entscheidungen, die sich weiterentwickeln. Hü und Hott kann ich durchaus nachvollziehen, nur kann ich heute nicht sagen, was im Januar oder Februar ist, weil es einfach von Infektionszahlen abhängt. Längerfristige Planungen sind angesichts der Entwicklungen in einer Pandemie, die nun einfach mal dynamisch ist, einfach nicht möglich.

Was bereits feststeht, ist ein Lockdown bis zum 10. Januar. Nutzen Sie denn die nächsten drei, vier Wochen, um einen guten Plan für die Zeit danach zu haben? Virologen empfehlen ja dringend Wechselunterricht und Fernunterricht.

Der Plan ist Präsenzunterricht. Der Plan ist, dass die Kinder vor Ort in der Schule beschult werden. Fern- und Wechselunterricht, wo immer nur ein Teil in der Schule ist oder die Kinder ganz zuhause sind, ruft große Probleme hervor. Nicht in der Frage der Schulausstattung - das ist gar nicht zwingend das Thema - sondern in der Frage des Lernerfolgs. Dieser ist durchaus geringer. Und wir haben übrigens auch viele Kinder, die in durchaus schwierigen Verhältnissen leben. Deshalb ist der Plan natürlich, Schulen offen zu lassen. Vor dem Hintergrund wollen wir schon sehen, wie wir ab 11. Januar, wenn die Ferien vorbei sind, Schülern wieder einen konkreten Schulbesuch ermöglichen können.

Das heißt aber: Wenn die Infektionszahlen auf diesem Niveau bleiben sollten, dann ist ihr Ziel nahezu unerreichbar, nach dem 10. Januar wieder Präsenzunterricht zu halten, oder?

Zunächst mal geht es um das Ziel. Und das ist klar zu definieren, weil Bildung das höchste Gut ist und eben nicht mit anderen Dingen vergleichbar ist. Wir hoffen, durch diesen harten Lockdown die Zahlen natürlich bis zum 10. Januar deutlich nach unten drücken zu können. Unabhängig von den Inzidenzzahlen muss Schule dann wieder angeboten werden können. Wir haben ja Konzepte bei hohen Inzidenzen mit Präsenzunterricht und einzelne Klassen im Wechselunterricht. Aber Ziel ist Schule für alle jeden Tag in Präsenz.

Susanne Eisenmann (Foto: SWR)
Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) bekräftigt ihr Ziel, nach dem 10. Januar Präsenzunterricht für alle anzustreben

Viele Schulen und Eltern kritisieren, dass es nicht so gut lief in den letzten Monaten. Die Schulen waren nicht so gut vorbereitet auf Fernunterricht, die Familien mit dem Homeschooling überfordert. Wenn sie sich selber eine Schulnote für das Krisenmanagement geben müssten, welche wäre das?

Das müssen andere machen. Nur Krise ist halt nun mal Krise. Und wir haben alle auch da dazugelernt, gar keine Frage. Klar ist: Wir leben nun mal in einer Zeit, die völlig ungewöhnlich ist und vor dem Hintergrund ist unsere Zielsetzung, die Angebote immer zu verbessern. Aber ich bleibe dabei: Täglicher Präsenzunterricht ist durch gar nichts zu ersetzen, und in allen anderen Bereichen sind es immer nur schlechtere Alternativen.

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