Eine Ampulle mit dem Impfstoff des Herstellers BiontechPfizer steht für die Vorbereitung zur Impfung bereit.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Lino Mirgeler)

Vierte Welle in Baden-Württemberg

Von Impfteams bis Boostern: Fragen und Antworten rund um die Corona-Impfung

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Die vierte Corona-Welle rollt durch Baden-Württemberg. Die Landesregierung will sie vor allem durch eine breite Immunisierung bremsen. Wichtige Fragen und Antworten zum Impfen.

Noch nie in der Corona-Pandemie hat es so viel Neuinfektionen gegeben wie in diesem Herbst. Die Intensivstationen im Land sind ausgelastet - vor allem mit ungeimpften Corona-Patientinnen und -Patienten. Die Landesregierung sieht im Impfen deshalb die Antwort auf die grassierende vierte Welle. Sie will nun insbesondere all jene erreichen, die sich bislang gegen die Immunisierung entschieden haben. Bereits Geimpfte sind zudem aufgerufen, ihren Schutz aufzufrischen. Welche Impfstoffe sind verfügbar? Warum ist das Impfen sinnvoll? Und wo gibt es den Piks? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum sollte ich mich gegen das Coronavirus impfen lassen?

Weil die Gefahr, durch eine Corona-Infektion schwer zu erkranken, um ein Vielfaches höher ist als das Risiko, schwerwiegende Nebenwirkungen durch die Impfung zu erleiden. Jeder zehnte Infizierte muss mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem schweren Verlauf rechnen (10 Prozent), auch bislang unerforschten Spätfolgen ("Long Covid") sind möglich. Dagegen tritt nur bei einer von 5.000 Personen eine schwerwiegende Nebenwirkung durch die Impfung auf (0,02 Prozent). Langzeitfolgen sind unwahrscheinlich, betonen Expertinnen und Experten.

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Geimpfte gelten zudem als weniger infektiös. Das bedeutet, sie stecken andere seltener an. So kann das Infektionsgeschehen eingedämmt werden. Sie sind jedoch nicht vollständig vor einer Infektion geschützt. Seit Februar dieses Jahres bis zum 10. November registrierte das Robert Koch-Institut deutschlandweit 175.188 sogenannte Impfdurchbrüche bei rund 56 Millionen vollständig Geimpften. Jedoch landen diese Fälle weitaus seltener auf der Intensivstation: Drei von zehn Intensivpatientinnen und -patienten sind geimpft, bei den meisten hatte der Impfschutz bereits nachgelassen.

Auch ein Grund für die Impfung: Schärfere Regeln, wie sie nun während der "Alarmstufe" in Baden-Württemberg gelten, treffen lediglich die ungeimpfte Menschen.

Informationen zur Sicherheit der Impfung liefert das Paul-Ehrlich-Institut.

Welche Impfstoffe gibt es und wer bekommt sie?

Vier Impfstoffe sind derzeit in Deutschland auf dem Markt. Zum einen die mRNA-Impfstoffe von BioNTech und Moderna, die für alle Menschen ab zwölf Jahren uneingeschränkt zugelassen sind. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt diese Stoffe auch für Schwangere und Stillende. Zum anderen gibt es die Vektorimpfstoffe der Unternehmen AstraZeneca sowie Johnson & Johnson, die in der Regel für Menschen ab 60 Jahren empfohlen werden. Die STIKO rät allen Menschen, die eine erste Dosis AstraZeneca erhalten haben, zu einer Zweitimpfung mit einem mRNA-Stoff. Für einen vollen Impfschutz sind in der Regel zwei Dosen im Abstand von vier bis sechs Wochen nötig. Bei Johnson & Johnson reicht zunächst eine Dosis, jedoch wird dringend zu einer Auffrischung geraten. Die volle Schutzwirkung entfaltet die Impfung sieben Tage nach der letzten Dosis.

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Impfwillige haben keine freie Wahl. Es wird der Impfstoff verimpft, der verfügbar ist und für die entsprechende Altersgruppe empfohlen wird.

Wo erhalte ich eine Impfung in Baden-Württemberg?

Bei einer niedergelassenen Ärztin oder einem Arzt sowie bei einer der zahlreichen Impfaktionen im Land. Haus- und Fachärzte in ganz Baden-Württemberg bieten die Corona-Impfung nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KVBW) an. Seit der Schließung der Impfzentren Ende September sind in Baden-Württemberg zudem mobile Impfteams unterwegs. Die Landesregierung hatte die Anzahl dieser Teams kürzlich deutlich erhöht, um Praxen zu entlasten und das Impftempo zu steigern. 155 solcher Teams sind landesweit im Einsatz. Sie sollen in jedem Stadt- und Landkreis mindestens einen Impfstützpunkt betreiben. Das können zum Beispiel Einkaufszentren sein. Auch in Vereinen und Kirchengemeinden soll es Aktionen geben. Zudem sollen die Teams Auffrischungsimpfungen in Alten- und Pflegeheimen übernehmen. Ziel ist es, die Impfung unkompliziert zu den Menschen zu bringen.

