Eine Spritze liegt in der Hausarztpraxis von Dr. Antonia Stahl auf Fläschchen mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty von BiontechPfizer.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Soeren Stache)

Wenig Impfstoff für erstes Quartal 2022 angekündigt

Mangel an Corona-Impfstoff: Folgen für Baden-Württemberg noch nicht absehbar

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Deutschland hat im ersten Quartal 2022 zu wenig Impfstoff. Das hat Bundesgesundheitsminister Lauterbach angekündigt. Die Folgen für BW lassen sich jedoch noch nicht abschätzen.

Das Land Baden-Württemberg und der Bund wollen das Corona-Infektionsgeschehen mit einer breiten Impfkampagne in den Griff bekommen. Doch im ersten Quartal 2022 wird wohl zu wenig Impfstoff verfügbar sein. Das hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eingeräumt - und damit Ärztevertreter im Bund verärgert. Wie sich der Engpass auf das Land auswirken wird, ist zurzeit aber noch unklar.

Corona-Impfstoffbestellung über Apotheken oder Bund

Überall habe man Impfstützpunkte und kleine Impfzentren eingerichtet, um mobile Impfangebote sowie die Impfungen in den Arztpraxen und bei den Betriebsärzten zu ergänzen, heißt es von der Landesregierung. "Die beste Infrastruktur hilft aber nichts, wenn wir impfbereite Menschen wieder wegschicken müssen, weil zu wenig Impfstoff da ist." Seit Schließung der Impfzentren stellt das Land lediglich die Infrastruktur für die mobilen Impfteams. Die Teams bestellen den Impfstoff direkt beim Pharmagroßhandel beziehungsweise über den Bund.

Die bestellten Impfstoffmengen im Überblick:

Ärzte spüren Corona-Impfstoff-Engpass noch nicht

Ärztinnen und Ärzte erhalten ihre Dosen von den Apotheken mit einer Bestell-Vorlaufzeit von einer Woche. Deshalb sei der prognostizierte Engpass noch nicht zu spüren, heißt es vom baden-württembergischen Hausärzteverband. Man könne noch nicht abschätzen, ob es ein Problem mit den Lieferungen geben wird. Auch, weil Gesundheitsminister Lauterbach angekündigt habe, den Engpass abzufedern.

Seit Ende November hält die Bundesregierung den Impfstoff des Herstellers BioNTech zurück, um Reserven des Moderna-Vakzins abzubauen. Seitdem erhalten Ärztinnen und Ärzte laut Landesapothekerverband pro Praxis nur 30 Dosen des BioNTech-Stoffs in der Woche.

Die Verknappung des Impfstoffs hat Ärztinnen und Ärzte im Land verärgert. In der Region Bodensee-Oberschwaben etwa hat die Arbeitsbelastung in den Praxen zugenommen, unter anderem weil Termine umorganisiert werden mussten.

So laufen die Impfungen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Rest der Republik:

BioNTech: Liefern Corona-Impfstoff nach Plan

BioNTech selbst habe bisher planmäßig ausgeliefert und den Vertrag für 2021 erfüllt, teilte eine BioNTech-Sprecherin auf Anfrage des SWR mit. Im Dezember seien bereits Lieferungen vorgezogen und insgesamt 14 Millionen Impfstoffdosen an Deutschland ausgeliefert worden. Für 2022 habe man die Lieferungen unter dem neuen Vertrag begonnen. Nach aktuellem Stand sei für die Monate Januar bis Juni eine Lieferung von zwölf Millionen Dosen pro Monat vorgesehen - die sich auf Impfstoffdosen für Erwachsene und Kinder verteile. Insgesamt würden BioNTech und das Partnerunternehmen Pfizer kommendes Jahr vier Milliarden Impfstoffdosen herstellen, wie geplant.

Ob im ersten Quartal eine Impfstofflücke drohe, könne man von Unternehmensseite nicht einschätzen - da man keine Angaben zum Lagerbestand des Bundes oder zum erwarteten Bedarf habe. Man stehe aber mit dem Bundesgesundheitsministerium im regelmäßigen Austausch. Falls es einen kurzfristigen Lieferbedarf geben sollte, würde BioNTech versuchen, diesen durch frühere oder zusätzliche Lieferungen zu unterstützen.

Unionsfraktion: Politisches Manöver Lauterbachs

Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Tino Sorge (CDU), bezeichnete Lauterbachs Vorgehen in einem von der "Welt" veröffentlichten Schreiben an die Unions-Abgeordneten als "durchsichtiges politisches Manöver". "Karl Lauterbach ruft 'Feuer', um dann Feuerwehr zu spielen - obwohl er weiß, dass es gar nicht brennt." Im ersten Quartal 2022 würden mehr als 16 Millionen Dosen mRNA-Impfstoff pro Monat geliefert.

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