Eine weibliche Auszubildende feilt an einem Werkstück im Mechanik-Raum im Ausbildungszentrum im BMW-Werk.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jan Woitas)

Appell der IHK an potenzielle Bewerber

Viele freie Lehrstellen in Baden-Württemberg

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Corona hat den Ausbildungsmarkt in Baden-Württemberg weiter im Griff: Erneut sinkt die Zahl der Auszubildenden. Dabei sind die Branchen unterschiedlich stark betroffen.

Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres hat die Industrie- und Handelskammer Baden-Württemberg unentschlossene junge Menschen aufgerufen, sich für den Herbst noch auf einen Ausbildungsplatz zu bewerben. Denn auch im zweiten Corona-Jahr ging die Zahl der Auszubildenden zurück.

"Bewerbt Euch", mit diesem klaren Appell hofft der baden-württembergische Industrie- und Handelskammertag, doch noch kurzfristig einige der vielen freien Lehrstellen besetzen zu können. Fast 3.500 freie Stellen sind nach IHK-Angaben in den Lehrstellenbörsen der baden-württembergischen Berufskammern für das gerade beginnende Ausbildungsjahr gelistet. Für das kommende sind es knapp doppelt so viele.

IHK ruft zu kurzfristigen Bewerbungen auf

IHK BW-Vizepräsidentin Marjoke Breuning sieht im Bewerbungsrückgang eine Folge der Corona-Pandemie: Die habe viele junge Menschen bei der Zukunftsplanung verunsichert und von Bewerbungen abgehalten, so Breuning bei einer Pressekonferenz in Stuttgart.

Demnach starten im Bereich der IHK Baden-Württemberg in diesen Tagen gut 40.500 Menschen mit ihrer Ausbildung. Das entspricht einem Rückgang von fast fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Vergleich mit 2019, dem letzten Ausbildungsjahr vor Corona, beträgt der Rückgang sogar 20 Prozent. Etwas besser geht es der wirtschaftsstarken Region Stuttgart mit einem leichten Minus von 0,8 Prozent. Doch selbst hier sind die Zahlen zum zweiten Mal rückläufig. Eine Entwicklung, die der IHK nach eigener Aussage Sorge bereitet, auch wenn der Unterschied zwischen den beiden Corona-Jahren nicht mehr ganz so groß sei wie der vor und während der Pandemie.

Große Einbrüche im Bankwesen

Dabei sind die Einbrüche bei den Neuzugängen je nach Branche unterschiedlich stark ausgeprägt: Bei den Banken ist er mit 11,7 Prozent besonders deutlich. Der Grund für den starken Einbruch liegt der IHK zufolge auch am Strukturwandel: Berufe wie der Bank- oder der Industriekaufmann würden heute schlichtweg weniger gebraucht als früher. Einen spürbaren Rückgang gibt es auch in der Metall- und Elektroindustrie mit knapp sechseinhalb und viereinhalb Prozent weniger Auszubildenden.

Gerade in dem besonders von Corona gebeutelten Hotel- und Gastgewerbe sowie im Handel ist der Rückgang dagegen weniger deutlich, was laut IHK aber daran liegt, dass die Azubi-Zahlen schon im letzten Jahr durch den ersten Lockdown eingebrochen waren.

Mehr Bewerber im Handwerk

Sehr viel rosiger sieht die Lage in den Handwerksbetrieben im Land aus. Zwar sind auch hier noch viele Stellen unbesetzt, allein fast 300 in der Region Stuttgart. Eine Zahl, die jedoch verkraftbar scheint angesichts von über 3.700 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Anders als in den IHK-Branchen nimmt das Interesse an handwerklichen Berufen merklich zu. Trotzdem betonen auch die Handwerkskammern in Baden-Württemberg, dass Bewerbungen auch nach dem Stichtag 1. September jederzeit willkommen seien.

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