Ein Schüler und ein Lehrer in einem Klassenzimmer. Lehrer schaut Kind über die Schulter. Beide tragen Mundschutz. (Foto: dpa Bildfunk,  picture alliance dpa Marijan Murat)

Lage an den Schulen in BW

Hohe Corona-Infektionszahlen bei Kindern - Impfquote weiterhin niedrig

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Die Omikron-Variante des Coronavirus verbreitet sich in Baden-Württemberg immer schneller. Auffällig ist das dynamische Infektionsgeschehen unter Kindern.

Die Corona-Infektionszahlen in Baden-Württemberg steigen immer weiter an. So zeichnet sich an den ersten Schultagen ein deutlich dynamischeres Infektionsgeschehen unter Kindern (0 bis 14 Jahre) ab als unter Jugendlichen und Erwachsenen. In den ersten Schultagen fiel das Wachstum der Infektionszahlen in dieser Altersgruppe viel höher aus als beim Rest der Bevölkerung.

Lesehilfe: Wenn der Wert in diesem Chart über Null ist, haben Infektionen unter Kindern eine höhere Dynamik als unter Erwachsenen, also die prozentuale Steigerung zur Vorwoche ist unter Kindern größer als unter Erwachsenen. Andersherum, wenn der Wert unter Null ist, steigen die Infektionen bei Erwachsenen stärker als bei Kindern.

In Heilbronn-Franken mussten erste Schulen und Kitas bereits wieder geschlossen werden. Positive Corona-Tests machten einen normalen Betrieb der Einrichtungen unmöglich.

Problem: Asymptomatisch infizierte Kinder

Als Grund für diese Beobachtung lassen sich die regelmäßigen Testungen in Schulen ausmachen, die in den ersten Schultagen des neuen Jahres wieder anliefen. Dadurch fallen Kinder, die sich mit Corona infiziert haben, aber keinerlei Symptome aufweisen, nicht mehr durch das Raster. In Folge dieser regelmäßigen Tests werden in Baden-Württemberg Kinder in einigen Gebieten bereits überproportional häufig positiv getestet.

Die Impfquoten unter Kindern sind weiterhin niedrig

Gleichzeitig zur exponentiellen Ausbreitung unter Kindern sind die Impfquoten bei den Jüngsten eher niedrig. In Baden-Württemberg haben nur rund fünf Prozent der Fünf- bis Elfjährigen ihre Zweitimpfung erhalten, die für einen vollständigen Immunschutz erforderlich ist. Sicherlich ein Grund: Erst Anfang Dezember 2021 hatte die Ständige Impfkommission (STIKO) die Empfehlung für alle Kinder ab fünf Jahren mit Vorerkrankungen ausgesprochen. Darüber hinaus können alle anderen Kinder ohne Vorerkrankungen in diesem Alter laut STIKO "bei individuellem Wunsch" geimpft werden. Erste Kinderimpfungen mit dem speziell für sie niedrigdosierten Präparat liefen allerdings erst vor rund einem Monat an. Deutschlandweit liegen die Impfquoten der Fünf- bis Elfjährigen ungefähr im selben Bereich. Nach Einschätzung von Johannes Schmid-Johannsen, SWR-Datenjournalist, wird das Virus wohl viele Kinder schon vor einer möglichen Impfung infiziert haben.

Expertin warnt vor Durchseuchung von Kindern unter fünf Jahren

Die Corona-Pandemie wird mittlerweile bundesweit überwiegend von der Omikron-Variante geprägt. Die Symptome bei Ansteckungen mit der Omikron-Variante sind offenbar überwiegend milder als etwa bei der Delta-Variante. Eine Durchseuchung der Gesellschaft hält die Virologin Isabella Eckerle aber für falsch. "Kinder unter Fünf haben noch keinen Zugang zur Impfung, können die nicht-pharmazeutischen Maßnahmen nur bedingt bis gar nicht umsetzen", so Eckerle auf Twitter. Insbesondere die fehlende Impfimmunität könnte zu einem Problem werden. Aufgrund der vielen Unklarheiten die es noch um die Omikron-Variante gibt, sei eine Durchseuchung der Kinder weiterhin nicht verantwortbar, so die Expertin. Wie sich die Infektionszahlen unter den Kindern im Land entwickeln, bleibt abzuwarten.

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