Ein Laptop-Bildschirm zeigt den Hinweis "Enter Password" (Foto: picture-alliance / Reportdienste)

Cyber-Angriff auf Politiker Bedrohliche Anrufe nach Datenklau

Der Online-Angriff auf Daten von Politikern und Prominenten hat weiterhin Auswirkungen. Am Mittwoch hat sich der Innenausschuss des Landtags mit den Folgen und möglichen Maßnahmen auseinander gesetzt.

Hans-Ulrich Sckerl (Grüne), Sicherheitsexperte im Landtag, informierte den Innenausschuss am Mittwoch bei einer Sitzung zum Thema Cybersicherheit darüber, dass der Datenklau für die betroffenen Personen immer noch Folgen habe. Abgeordnete seiner Fraktion erhielten seit der Attacke "kryptische und manchmal auch bedrohliche SMS" und Anrufe. Bewerber für die anstehenden Kommunalwahlen fürchteten nun um ihre Daten.

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Cybersicherheit in Baden-Württemberg

Innenminister Thomas Strobl (CDU) schloss nicht aus, dass die veröffentlichten Daten auch weiterhin kompromittierend verwendet würden. Er legte jedoch dar, dass das Land im Kampf gegen die Cyberkriminalität gut aufgestellt sei. So gebe es im Landeskriminalamt eine eigene Abteilung für Cybercrime mit 131 Mitarbeitern. In der Region Karlsruhe gebe es seit letztem Jahr zudem eine sogenannte "Cyberwehr", die Unternehmen nach Cyberangriffen unterstützt. Man werde prüfen, ob das bundesweit einzigartige Angebot auf das ganze Land ausgeweitet werden könne. Eine hunderprozentige Sicherheit gebe es allerdings nicht. Für die Kommunalwahl will Strobl prüfen, ob bei den Wahlunterlagen auf die Wohnadresse der Kandidaten verzichtet werden könne.

Möglicherweise weitere Täter

Ein 20-Jähriger aus Hessen soll im Dezember über ein inzwischen gesperrtes Twitter-Konto persönliche Daten von Politikern, Prominenten und Journalisten veröffentlicht haben. Betroffen sind Politiker aller Bundestagsparteien mit Ausnahme der AfD. Nach bisherigen Informationen sind keine beruflichen Mails und Daten betroffen. Gegen den 20-Jährigen wird nun wegen des Verdachts der Ausspähung von Daten und Datenhehlerei ermittelt.

Inzwischen gibt es jedoch Zweifel daran, ob der festgenommene 20-Jährige allein für den Datenklau verantwortlich ist. Nach Informationen des ARD-Politikmagazins Kontraste und des rbb war der geständige Verdächtige nicht in der Lage, den Ermittlern zu zeigen, wie er die Daten erbeutet hatte.

Mehr als hundert Personen in Baden-Württemberg betroffen

In Baden-Württemberg sind nach Angaben des Landesinnenministeriums von Anfang Januar 123 Menschen von dem Datenklau betroffen. Bundesweit traf es laut Bundesinnenministerium knapp 1.000 Personen. In den meisten Fällen handelte es sich bei den Daten um reine Kontaktdaten, in 50 bis 60 schwerwiegenderen Fällen aber auch um intime Daten wie private Chat-Verläufe.

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