Hochwasser auf der Rheininsel bei Ketsch (Foto: SWR, Wiest)

Nur manche Flusspegel steigen noch

Hochwasser in Baden-Württemberg entspannt sich teilweise - Rhein-Schifffahrt teilweise eingestellt

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Starkregen und Schneeschmelze führten im Südschwarzwald zu kleineren Erdrutschen, an der Dreisam in Freiburg zu überfluteten Ufern, auf dem Rhein wurde die Schifffahrt eingestellt. Doch vielerorts fallen die Pegel wieder.

Die Hochwasser-Lage hat sich an einigen Orten Baden-Württembergs wieder entspannt, so etwa in Oberschwaben und am Bodensee. Nach Angaben der Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) in Karlsruhe von Sonntag fallen auch die Wasserstände im Neckar wieder. In Heidelberg wurde der Scheitelpunkt bei einem Pegelstand von 3,3 Metern im Verlauf des Samstags erreicht. Das reichte diesmal nicht - wie sonst oft - für eine Überflutung der B37 unter der Alten Brücke.

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Hochwasser-Schaulustige hindern Rehe an Flucht

Bei Karlsruhe haben Polizisten am Sonntag Rehe, die sich vom überschwemmten Rheinufer zurückziehen wollten, zu einem Fluchtweg verholfen. Die Tiere wollten einen Deich überqueren, wurden jedoch von Schaulustigen davon abgehalten, wie die Polizei mitteilte. Von Bürgern alarmierte Beamte sorgten dann für einen freien Deich und einen sicheren Übergang der Rehe ins Trockene.

Kanufahrer aus dem Altrhein gerettet

Bereits am Samstagnachmittag konnte ein 49-jähriger Kanufahrer aus dem Altrhein bei Rastatt-Plittersdorf gerettet werden. Laut Polizei war der Mann mit seinem Kanu gekentert und konnte sich nicht mehr selbst retten. Zeugen des Vorfalls fuhren mit einem eigenen Boot zu dem Verunglückten und brachten ihn an Land, wo der Kanufahrer mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht wurde.

Rhein: Schifffahrt eingestellt

Am frühen Sonntagmorgen lag der Scheitelpunkt des Rheins bei Maxau (Kreis Karlsruhe) laut HVZ bei 8,5 Metern. Die Schifffahrt am Rhein war zwischen Iffezheim (Kreis Rastatt) und Germersheim bereits in der Nacht zum Samstag eingestellt worden. Am Sonntag wurde die Sperrung der Schifffahrt bis Mannheim ausgeweitet. An den Pegeln Mannheim und Worms steigen die Wasserstände stark an. Am Pegel Worms wurde die Hochwassermarke 1 überschritten. In Germersheim sind laut Wasserschutzpolizei die Uferbereiche überflutet. Unter der Brücke der B36 hat die Feuerwehr eine Spundwand gezogen.

In Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis) stürzten am Sonntagmorgen Teile eine Mauer an der B39 ein. Nach Angaben der Polizei bleibt die Straße vermutlich bis Sonntagabend komplett gesperrt. Laut Polizeisprecher war die Ursache zunächst unklar, es ist aber möglich, das die Mauer von Wassermassen unterspült worden war.

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Für den baden-württembergischen Abschnitte des Mains verzeichnete die HVZ leicht fallende Wasserstände. Am Pegel Wertheim (Main-Tauber-Kreis) war der Hochwassermeldewert am Samstag überschritten. Am Sonntagmorgen fiel der Wasserstand leicht. Laut Vorhersage könnte er aber bis Montag wieder etwas steigen.

An der Donau bietet sich ein ähnliches Bild: Am Pegel Hundersingen fallen die Wasserstände, während für Berg und Neu-Ulm steigende Werte vorausgesagt werden.