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Die Impfzentren will das Land derzeit nicht wieder öffnen. Das sei zu aufwendig und würde vor allem auch Personal binden und zu lange dauern. "Bis wir die Impfzentren wieder etablieren könnten, wäre die halbe Messe gelesen", hatte Landesgesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) gesagt.

Über ein Infoportal der Landesregierung lässt sich die nächste Impfaktion finden. Die KVBW bietet auf ihrer Internetseite eine Arztsuche an.

Kostet die Impfung etwas?

Nein. Die Corona-Impfung ist für alle Bürgerinnen und Bürgern kostenlos, egal ob und wo sie krankenversichert sind.

Was hat es mit der sogenannten Booster-Impfung auf sich?

Die aktuell grassierende Delta-Variante ist weitaus ansteckender als frühere Typen des Virus. Zudem hat der Schutz jener Gruppen nachgelassen, deren Impfung lange zurückliegt. Dies betrifft vor allem Ältere. Studien weisen darauf hin, dass die anfangs sehr gute Immunantwort nach rund sechs Monaten stark nachlässt. Deshalb steigen die Ansteckungszahlen gerade auch unter den Geimpften. Deshalb empfiehlt die Landesregierung allen Geimpften, deren letzte Dosis länger als sechs Monate zurückliegt, die Auffrischung ihres Impfschutzes, also eine sogenannte Booster-Impfung. Wer eine Immunisierung mit Johnson & Johnson erhalten hat, soll nach vier Wochen eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff in Anspruch nehmen.

Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die Booster-Impfungen hochwirksam sind. "Wir haben sehr vielversprechende Daten, dass die dritte Impfung breit-neutralisierende Antikörper hervorbringt, die das Virus zurückdrängen", hatte der Freiburger Virologe Hartmut Hengel kürzlich dem SWR gesagt.

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Die Landesregierung hat früh zur Auffrischung aufgerufen. Die STIKO hatte lange die dritte Impfung insbesondere für Menschen ab 70 Jahren und Beschäftigte im medizinischen Bereich empfohlen. Seit Donnerstag rät sie nun auch allen Personen ab 18 Jahren zur Auffrischung. Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich ebenfalls dafür ausgesprochen, allen Menschen ab 18 Jahren eine dritte Impfung zu ermöglichen - auch, wenn die letzte Impfdosis noch kein halbes Jahr zurückliege.

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Was sagen Hausärztinnen und Hausärzte zum Boostern?

Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, es sei bei weniger gefährdeten jüngeren gesunden Menschen nach bisherigen medizinischen Erkenntnissen "nicht erforderlich, auf den Tag genau nach sechs Monaten eine Booster-Impfung durchzuführen". Beim Wunsch nach einer raschen Auffrischung sei zudem zu berücksichtigen, dass dies möglicherweise zu Lasten von vulnerablen Patienten erfolgen würde. Auch bei der dritten Impfung gelte es, die Gefährdeten besonders im Auge zu behalten. Zudem hätten viel zu viele Menschen noch nicht einmal die Erstimpfung erhalten.

Wo bekomme ich die Auffrischungsimpfung und welche Stoffe kommen infrage?

Überall dort in Baden-Württemberg, wo es auch Erst- und Zweitimpfungen gibt: bei Hausärztinnen und Hausärzten sowie bei den Vor-Ort-Impfaktionen. Mobile Impfteams suchen dafür die Pflege- und Altersheime auf.

Ein drittes Mal geimpft wird ausschließlich mit einem mRNA-Stoff, also der Unternehmen BioNTech/Pfizer oder Moderna. Es sollte dann der Stoff angewendet werden, mit dem auch die Grundimmunisierung vorgenommen wurde. Eine Person mit BioNTech-Schutz sollte also auch eine Drittimpfung mit dem Stoff bekommen. Jemand, der bislang ausschließlich mit AstraZeneca geimpft wurde, soll einen der beiden mRNA-Stoffe erhalten. Die Auffrischungsimpfung entfaltet laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) den vollen Schutz fünf bis sieben Tage nach der Impfung.

Wie ist der Stand beim Impfen im Land?

In Baden-Württemberg sind derzeit 65, 8 Prozent der Menschen vollständig geimpft, eine Dosis haben 67,4 Prozent der Bevölkerung erhalten (Stand: 17.11.). In der vergangenen Woche seien 40 Prozent der erreichten Impflinge Erst-Geimpfte gewesen, sagte Gesundheitsminister Lucha.

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