Ein Lkw-Fahrer sitzt hinter dem Steuer, hinter seinem Sitz ist die Schlafkoje zu sehen, (Foto: dpa Bildfunk, Nicolas Armer)

Gute Schlafplätze für Lkw-Fahrer fehlen

Mannheimer Initiative kämpft gegen Übermüdung von Lkw-Fahrern

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Übermüdete Lkw-Fahrer sind eine Gefahr auf der Straße. Schuld seien aber nicht die Fahrer, sondern zu wenige und zu laute Stellplätze für die Nacht, meint ein Mannheimer Verein.

Übermüdete Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer sind eine permanente Gefahr für alle im Verkehr, nicht nur für sich selbst. Deshalb hat der Gesetzgeber genau vorgegeben, wie lang sie hinter dem Steuer sitzen dürfen und wie lang ihre Pausen sein müssen. Der Haken daran ist allerdings, dass es nicht immer einen Platz gibt, wo sie ihren Lkw abstellen und schlafen können, wenn die vorgeschriebene Pause fällig ist.

Das Problem ist lange bekannt. Erst vor kurzem hat der ADAC wieder Alarm geschlagen, weil seiner Ansicht nach 3.000 Stellplätze für Lkw fehlen. Besonders dramatisch war es demnach an der Raststätte Sindelfinger Wald. Dort war schon am Nachmittag kaum noch ein freier Stellplatz zu finden, mit der Folge, dass sich drei Brummifahrer in ihrer Not auf den Seitenstreifen oder sogar auf die Ein- und Ausfahrtsspuren stellten, um zu schlafen, was aber extrem gefährlich ist.

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Abhilfe ist versprochen, dauert aber noch

Die zuständige Autobahn GmbH hat auch bereits zugesagt, Abhilfe zu schaffen. Sie sieht das Defizit bei 2.500 Stellplätzen und will bis zum Jahr 2030 tausend neue schaffen. Mehr als 2.000 weitere sollen danach folgen. Schon bis 2023 sind zusätzliche Stellplätze an Parkplätzen auf der A8 bei Pforzheim-Süd und an der A5 im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald geplant.

Längst nicht alle versprochenen zusätzlichen Plätze sollen dabei neue Plätze sein. Teilweise sollen Flächen auf den Rasthöfen umgenutzt werden, außerdem will die Autobahngesellschaft, so bald es geht, die freien Plätze in der Autobahn-App kommunizieren. Im Idealfall könne mit diesem Telematik-Verfahren der schon vorhandene Parkraum um die Hälfte vergrößert werden, heißt es.

Ein Lkw-Fahrer zieht einen Vorhang vor die Windschutzscheibe, damit es dunkel wird im Führerhaus. (Foto: dpa Bildfunk, Michael Reichel)
Ruhe und Dunkelheit würden zu einem guten Schlaf beitragen - auf einem Lkw-Rastplatz muss man sich behelfen, so gut es geht. Michael Reichel

Ein sicherer Stellplatz plus Ruhe machen den ausgeschlafenen Fahrer aus

Das alles reiche nicht aus, so der Mannheimer Verein "Hellwach mit 80 km/h". Denn es gehe nicht nur darum, überhaupt einen Platz zu finden, wo man den Lkw abstellen und dann schlafen könne, es gehe auch um die Schlafqualität. Die Fahrerinnen und Fahrer übernachten in der Regel in ihren Fahrerkabinen. Wenn der Lastwagen auf einem Rastplatz abgestellt wird, ist es aber nie richtig ruhig.

Deshalb fordert die Initiative nicht nur mehr Stellplätze, sondern auch Dämmwände oder Erdwälle, die die Schlafenden gegen Lärm und Hitze schützen. So soll es möglich werden, durchzuschlafen und nicht immer geweckt zu werden, wenn beispielsweise ein Kollege oder eine Kollegin morgens um drei aufbricht. Bei einer Umfrage, die der Verein 2020 veröffentlichte, hatte jeder vierte Fahrer angegeben, im Vorjahr ein- bis dreimal am Steuer eingenickt zu sein.

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