Ein Intensivpfleger arbeitet an einer Corona-Patientin (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)

Kurz vor der Corona-"Alarmstufe"

Kliniken voll - Wohin mit den Covid-Intensivpatienten aus Baden-Württemberg?

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Das Gesundheitsministerium hat dem SWR bestätigt: Die Kapazitäten auf den Intensivstationen sind wegen Covid-19-Patienten fast erschöpft. Über Verlegungen wird derzeit beraten.

Wegen der stark steigenden Corona-Infektionszahlen spitzt sich die Lage in den Kliniken in Baden-Württemberg weiter zu. Nach Angaben des DIVI-Intensivregisters werden momentan (Stand 15.11., 15 Uhr) 406 Covid-19-Patientinnen und -Patienten in den Kliniken behandelt, davon müssen 180 Menschen invasiv beatmet werden.

Werden Covid-Patienten aus BW in andere Bundesländer verlegt?

Zum einen heißt das, dass die Kliniken im Land an die Grenzen ihrer Kapazitäten stoßen. Noch seien zwar keine Covid-19-Patientinnen und -Patienten in andere Bundesländer verlegt worden. Doch es gebe bereits Krankenhäuser in Baden-Württemberg, die keine Patienten mehr auf ihren Intensivstationen aufnehmen könnten, so eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums.

Gerade in Norddeutschland sei die Lage noch entspannter - auch deshalb, weil dort die Impfquote höher sei, erklärte Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne). Daher gebe es gerade Gespräche mit Bremen und Niedersachsen wegen möglicher Verlegungen. Aber Lucha betonte auch:

"Es ist ein fatales Signal, dass wir andere Bundesländer um Hilfe bitten müssen, weil sich bei uns zu wenige impfen lassen."

Covid-Koordinator in BW warnt vor Überlastung

Der Koordinator für die intensivmedizinische Versorgung von Covid-Patienten in Baden-Württemberg, Götz Geldner, zeigte sich im Gespräch mit SWR Aktuell skeptisch. Geldner sagte, dass die Verlegung von Corona-Patienten von einer Region in eine andere in der vierten Welle nicht mehr viel helfe.

"Die Verlegung von Covid-Patienten wird uns nur bedingt weiterhelfen: Wenn nirgends mehr ein freies Bett ist, wird dieses System an seine Grenzen kommen."

In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) forderte Geldner die Kliniken in Baden-Württemberg auf, ihre Kapazitäten für Covid-19-Patientinnen und -Patienten hochzufahren. 40 Prozent der Intensivbetten müssten für deren Aufnahme frei gehalten werden. Einen entsprechenden Aufruf von Gesundheitsminister Lucha, der bei Nichtbefolgen mit rechtlichen Schritten gedroht hatte, unterstütze er uneingeschränkt, so Geldner.

Es sei zwar nachvollziehbar, dass manche Krankenhäuser aus finanziellen Gründen nur zögerlich Covid-Patienten aufnähmen, weil sie als "Verlustbringer" gälten, etwa im Vergleich zu Herzpatienten. "Aber wir müssen in dieser Situation solidarisch sein", betonte der Mediziner

"Alarmstufe" steht in Baden-Württemberg kurz bevor

Zum anderen bedeuten die vollen Intensivstationen für die Menschen in Baden-Württemberg: Die Corona-"Alarmstufe" steht kurz bevor. Sie wird wohl am Mittwoch in Kraft treten. Für ungeimpfte Menschen bedeutet das, dass sie dann von der Teilnahme am öffentlichen Leben weitgehend ausgeschlossen sind.

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Die Corona-Verordnung des Landes sieht in diesem Fall landesweit die 2G-Regel (geimpft oder genesen) etwa in Restaurants, Museen, bei Ausstellungen sowie bei den meisten anderen öffentlichen Veranstaltungen vor. Wer ungeimpft ist und nur einen Test vorweisen kann, bleibt dann auch im Kino, im Schwimmbad oder im Fitnessstudio, in Volkshochschulkursen und Musikschulen außen vor.

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Stoch forderte als Maßnahmen unter anderem eine Reduzierung von Kontakten, die Wiedereröffnung von Impfzentren, eine konsequente Anwendung von 2G-Regeln kombiniert mit einer Testpflicht in bestimmten Bereichen und die Wiedereinführung der Maskenpflicht in Schulen auch am Platz.

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