Ein Insekt hängt am Netz einer Falle, welche die Tiere durch Licht anzieht. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth)

Zählung des Landes

Insektenvielfalt in Baden-Württemberg gefährdet

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Das klimabedingte Artensterben trifft auch Baden-Württemberg. Viele Insekten sind vom Aussterben bedroht, auch viele Nachtfalter. Das Land zählt jedoch auch neue Exemplare.

Nicht nur die Zahl der Nachtfalter geht in Baden-Württemberg stark zurück, auch die Vielfalt dieser Insektenarten ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich geschrumpft. Dafür haben sich andere, aber weniger neue Nachtfalter-Arten wegen des Klimawandels in den südwestlichen Regionen ausgebreitet, wie das jüngste Insektenmonitoring des Landes belegt.

Land warnt vor dramatischem Trend

"Das Insektensterben macht auch vor Baden-Württemberg nicht Halt", sagte Eva Bell, die Präsidentin der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) am Freitag in Karlsruhe. Umweltstaatssekretär Andre Baumann (Grüne) spricht von einem dramatischen Trend. Die Daten bestätigten die schlimmsten Befürchtungen.

Umweltstaatssekretär Andre Baumann (Grüne)und LUBW-Präsidentin Eva Bell halten einen Schaukasten mit Insekten  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth)
V.l.: Umweltstaatssekretär Andre Baumann (Grüne) und LUBW-Präsidentin Eva Bell halten einen Schaukasten mit Insekten. Die Vielfalt der Tiere im Land geht zurück, wie ein Zählung des Landes zeigt. picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth

113 Nachtfalter-Arten verschwunden

Das Land zählte Nachtfalter-Arten auf bestimmten Flächen und verglich die Daten mit zwei Zeitfenstern in den vergangenen 50 Jahren. 113 der in Baden-Württemberg historisch belegten Nachtfalter-Arten konnten nach dem Jahr 2000 nicht wiedergefunden werden. "Sie sind einfach verschwunden", sagte Bell. Gleichzeitig seien 65 neue Arten hinzugekommen, weil sie mit den wärmeren Temperaturen besser zurecht kommen.

"Die gefundenen Daten sind ein weiteres Anzeichen für den Klimawandel."

Wesentlicher Grund für die Entwicklung seien aber die Landnutzung und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf den Feldern, sagte der Schmetterlingsforscher Robert Trusch vom Karlsruher Naturkundemuseum. Die Zahl der einzelnen Exemplare der Nachtfalter ging laut Datensatz um rund 25 Prozent zurück. Vögeln und Fledermäusen fehle damit ein wichtiger Teil der Nahrungsgrundlage, warnten die Wissenschaftler.

Globale Entwicklung

Forschende beklagen weltweit bereits seit längerem ein umfassendes Artensterben. Inzwischen gilt ein Viertel der 33.000 beschriebenen Insektenarten in Deutschland als vom Aussterben bedroht. Mit dem in Deutschland einzigartigen Insektenmonitoring soll die Artenvielfalt und der Bestand von Insekten im Land auf ausgesuchten Flächen untersucht werden. Das Land hatte das Sonderprogramm Ende 2007 zur Stärkung der biologischen Vielfalt aufgelegt.

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