Brille auf Laptop und Kaffeetasse (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Verschärfte Hygiene-Maßnahmen am Arbeitsplatz

Corona in BW: Unternehmen machen sich auf 3G- und Homeoffice-Pflicht gefasst

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Zur Eindämmung der Pandemie will die Bundesregierung möglicherweise bald wieder Homeoffice anordnen. Der Mittelstand in Baden-Württemberg sieht dabei noch einige offene Fragen.

Angesichts der steigenden Ansteckungszahlen mit dem Coronavirus werden Forderungen nach strengeren Corona-Maßnahmen wieder lauter. Der geschäftsführende Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will deshalb wieder eine Homeoffice-Pflicht einführen.

SPD, Grüne und FDP für Homeoffice und 3G am Arbeitsplatz

Demnach sollten im Herbst und Winter wieder alle Arbeitnehmenden von Zuhause aus ihrem Berufsalltag nachgehen. Für Berufe, in denen das nicht möglich ist, soll die 3G-Regel verpflichtend werden. Das heißt: Unternehmen müssten dann ihre Angestellten kontrollieren, ob diese von Covid-19 genesen, vollständig gegen die Krankheit geimpft oder sie aktuell negativ auf das Coronavirus getestet worden sind.

Hubertus Heil, Arbeitsminister (Foto: BMAS / Dominik Butzmann)
Der geschäftsführende Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will die erneute Homeoffice-Pflicht. BMAS / Dominik Butzmann

Das geht aus einem Gesetzentwurf des Bundesarbeitsministeriums hervor. Der Entwurf muss nun noch in den Fraktionen der möglichen künftigen Bundesregierung aus SPD, Grüne und FDP besprochen werden. Sollte der Bundestag am Donnerstag und der Bundesrat am Freitag zustimmen, würde Deutschland wieder zu der Vorschrift zurückkehren, die zuvor schon einmal bis zum 30. Juni galt.

Im Mittelstand der CDU regt sich Kritik

Der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand der Unionsfraktion im Bundestag, Christian von Stetten aus Künzelsau (Hohenlohekreis), hat sich gegen eine Homeoffice-Pflicht ausgesprochen. Eine erneute Homeoffice-Pflicht sei das falsche Signal für eine sich langsam wieder normalisierende Wirtschaft. Er plädiere für eine 3G-Pflicht am Arbeitsplatz, sagte von Stetten der Zeitung "Augsburger Allgemeine".

3G am Arbeitsplatz als eine Möglichkeit

"3G am Arbeitsplatz und vor allem auch die Auskunftspflicht der Beschäftigten können einen wichtigen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten. Solche Regelungen müssen aber immer praxisgerecht sein und vor allem auch bürokratiearm", sagte Johannes Schmalzl, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart auf SWR-Anfrage.

"Unsere Unternehmen stehen für ihre Fürsorgepflicht ein, jedoch müssen Regeln mit Augenmaß erlassen werden, insbesondere sollten diese die vielen kleinen und mittleren Unternehmen nicht überfordern, zum Beispiel bei den Kontroll- und Dokumentationspflichten", so Schmalzl.

Um das Infektionsrisiko zu minimieren gebe es auch im produzierenden Gewerbe Möglichkeiten, sagte der Präsident der Ulmer IHK, Jan Stefan Roell gegenüber dem SWR. Beispielsweise mit Testen, Maskenpflicht und Schichtbetrieb.

Gebäude der IHK in Ulm, in der Mitte wehen Fahnen mit dem Logo der IHK (Foto: SWR)
Gebäude der Industrie- und Handelskammer in Ulm

Homeoffice trifft auch auf Zuspruch

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) befürwortete die Wiedereinführung der Homeoffice-Pflicht.

Angesichts dramatisch steigender Corona-Infektionszahlen sei es "richtig, dass Arbeitgeber erneut verpflichtet sind, wo immer möglich Homeoffice anzubieten", so der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann.

NGG: Homeoffice braucht klare Regeln

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert klare Regeln für das Homeoffice. Homeoffice sei mittlerweile nicht nur ein Thema für Bürojobs, sondern auch im Außendienst und in Teilen der Produktion habe sich die Arbeit von Zuhause aus mittlerweile etabliert, sagte der Stuttgarter NGG-Geschäftsführer, Hartmut Zacher, dem SWR. Die nächste Bundesregierung sei nun in der Pflicht, über die Corona-Pandemie hinaus faire Regeln im Sinne der Beschäftigten zu finden.

Zacher fordert: Betriebsräte und Gewerkschaft sollten beim Homeoffice stärker mitreden - etwa bei der technischen Ausstattung des heimischen Büros. Es könne nicht sein, dass Beschäftigte zum Beispiel auf den Kosten für das dienstlich genutzte Telefon sitzen blieben. Die derzeitige steuerliche Absetzbarkeit beim Homeoffice mit 600 Euro pro Jahr kritisierte Zacher als deutlich zu niedrig.

Gesetzentwurf: Arbeiten zuhause im Homeoffice, wenn möglich

Laut Entwurf des Bundesarbeitsministeriums muss "der Arbeitgeber den Beschäftigten im Fall von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anbieten, diese Tätigkeiten in deren Wohnung auszuführen, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen". Die Beschäftigten hingen müssen "dieses Angebot annehmen, soweit ihrerseits keine Gründe entgegenstehen."

Solche Gründe "können vorliegen, wenn die Betriebsabläufe sonst erheblich eingeschränkt würden oder gar nicht aufrechterhalten werden könnten", heißt es weiter. Eine fehlende Technik-Ausstattung etwa mit Computern gelte nur vorübergehend als Verhinderungsgrund. Beschäftigte wiederum können dem Entwurf zufolge beispielsweise bei "räumlicher Enge, Störungen durch Dritte oder unzureichender Ausstattung" die Arbeit im Homeoffice ablehnen.

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