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Menschen aus schwierigen sozialen Verhältnissen sind besonders Corona-gefährdet. Sollen sie deswegen nun bevorzugt geimpft werden?
Esther Saoub aus der SWR-Redaktion Religion, Migration und Gesellschaft kommentiert:

Auf Intensivstationen liegen überproportional viele Kranke aus sozial schwachen Familien. Es mehren sich Vorschläge, sie bevorzugt zu impfen. Dabei steht doch eigentlich ein Ende der Priorisierung an, viele sind ungeduldig, wollen endlich eine Impfung. Wie lassen sich Schutzmaßnahmen in der Pandemie gerecht verteilen und: was heißt überhaupt gerecht?

Corona bedroht Menschen weltweit

Es gehört zur Definition einer Pandemie, dass sie die ganze Welt bedroht. Aber nach einem Jahr ist mir klar geworden: Dieses Virus bedroht zwar uns alle, aber nicht in gleichem Maße. Corona trifft ausgerechnet die am härtesten, denen es auch sonst schlecht geht: Diese Pandemie ist extrem ungerecht verteilt. Und zwar nicht nur zwischen Neuseeland und Indien – auch zwischen unserer Wohnlage in Stuttgart und sagen wir Mannheim-Neckarstadt.

Vor allem sozial Benachteiligte betroffen

Nach Daten des Robert-Koch-Instituts ist in sozial benachteiligten Regionen das Risiko, an Corona zu sterben, 50 bis 70 Prozent höher als in nicht benachteiligten Gegenden. 50 bis 70 Prozent! Diese Zahlen musste ich zweimal lesen, um sie zu verdauen. Warum ist das so? Ich habe viele mögliche Gründe gefunden: enge Wohnverhältnisse, Vorerkrankungen, Jobs, die man nicht zuhause machen kann, tägliche Fahrten mit Bus und Bahn, zu wenig Wissen über Vorsichtsmaßnahmen, Schwierigkeiten beim Vereinbaren von Tests oder Impfungen.

Hilfe durch mobile Impfteams

Wer sich um mehrere Kinder kümmern muss oder irgendwo draußen einem schlecht bezahlten Job nachgeht, tut sich schwerer damit, einen Impftermin auszumachen, als jemand wie ich, die zuhause am Computer arbeitet. Das ist in meinen Augen ungerecht. Gerecht dagegen finde ich den Vorschlag, mobile Impfteams in sozial benachteiligte Stadtviertel zu schicken.

Mobile Impfteams Heidelberg (Foto: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis)
Ein mobiles Impfteam der DLRG im Einsatz in Heidelberg Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis

Moment mal, fragen Sie jetzt vielleicht, warum kriegen die die Impfung vors Haus geliefert, während ich mich anstellen muss? Weil "die" sich vielleicht schon oft genug anstellen? Bei der Tafel zum Beispiel, weil sie mit dem Kurzarbeitergeld am Monatsende nicht mehr auskommen. In Zeiten wie diesen finde ich es angemessen, diejenigen, die so oft im Nachteil sind, auch einmal bevorzugt zu behandeln.

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