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Seit knapp drei Wochen wird gegen das Coronavirus geimpft, momentan der einzige Hoffnungsschimmer im Kampf gegen die Pandemie, meint Knut Bauer aus der SWR-Redaktion Landespolitik. Baden-Württemberg belegt im Bundesvergleich derzeit den letzten Platz.

Weil Impfstoff fehlt, musste Baden-Württemberg den ab Freitag geplanten Betrieb der Kreis-Impfzentren um eine Woche verschieben. Laut einer Statistik des Robert-Koch-Instituts belegt Baden-Württemberg im Bundesvergleich Stand Freitag den letzten Platz. Einen Grund dafür sieht Bauer in den regionalen Unterschieden bei der Impfstrategie.

Wird in Baden-Württemberg im Ländervergleich weniger geimpft?

Knut Bauer: Eigentlich nicht, der Impfstoff wird ja nach Größe der Bundesländer und deren Einwohnerzahl verteilt. Und da liegen in absoluten Zahlen die beiden bevölkerungsreichsten Länder Bayern und Nordrhein-Westfalen mit großem Abstand vorn. Auf Platz drei kommt Baden-Württemberg mit aktuell rund 93.000 Impfungen. Dies führt jedoch bezogen auf die Impfungen pro 1.000 Einwohner bundesweit zum letzten Platz.

Das baden-württembergische Gesundheitsministerium sagt, es gibt Übertragungsprobleme, deshalb seien ein paar tausend Impfungen noch gar nicht in der Statistik des Robert-Koch-Instituts gelandet. Da könnte sich also im Ranking noch etwas verschieben. Allerdings ist es keine Frage, dass es beim Impfen in Baden-Württemberg noch Luft nach oben gibt.

Woher kommen die regionalen Unterschiede?

Knut Bauer: Die einzelnen Bundesländer haben verschiedene Strategien und Vorgehensweisen. Beim Impf-Spitzenreiter Mecklenburg-Vorpommern in der RKI-Statistik ist bisher alles, was an Impfstoff zur Verfügung steht, auch verimpft worden. Genauso macht es Bayern inzwischen auch.

Laut Gesundheitsministerium geht Baden-Württemberg hingegen einen anderen Weg. 50 Prozent der Dosen werden für die zweite Impfung zurückgehalten, die nach Expertenansicht für einen wirksamen Schutz notwendig ist. Mag jetzt übervorsichtig sein, auf jeden Fall wird damit die zweite Impfung sichergestellt. Während in Mecklenburg-Vorpommern eine zweite Impfung auf der Kippe stehen könnte, wenn eine Lieferung ausbleibt.

Dies scheint auch nicht unmöglich, da bereits Anfang des Jahres eine Impfstoff-Charge von Biotech-Pfizer weggefallen ist, weil 89.000 Impfdosen gequetscht waren. Darüber hinaus hat Pfizer angekündigt, dass vorübergehend weniger ihres Corona-Impfstoffes nach Europa geliefert werden könnte. Ein Grund dafür ist, dass die Produktionskapazitäten weiter hochgefahren werden sollen.

Portrait Knut Bauer (Foto: SWR)
Knut Bauer, SWR-Redaktion Landespolitik

Steht Baden-Württemberg dann gar nicht so schlecht da?

Knut Bauer: Zumindest nicht ganz so schlecht, wie es momentan in der RKI-Statistik zu den Impfquoten aussieht. Im Augenblick sind die über 80-Jährigen und das Pflegepersonal an der Reihe - und zumindest bei den älteren Menschen liegt Baden-Württemberg im Bundesvergleich an der Spitze.

"Bei den über 80-Jährigen hat Baden-Württemberg mit Abstand die höchste Quote, weil wir das aufgrund der Vulnerabilität am wichtigsten finden. Da haben wir im Verhältnis zu den anderen Ländern deutlichen Überschuss."

Manfred Lucha (Grüne), Gesundheitsminister Baden-Württemberg

Die Zahlen lassen reichlich Spielraum für Interpretationen. Richtig aussagekräftig wird der Vergleich erst in ein paar Wochen, wenn auch die zweiten Impfungen durchgeführt worden sind. Der Impfstoff bleibt aber Mangelware, vorerst reichen die Dosen auch noch nicht, um alle Berechtigten zu impfen.

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