Ein Impfpass und ein Smartphone, auf dem die App CovPass läuft, liegen auf einem Impfzertifikat, das von einer Apotheke ausgestellt wurde. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Stefan Puchner)

Andrang in Apotheken

Verwirrung um den digitalen Impfnachweis: Gelber Impfpass gilt nicht mehr bei 2G

STAND

Als Reaktion auf Fälschungen von Impfpässen setzt die Landesregierung nun auf digital auslesbare Impfnachweise. Menschen ohne Smartphone hilft der digitale Nachweis in Papierform.

Seit dem 1. Dezember reichen die gelben Impfpässe nicht mehr aus, um den Corona-Impfstatus der Besitzerin oder des Besitzers nachzuweisen. Zugang zu Bereichen, in denen 2G oder 2G Plus gilt, erhält man nur noch mit einem auslesbaren QR-Code.

Menschen ohne Smartphone können die Impfzertifikate in Papierform miführen, die man entweder direkt nach der Impfung oder in der Apotheke erhält und die ebenfalls einen gültigen QR-Code beinhalten. Zusätzlich dazu ist es möglich, den QR-Code auf einer Impfkarte mitzuführen. Allerdings: Diese ist kostenpflichtig. Viele Bürgerinnen und Bürger sind durch die neue Regelung der Landesregierung verunsichert.

Landesweit großer Andrang in Apotheken

In vielen baden-württembergischen Apotheken standen die Menschen am Mittwoch Schlange, um ein digitales Impfzertifikat mit QR-Code zu bekommen. Nach Angaben des Landesapothekerverbands mussten die Kunden teilweise sogar auf den nächsten Tag vertröstet werden. Auch in der Apotheke von Rainer Hörnlein in Wannweil (Kreis Reutlingen) beispielsweise war der Andrang groß. Die Kunden, meist Seniorinnen und Senioren, kamen, um sich gegen Vorlage des traditionellen Impfpasses einen digitalen Impfnachweis abzuholen. "Die Nachfrage war auch vor der neuen Regelung der Landesregierung schon groß", so der Apotheker. "Seit aber der gelbe Impfpass gar nicht mehr gelten soll, ist die Nachfrage noch größer", fährt er fort.

Ein gelber Impfpass (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sophia Kembowski)
Gilt nicht mehr zum Nachweis des Corona-Impfstatus: der gelbe Impfpass. picture alliance/dpa | Sophia Kembowski

Viel Verwirrung um Impfnachweise ohne Smartphone

Die Regelung der Landesregierung, nach der die gelben Impfpässe nicht mehr gelten, hat viele ältere Menschen verwirrt, berichtet Hörnlein gegenüber dem SWR: "Es ist eigentlich nicht schwierig, es wird nur außerordentlich schlecht kommuniziert. Die Menschen entnehmen aus den Nachrichten, dass der digitale Impfnachweis nur durch das Smartphone erbracht werden kann."

Dass es das digitale Impfzertifikat auch in Papierform gibt, sei vielen nicht bewusst. Der enthaltene ausgedruckte QR-Code gilt ebenfalls als vollwertiger Impfnachweis. Frieda Martini, eine der Kundinnen der Apotheke, bestätigt diesen Eindruck des Apothekers: "Für alte Leute ist das alles ein wenig kompliziert. Mein Mann ist 83, für ihn ist das alles ein wenig viel."

Kompakt aber kostenpflichtig: Die Impfkarte

Wer den Impfnachweis weder digital auf dem Smartphone vorweisen will, noch den QR-Code auf Papier, hat auch noch eine dritte Möglichkeit: die Impfkarte im Scheckkarten-Format. Mit ihr soll eine stabile und kompakte Möglichkeit geboten werden, den Impfnachweis mitzuführen. "Wir erfassen dafür den QR-Code des Papier-Nachweises und bestellen dann eine Karte bei einem Hersteller, der diese dann direkt den Kunden zuschickt", so Hörnlein. Dies ist allerdings kostenpflichtig.

Die Impfkarte ist in den meisten Apotheken zu erhalten und kostet zwischen 9,90 Euro und 20 Euro. Hörnlein betont, dass es sich bei der Impfkarte um ein kommerzielles Produkt handelt, das von mehreren Anbietern erstellt werde. "Viele Apotheken stellen die Impfkarte nicht aus, weil es relativ aufwendig ist und es sich wirtschaftlich nicht lohnt", fährt er fort.

