Menschen haben auf dem Hafenplatz in Münster eine Fahne ausgelegt, die mit bemalten Steinen beschwert ist. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | David Inderlied)

Nach tödlichem Angriff auf dem CSD Münster

Stuttgarter CSD-Sprecher zum tödlichen Angriff in Münster: "Wir sind mehr als entsetzt"

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Nach einem Angriff am Rande des CSD in Münster ist ein 25-Jähriger am Freitag an seinen Verletzungen gestorben. Der Sprecher des CSD Stuttgart zeigt sich im SWR-Interview entsetzt.

Am vergangenen Wochenende wurde ein 25-jähriger Trans-Mann am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Münster zusammengeschlagen. Der junge Mann ist am Freitag seinen Verletzungen erlegen. Mittlerweile hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Es handele sich um einen 20 Jahre alten Mann, teilte die Polizei Münster am Freitag mit. Der Sprecher des Stuttgarter CSD, Detlef Raasch sagt, dass solche Angriffe keine Einzelfälle seien.

SWR: Nach dem Tod des 25-Jährigen in Münster, was sind Ihre Erfahrungen mit Gewalt gegen queere Menschen?

Detlef Raasch: Nach dem CSD in Stuttgart sind zwei queere Jugendliche beleidigt und zusammengeschlagen worden in Fellbach-Oeffingen. Da waren wir schon ziemlich entsetzt. Leider haben wir diese Erfahrung auch machen müssen, Gott sei Dank nicht mit tödlichem Ausgang. Es ist sehr schwierig in diesem Jahr. Man hat es mitbekommen: Karlsruhe war der Anfang, Ravensburg, Oslo, wo ja auch Menschen zu Tode gekommen sind und jetzt Münster. Wir sind mehr als entsetzt und es ist wirklich erschreckend.

Welche Beleidigungen bekommt man da zu hören?

Das kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung sagen. Ich bin 2018 selbst auch zusammengeschlagen worden.

"Das netteste Wort war: 'du schwule Sau.'"

Oder: "Sowas wie ihr müsste vergast werden", "Ihr habt kein Recht auf Existenz auf dieser Welt" und solche Sachen.

Was sind das für Menschen, die solche Attacken ausführen?

Es ist immer sehr erschreckend, dass es gerade auch unter Jugendlichen immer mehr passiert. Ich glaube, das hat etwas mit Wertevermittlung zu tun, ob es im Elternhaus ist oder in der Schule oder eben auch generationsübergreifend. Es ist echt schwierig.

Auf der einen Seite gibt es immer mehr Veranstaltungen wie den CSD, auf der anderen Seite scheint die Anzahl an intoleranten Menschen immer weiter zu wachsen...

Das ist richtig. Ein Stück weit ist es sicherlich auch durch den Rechtspopulismus, den wir auch hier in Deutschland sehr stark merken. Es ist momentan unbegreiflich, aber natürlich auch auf Grund der Gesamtsituation, in der wir gerade leben, wo man auch wieder einen Buhmann sucht. Früher war HIV eine Stigmatisierung, weil "jeder Schwule hat HIV", was überhaupt nicht stimmt. Jetzt gibt es die Affenpocken. Da baut sich was auf, was sehr, sehr ungut ist.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, dem entgegenzuwirken?

Also ich denke, wir müssen noch viel mehr in die Aufklärung beziehungsweise in die Sensibilisierung gehen. Was uns nicht passieren darf, ist, dass wir dann gegenseitig irgendwelche Gewaltpotentiale aufbauen. Wir müssen nach draußen, wir müssen sichtbar sein, wir müssen sensibilisieren, wir müssen aufklären und müssen in Diskussion gehen. Ich gehe jetzt am Sonntag in den queeren internationalen Gottesdienst. Auch da zeigen wir Präsenz, um auch da innerhalb der Kirchen noch einmal aufzuklären, dass Liebe, einfach nur Liebe, nichts Schlechtes ist. Und ich finde es sehr schade, dass man gleichgeschlechtliche Liebe immer nur auf Sexualität runterbricht. Es ist genauso eine Beziehung wie jede andere.

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