Kleinere Erdrutsche im Südschwarzwald

Nach Angaben der HVZ ist der Höhepunkt der Hochwassergefahr in Baden-Württemberg bereits am Freitag erreicht worden. In der Nacht zum Freitag war ist es im Südschwarzwald schon zu kleineren Erdrutschen gekommen. Die Polizei hatte die Kreisstraße 6.500 bei Ühlingen-Birkendorf (Kreis Waldshut) wegen Schutt und Geröll auf der Fahrbahn sperren müssen. Auch im Kreis Lörrach gab es kleinere Erdrutsche. Einige Landstraßen sind teilweise abgeriegelt worden. Bei Schopfheim wurde eine Straße wegen Überflutung gesperrt.

Erdrutsch versperrt Straße (Foto: SWR)
Zwischen Hürrlingen und Riedern am Wald (beides Landkreis Waldshut) wurde die Straße wegen eines Erdrutsches gesperrt.

Dreisam-Vorfall: harmloser als angenommen

Die Rettung einer vermeintlich in die über die Ufer getretene Dreisam gestürzten Frau hat sich inzwischen als weniger dramatisch herausgestellt als zunächst angenommen. Eine junge Frau sei lediglich mit ihrem Rad auf dem Uferweg in Freiburg wegen der Überschwemmung nicht mehr weitergekommen und habe sich mit Hilfe eines Mannes in Sicherheit gebracht, sagte ein Polizist am Samstag. Zunächst war man von einer Gefahrenlage ausgegangen.

Eine Zeugin hatte nämlich der Polizei am Freitagmorgen gemeldet, dass sich eine Frau an einer Ufermauer im Fluss festhalte. Daraufhin rückten mehrere Feuerwehren, die Polizei, Rettungstaucher und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) aus. Doch die Suche blieb auch mit einem Helikopter erfolglos. Am Nachmittag meldete sich nach Angaben der Polizei jedoch eine weitere Zeugin. Sie gab an, beobachtet zu haben, wie ein Mann kurz vor dem Einsatz der Beamten eine junge Frau aus dem Wasser zog.

"Es gab nie eine Frau im Fluss", sagte der Beamte. Eine lebensbedrohliche Gefahr habe nie bestanden. Die Situation sei durch Übermittlungsfehler zwischen Zeugen und Polizei bedrohlicher erschienen als sie es in Realität gewesen sei.

Eggenstein: Mann aus Hochwasser gerettet

Gefährlicher war es am Freitagabend bei Eggenstein-Leopoldshafen: Ein 35-jähriger Mann geriet zwischen Rhein und Alb mit dem Fahrrad in überschwemmte Bereiche und konnte sich nicht mehr befreien. Per Handy rief der hüfthoch im Wasser stehende Mann die Polizei. Da sein Standort nicht genau bestimmt werden konnte und die Verständigung wegen Sprachproblemen schwierig war, rückten DLRG, zwei Boote der Wasserschutzpolizei, Feuerwehr und ein Polizeihubschrauber an. Schließlich konnte der durchnässte, aber unverletzte Mann von der Feuerwehr mit einem Boot gerettet werden. Der Mann ist nach Angaben der Polizei obdachlos und hat in der Gegend normalerweise seinen Schlafplatz. Er wurde mit trockener Kleidung und Lebensmitteln versorgt.

Hunderennen in Todtmoos wegen heftiger Regenfälle abgesagt

Wegen Starkregen ist auch schon ein Schlittenhunderennen an diesem Wochenende im Schwarzwald abgesagt worden. Der Regen habe den Schnee aufgeweicht. Daher könne das Rennen aus Sicherheitsgründen nicht stattfinden, teilten die Veranstalter am Freitag mit. So kurzfristig sei noch nie ein Schlittenhunderennen in der Gemeinde Todtmoos (Kreis Waldshut) abgesagt worden. Rund 800 Hunde und 60 Hundeführer wurden erwartet. Das Rennen hätte in diesem Jahr ohne Zuschauer und ohne Teilnehmer aus dem Ausland stattgefunden. Das Rennen wird seit 1975 veranstaltet und zieht sonst an die 10.000 Zuschauer an.

Ein Husky-Schlitten (Foto: Colourbox)
Huskys leben in den kalten Regionen nördlich des Polarkreises. Schon seit über 4000 Jahren werden sie als Zug- und Lasttiere eingesetzt.

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