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Bundesgesundheitsminister Spahn drückt bei den Corona-Impfungen aufs Tempo und auch Baden-Württemberg will mitziehen. Außerdem soll die Terminvergabe ab kommender Woche vereinfacht werden.

Baden-Württemberg wird dem Aufruf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) folgen und alle für Februar angekündigte Lieferungen des Astrazeneca-Impfstoffs komplett und ohne Rückstellungen verabreichen. Das teilte Landesgesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) am Freitag auf einer Pressekonferenz in Stuttgart mit. Der Impfstoff werde vollständig an das Personal in Klinken und Krankenhäusern verimpft. Die erste Lieferung erwarte man noch in dieser Woche.

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Der Impfstoff von Astrazeneca erlaube es, offensiver in Vorleistung zu gehen, erklärte der Ärztliche Leiter des Impfzentrums Freiburg, Thorsten Hammer. Der empfohlene Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung liege hier bei neun bis zwölf Wochen - bei den Stoffen von Biontech/Pfizer und Moderna seien es nur drei bis vier Wochen. Das Vakzin von Astrazeneca ist nach den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna der dritte in der EU zugelassene Impfstoff. Hierzulande ist er von der Impfkommission nur für Unter-65-Jährige empfohlen.

Lucha verspricht: "Jeder Impftermin wird gehalten"

Bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna werde man im Wesentlichen bei der bisherigen Strategie bleiben, erklärte Lucha. Baden-Württemberg habe in den ersten Wochen ganz konsequent die Hälfte des Impfstoffs zurückgehalten. Aufgrund der nun in Aussicht gestellten Nachproduktion des Impfstoffs von Biontech/Pfizer habe man sich an die Reserve wagen können. "Jeder, der einen Ersttermin hat, bekommt einen Zweittermin", sicherte Gesundheitsminister Lucha zu. "Und jeder Termin, der mit uns vereinbart wird, wird gehalten."

Der Grünen-Politiker zog trotz des holprigen Startes knapp sechs Wochen nach der ersten Impfung im Land eine positive Bilanz der Impfkampagne. Die Infrastruktur arbeite "reibungslos und effektiv", teilte Luchas Ministerium mit - durch den Impfstoffmangel aber vorerst noch mit halber Kraft.

Daran scheint sich auch nur eher langsam etwas zu ändern. Biontech wolle nach Angaben des Gesundheitsministeriums in der kommenden Woche 99.450 Impfdosen an Baden-Württemberg liefern. Zudem soll das Land 24.000 Moderna-Impfdosen und 52.800 Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs erhalten - insgesamt also mehr als 176.000. Zum Vergleich: In der aktuellen Woche seien 105.300 Biontech-Impfdosen und 48.000 Astrazeneca-Dosen geliefert worden (insgesamt 153.300). Vom 15. bis zum 21. Februar soll sich die Liefermenge von Biontech auf 122.850 erhöhen. Astrazeneca habe zudem 134.400 Impfdosen zugesagt. Demnach stünden von beiden Herstellern zusammen 257.250 Impfdosen zur Verfügung.

Warteliste für Corona-Impftermine ab Montag

Nach der lautstarken Kritik an langen Wartezeiten am Servicetelefon und an erfolglosen Terminvereinbarungen kündigte Lucha zudem Verbesserungen bei der Terminvergabe an. Die Corona-Hotline 116 117 ist seit Wochen komplett überlastet. Am Montag um 10 Uhr werde deshalb eine Warteliste der Hotline in Betrieb genommen. Wer sich dort registrieren lasse, werde zurückgerufen oder bekomme einen Termin per Mail. Anrufer müssten sich also nicht wieder und wieder bemühen. "Jede Liste wird abgearbeitet", versprach Lucha.

Der Minister dämpfte jedoch zugleich die Erwartungen: Einen Termin bekomme man erst, sobald einer frei sei. "Entscheidende Stellschraube ist die Impfstoffmenge - da bitten wir einfach um Geduld." Die Infrastruktur arbeite "reibungslos und effektiv", teilte Luchas Ministerium mit - durch den Impfstoffmangel aber vorerst noch mit halber Kraft. "Wir machen nicht Fehler, zu viele Termine freizugeben", sagte Hammer, der Ärztliche Leiter des Impfzentrums Freiburg. "Wir haben bislang noch nie einen Erst- oder Zweittermin absagen müssen."

Vor-Ort-Impfungen ab März möglich

Lucha kündigte außerdem an, dass die Impfungen in Alten- und Pflegeheimen voraussichtlich im März abgeschlossen seien. Dann könnten die mobilen Impfteams auch für Vor-Ort-Termine in Kommunen eingesetzt werden. Dabei will das Land das Impfteam und den notwendigen Impfstoff zur Verfügung stellen. Die Kommune organisiert in Absprache mit dem zuständigen Impfzentrum vor Ort geeignete Räumlichkeiten für einen Vor-Ort-Impftermin.

Bislang sind nach Angaben des Sozialministeriums gut 350.000 Menschen in Baden-Württemberg geimpft worden - 261.000 hätten die erste Impfung erhalten, 90.000 bereits die zweite Spritze, sagte Lucha. Derzeit würden in Baden-Württemberg täglich rund 7.000 Erstimpfungen und rund 5.000 bis 6.000 Zweitimpfungen durchgeführt. Wenn ausreichend Impfstoff vorhanden sei, könnten in Baden-Württemberg bis zu 60.000 Impfungen pro Tag stattfinden. Allein die Gruppe der über 80-Jährigen und des medizinischen Personals umfasst in Baden-Württemberg rund eine Million Menschen.

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