In vielen baden-württembergischen Apotheken können Impfkarten erworben werden. (Foto: SWR)
Mit einer Impfkarte wie dieser soll Menschen ohne Smartphone eine kompakte Möglichkeit zum Nachweis des Impfstatus geboten werden.

Mit welchen Apps Sie den Impf-QR-Code am besten speichern können, erfahren Sie hier:

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Mehrwert der Impfkarte ist umstritten

Einige Apotheken in Baden-Württemberg verwehren aber auch aus anderen Gründen den Verkauf der Impfkarte. "Wir halten nichts davon, weil das keinen zusätzlichen Mehrwert bringt. Eigentlich ist das nur ein zusätzlicher Weg der Datenübermittlung", sagte eine Apothekerin aus Stuttgart dem SWR. Man könne genauso gut sein digitales Impfzertifikat in Papierform benutzen und dieses ins Portemonnaie legen. Die Übermittlung von personenbezogenen Daten an das Unternehmen, das die Impfkarte erstellt, könne man sich sparen.

Veranstalter müssen QR-Codes überprüfen

Die Landesregierung stellt in der aktuellen Corona-Verordnung auch klar, dass Betreiber, Anbieter und Veranstalter verpflichtet sind, die Impfnachweise der Gäste elektronisch auf ihre Echtheit zu überprüfen - beispielsweise mit der CoVPassCheck-App. Diese zusätzliche App kann für die Kontrolle durch die Betreiber auf ein Smartphone installiert und dann der QR-Code der Gäste gescannt werden. Ist der Nachweis echt und gültig, zeigt dies die CoVPassCheck-App an.

Außer der Gültigkeit, dem Namen und dem Geburtsdatum werden bei der Kontrolle keine weiteren Daten der Gäste angezeigt. Die Betreiber sind aber verpflichtet, diese mit einem Ausweisdokument des Gastes abzugleichen.

Ein Foto der CoVPassCheck-App nachdem ein Impfnachweis gescannt wurde.  (Foto: dpa Bildfunk, SWR, picture alliance/dpa | Christoph Dernbach (Verpixelung SWR))
Die QR-Codes auf den digitalen Impfnachwiesen müssen zur Überprüfung gescannt werden. picture alliance/dpa | Christoph Dernbach (Verpixelung SWR)

Ausnahmen des digitalen Prüfverfahrens

Laut der neuen Corona-Verordnung des Landes sind nicht alle von der neuen Form der digitalen Prüfung betroffen. Der Nachweis in digitaler Form "gilt nicht für Personen, die keine Bürgerinnen und Bürger eines Mitgliedstaats der Europäischen Union sind" heißt es in der Verordnung. Außerdem sind auch Menschen ohne Wohnsitz in der EU oder mit einer Corona-Impfung, die außerhalb der EU stattgefunden hat, ausgeschlossen. Der digitale Nachweis ist daher für alle verpflichtend, die die Möglichkeit haben, "elektronische Anwendungen zur Überprüfung einzusetzen" und Bürgerin oder Bürger der EU sind.

Sozialministerium ist von QR-Codes überzeugt

Die Abkehr von den traditionellen Impfpässen als gültigen Nachweis der Corona-Schutzimpfung begründet die Landesregierung von Baden-Württemberg mit den vermehrt auftretenden Fälschungen der gelben Impfpässe.

"Das Fälschen von Impfpässen kann in Baden-Württemberg grundsätzlich eine Straftat darstellen", so ein Sprecher des Innenministeriums gegenüber dem SWR. Die Anzahl der Fälle im Zusammenhang mit gefälschten Impfpässen belaufen sich bisher im "mittleren dreistelligen Bereich". Deutlich sicherer sind die QR-Codes. "Dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg liegen bislang keine Erkenntnisse darüber vor, dass es zu Fälschungen von QR-Codes kam", heißt es aus dem Ministerium.

Mit gefälschten gelben Impfpässen kam auch Apotheker Hörnlein immer wieder in Kontakt: "Wir haben sehr viele Fälschungsversuche erlebt in der Vergangenheit", berichtete Hörnlein dem SWR.

"Es war bisher auch leicht, einen solchen gefälschten Impfausweis zu bekommen, die konnte man bestellen über bestimmte WhatsApp- und Telegram-Gruppen, im Internet, aber auch im Darknet", so der Apotheker. Wie sich die Abschaffung des gelben Impfpasses als gültiger Nachweis einer Corona-Impfung auf diese kriminellen Entwicklungen auswirkt, bleibt abzuwarten.

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SWR