Dosen des Covid-19 Impfstoffs BiontechPfizer liegen bereit in einer Box zum verimpfen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Marijan Murat)

Impfungen kommen schleppend voran

Mehr als jeder Vierte in Baden-Württemberg noch nicht gegen das Coronavirus geimpft

STAND
REDAKTEUR/IN
Jakob Fandrey

Während über eine Impfpflicht debattiert wird, geht es mit den freiwilligen Impfungen in Baden-Württemberg nur schleppend voran. Das Land liegt mehrfach unter dem Bundesschnitt.

Beim Impfen gegen das Coronavirus geht es in Deutschland, aber auch speziell in Baden-Württemberg, weiterhin nur langsam voran. Mehr als jeder vierte Mensch im Land ist noch nicht gegen das Coronavirus geimpft, wie aktuelle Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) aus dem Impfdashboard zeigen (Stand: 19. Februar, 9 Uhr).

Demnach haben mittlerweile 73,4 Prozent der Baden-Württembergerinnen und Baden-Württemberger (mindestens 8,2 Millionen Menschen) einen Grundschutz erhalten, für den meist zwei Spritzen nötig sind. Im deutschlandweiten Vergleich schneiden dabei nur vier Bundesländer schlechter ab, Baden-Württemberg liegt unter dem Bundesschnitt von 75,1 Prozent.

55 Prozent der Baden-Württemberger geboostert

Auch bei den Boosterimpfungen hinkt das Land hinterher: Während 56,2 Prozent der Bundesbürger (46,7 Millionen) bislang zusätzlich eine Auffrischungsimpfung bekommen haben, beträgt der Wert für Baden-Württemberg 55,3 Prozent (6,1 Millionen).

Das Impftempo stockt ebenfalls: Am Freitag (18.2.) wurden in Deutschland mindestens 156.000 Impfdosen verabreicht. Laut RKI hatten sich am Freitag vor einer Woche inklusive Nachmeldungen noch knapp 224.000 Menschen (ohne Nachmeldungen 193.000) impfen lassen. Die aktuelle Tageszahl verabreichter Impfungen ist immer vorläufig, da nicht alle verabreichten Impfdosen sofort gemeldet werden.

Ähnlich verläuft die Entwicklung in Baden-Württemberg:

Mehr als jeder dritte Jugendliche noch nicht geimpft

Besonders groß ist die Impflücke bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren. Während deutschlandweit 61,06 Prozent dieser Altersgruppe bereits eine Grundimmunisierung erhalten haben, liegt der Wert für Baden-Württemberg fast drei Prozentpunkte darunter. In lediglich fünf Bundesländern aus dem Osten der Republik ist dieser Wert noch geringer.

Das RKI weist allerdings seit Längerem darauf hin, dass die oben ausgewiesenen Zahlen als Mindestimpfquoten zu verstehen sind. Eine hundertprozentige Erfassung durch das Meldesystem könne nicht erreicht werden. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass die tatsächliche Impfquote bis zu fünf Prozentpunkte höher liegt als auf dem Dashboard angegeben.

Lauterbach spricht sich erneut für Impfpflicht aus

Angesichts der Statistiken hatte sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erneut für eine allgemeine Corona-Impfpflicht ausgesprochen. "Wir haben noch so viele Ungeimpfte, dass wir im Herbst ohne Impfpflicht wieder erhebliche Probleme bekommen werden", hatte er der Tageszeitung "taz" gesagt. Die Impfquote erhöhe man nun nicht "durch noch eine Impfkampagne, sondern nur durch die Impfpflicht".

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Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte im Zuge der Verkündung von Lockerungen der Coronavirus-Maßnahmen ebenfalls die geringen Impfquoten in speziellen Bevölkerungsgruppen angemahnt. Der Grünen-Politiker hatte deshalb erneut einen Instrumentenkasten auch für die Zeit nach dem 20. März gefordert, um zur Not gegen eine erneut aufflammende Pandemie durchgreifen zu können. Ab dann sollen nach dem Beschluss von Bund und Ländern nämlich "alle tiefgreifenderen Schutzmaßnahmen" wegfallen. Zudem müsse man bereits jetzt für den kommenden Herbst und Winter vorsorgen. Man müsse mit weiteren Corona-Varianten und einer weiteren Welle im Winter rechnen. Kretschmann sprach sich daher erneut für eine allgemeine Impfpflicht und ein Impfregister aus.

"Gehen Sie impfen, gehen Sie impfen, gehen Sie impfen."

Landesgesundheitsminster Manfred Lucha (Grüne) hatte zu Wochenmitte angesichts der geplanten Lockerungen der Corona-Auflagen davor gewarnt, die Impfungen gegen das Virus aus dem Blick zu verlieren. "Die Impfung bleibt weiterhin zentraler Baustein der Pandemie-Bekämpfung", hatte der Grünen-Politiker betont. Würden sie vernachlässigt, könne sich die Lage wieder zuspitzen: "Es besteht sonst die Gefahr, dass wir zwar einen unbeschwerten Frühling und Sommer genießen, im Herbst und Winter aber wieder vor massiven Problemen stehen", hatte Lucha gesagt.

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