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Bund und EU sollen aktiv werden: Mehr als 80 Kommunen in Baden-Württemberg verlangen wirksame Maßnahmen gegen Motorradlärm. Verkehrsminister Hermann haben sie auf ihrer Seite.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Genervte Anwohner beschweren sich regelmäßig über den dröhnenden Lärm schwerer Motorräder, die im Sommerhalbjahr häufig in Kolonnen unterwegs seien. Das berichten Vertreter aus 74 Städten und Gemeinden sowie sieben Landkreisen in Baden-Württemberg. Sie haben sich zu einer Initiative gegen Motorradlärm zusammengeschlossen.

"Es geht auch darum, die Motorradfahrer selbst zu sensibilisieren, damit vor allem innerorts etwas rücksichtsvoller gefahren wird."

Julian Christ, Bürgermeister Gernsbach

Mehr als 100 Dezibel durch Motorradlärm

Viele Motorräder sind nicht lauter als 78 Dezibel, was dem EU-Grenzwert entspricht. Die Maschinen, gegen die sich die "Initiative Motorradlärm" in Baden-Württemberg richtet, erreichen dagegen nicht selten mehr als 100 Dezibel.

Die Kommunen fordern vom Bund und der EU wirksame Maßnahmen gegen Motorradlärm. Ihre Initiative haben sie jetzt gemeinsam mit dem baden-württembergischen Verkehrsministerium vorgestellt.

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sprach von einem deutlichen Weckruf. Bund und EU sollten jetzt Maßnahmen für weniger Motorradlärm ergreifen. Demnächst soll ein entsprechender Antrag im Bundesrat folgen.

Lärmschutzbeauftragter: Strafzahlungen verzehnfachen

In einem zehn Punkte umfassenden Katalog fordern die Kommunen unter anderem neue Genehmigungs- und Zulassungsregeln, damit Motorräder leiser werden. Außerdem verlangen sie höhere Bußgelder für rücksichtlose Fahrweise oder bewusste Manipulationen an den Maschinen.

Aktuell wird bei erhöhtem Lärm durch Verschleiß am Motorrad ein Bußgeld von 20 Euro erhoben. Ist ein Fahrer mit einem manipulierten Motorrad unterwegs, kostet das den Fahrer 90 und den Halter 135 Euro. Bei Vorsatz verdoppeln sich diese Strafen.

Verkehrsminister Hermann findet, dass die Strafen für manipulierte Maschinen deutlich höhere ausfallen sollten. Der Lärmschutzbeauftragte Thomas Marwein (Grüne) kann sich sogar eine Verzehnfachung der derzeitigen Summe vorstellen: "Das schreckt sonst niemanden ab."

Motorradfahrer-Verband: "Elektromotorrad macht genauso viel Spaß"

Michael Lenzen, Vorsitzender des Bundesverbands der Motorradfahrer, sagte im SWR, er könne den Ärger der Anwohner verstehen. "Wie laut ein Motorrad ist, ist gesetzlich geregelt. Es kommt sehr darauf an, wie man damit fährt." Ein Faktor ist nach Lenzen, wie schnell Motorradfaher in welchem Gang fahren.

Der Bundesverband der Motorradfahrer fordere schon seit Jahren gesetzliche Lärm-Obergrenzen für alle Fahrzeuge auf den Straßen. Außerdem müssten Schalteinrichtungen in den Auspuffanlagen, die die Lautstärke ab bestimmten Geschwindigkeiten erhöhten, abgeschafft werden, sagte Lenzen. "Das halten wir technisch für überflüssig und können wir aus Lärm-Gründen schon gar nicht akzeptieren."

Das Gefühl beim Motorradfahren sei nicht abhängig von der Lautstärke, so Lenzen. "Das merkt jeder, der mal auf einem Elektromotorrad gefahren ist - das macht genauso viel Spaß wie ein Verbrenner. Aber es ist deutlich leiser."

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