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Gewerkschaft und Kultusministerium sind sich weiter uneinig, wie der Unterricht unter Corona-Bedingungen ablaufen soll. Die Gewerkschaft und SPD fordern Wechselunterricht - doch das geht der Kultusministerin "zu weit".

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Der Corona-Infektionsschutz an Schulen lässt aus Sicht der neuen Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Monika Stein, sehr zu wünschen übrig. Dafür müssten Wechselunterricht eingeführt und die Lehrer mit den hochwirksamen FFP2-Masken ausgestattet werden, sagte sie der "Pforzheimer Zeitung" (Mittwoch).

"Ein guter Arbeitgeber würde sich besser um seine Beschäftigten kümmern."

Monika Stein, Vorsitzende GEW Baden-Württemberg

Die Forderungen hatte sie bereits am ersten Tag als neue GEW-Vorsitzende erhoben. Beim Wechselunterricht, auch rollierendes System genannt, wird die eine Hälfte der Klasse vor Ort in der Schule unterrichtet, die andere digital zuhause. Für einen solchen Schichtunterricht mit geteilten Kassen könnten pädagogische Assistenten oder Lehramtsstudenten eingesetzt werden, so die GEW-Landesvorsitzende.

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Landes-SPD unterstützt Forderung der GEW für Wechselunterricht

Unterstützung bekommt Stein von der baden-württembergischen SPD. Die fordert ebenfalls eine Rückkehr zum rollierenden System - zumindest für die älteren Schüler ab Klasse acht.

#Masken an und #Fenster auf ist kein ausreichendes Konzept für unsere Schulen! Wir fahren mit geschlossenen Augen und höchster Geschwindigkeit in die nächste #Schulschließung. Wir wollen das verhindern und haben da ein paar Ideen 👇 https://t.co/rlu1Ta81GH

Jugendliche in dem Alter könnten schon gut zu Hause lernen - und die Betreuung durch die Eltern sei nicht mehr nötig, sagte SPD-Fraktionschef Andreas Stoch. Im Wechselbetrieb könnten auch Abstände und Hygieneregeln besser eingehalten werden.

Stoch wirft Kultusministerin Susannne Eisenmann (CDU) vor, nur nach dem Prinzip "Regelbetrieb versus Schulschließungen" vorzugehen.

Eisenmann: Unterricht vor Ort am besten

Eisenmann (CDU) möchte den Schulbetrieb ohne Klassenteilung aufrechterhalten. Die Schulen seien nicht der Ort, wo das Infektionsgeschehen ausgelöst werde, sagte sie im SWR. Das Ansinnen, Klassen zu halbieren, hätten alle Ministerpräsidenten erst einmal zurückgestellt. Die Lehrkräfte seien systemrelevant und könnten mit den Kindern vor Ort am besten arbeiten. Der direkte Kontakt sei auch den Schülerinnen und Schülern am wichtigsten, so Eisenmann.

"Dieses Modell jetzt aufzugeben, obwohl das Infektionsgeschehen an den Schulen nicht treibend ist: Da muss ich Ihnen ehrlich sagen, das geht uns allen, in allen 16 Bundesländern, zum jetzigen Zeitpunkt eindeutig zu weit."

Susanne Eisenmann (CDU), Kultusministerin BW

Bereits jetzt setze man darauf, Schüler in Gruppen einzuteilen. Halbierte Klassen und Wechselunterricht seien "mit Sicherheit" nicht die beste Variante. Es sei richtig, die Schulen offen zu lassen, damit es für Kinder eine Struktur gebe - gerade auch für solche aus nicht stabilen familiären Verhältnissen. Dieses Gut wolle man auf keinen Fall aufgeben.

GEW fordert Finanzierung von FFP2-Masken

Im Streit über FFP2-Masken sagte die GEW-Landeschefin Stein, diese müssten endlich finanziert werden. Im Juli habe Kultusministerin Eisenmann der Gewerkschaft zugesagt, dass es solche Masken zumindest für Lehrkräfte geben soll, die zur Risikogruppe gehören. Dieses Versprechen sei bis heute nicht eingehalten worden.

Länder sollen Vorschläge erarbeiten

Bis kommenden Mittwoch sollen die Landesregierungen Vorschläge für strengere Corona-Regeln an Schulen erarbeiten. Das Treffen der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin hatte diesbezüglich zu keinen Ergebnissen geführt.

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