Die Studierenden tragen eine Mund-Nasen-Bedeckung, während sie dicht nebeneinander bei der Vorlesung "BWL 1" im Hörsaal H1 der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) sitzen. An den Universitäten haben das erste Mal seit Beginn der Corona-Pandemie die Vorlesungen im Wintersemester 2122 in Präsenz unter 3G-Bedingungen begonnen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd)

Land finanziert Corona-Kontrollen

Universitäten in Baden-Württemberg: Strenge Impfausweis-Kontrollen vor den Hörsälen

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Für Studierende, die an der Präsenzlehre teilnehmen wollen, gilt die 2G-Regel. Weil die Kontrollen teuer sind, will das Land die Hochschulen mit einer Finanzspritze unterstützen.

An Baden-Württembergs Universitäten hat sich das in der Corona-Verordnung vorgeschriebene System der Vollkontrollen mittlerweile etabliert. In Stuttgart, Mannheim und Tübingen ist bereits vor der Winterpause vor Räumen und Hörsälen geprüft und gescannt worden. Die Methoden ähneln sich, aber jede Hochschule hat auch ihren eigenen Weg gefunden, die Vorgaben des Landes umzusetzen.

Hoher personeller Aufwand für Kontrollen nötig

Allerdings sind die Corona-Kontrollen nicht kostenlos. Deshalb will die Landesregierung den Hochschulen in Baden-Württemberg erneut mit einer Finanzierung in Millionenhöhe aushelfen. "Wir sehen jetzt, dass trotz der hohen Impfquote viel personeller Aufwand zu betreiben ist, zum Teil mit Firmen, die von außen engagiert werden, zum Teil auch mit studentischen Aushilfskräften, die die Hochschulen einstellen", sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur.

Das Land habe zu Beginn des Wintersemesters nicht mit solchen Kontrollen rechnen können.

"Jetzt sieht das angesichts der Wucht der vierten Welle leider anders aus und die Hochschulen tragen dem Rechnung."

Derzeit werde dort der zusätzliche Bedarf für diese sogenannten Vollkontrollen berechnet. Das Geld will das Land aus der Risikorücklage ziehen.

Für Studierende gilt weiterhin die 2G-Regel

Die nach einem Gerichtsurteil angepasste Corona-Verordnung wirkt sich allerdings zunächst nicht weiter auf den Pandemie-Alltag in den Hörsälen aus. "Im Hinblick auf 2G in Lehrveranstaltungen wird sich an der Universität nicht viel ändern", sagte Karl Rijkhoek, Sprecher der Tübinger Eberhard Karls Universität. "Studierende, die nicht immunisiert sind, dürfen weiterhin nicht teilnehmen." Natürlich werde versucht, Alternativen für Studierende zu finden, die nicht geimpft sind oder sich in Quarantäne befinden, die Probleme mit der Betreuung ihrer Kinder haben oder wegen schwerer Vorerkrankungen Menschenansammlungen meiden müssten.

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An der Universität Mannheim können Studierende mit einem "Hörsaal-Pass" an der Präsenzlehre teilnehmen oder an freien Lernplätzen arbeiten. Im "Hörsaalpass-Zentrum" werden diese Nachweise auf ihre Gültigkeit geprüft, wie Uni-Sprecherin Maartje Koschorreck sagte. Kontrolliert werden die Pässe schließlich über ein Portal, in dem sich die Studierenden einchecken. Es zeigt den Lehrenden zu Beginn einer Veranstaltung an, ob alle Anwesenden einen solchen Pass besitzen. Bislang mit Erfolg: "Bei den Kontrollen hatten im Schnitt etwa 3 von 1.000 Studierenden keinen Nachweis dabei", sagte Koschorrek. "Er war in der Regel zu Hause vergessen worden und konnte kurzfristig im Hörsaalpass-Zentrum ausgestellt werden."

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Uni Hohenheim hat den "Hohenheimer Health Pass" eingeführt

Auf ein ähnliches System baut die Universität Hohenheim in Stuttgart mit dem "Hohenheimer Health Pass", einer laminierten Papierkarte mit Namen, Gültigkeitsdauer und Matrikelnummer. Sie muss vor den Lehrveranstaltungen bei den Hygienehelferinnen und -helfern vorgezeigt werden, so Corinna Schmid von der Pressestelle der Uni. Ihren Impf- oder auch Genesenen-Nachweis müssen Studierende nur beim Ausstellen des Passes vorzeigen. "Das spart Zeit bei den Einlasskontrollen", erklärte Schmid. Studentische Aushilfen kontrollieren pro Woche bei mindestens fünf Prozent aller Studierenden und Lehrenden von Präsenzveranstaltungen stichprobenartig die Pässe. Die Uni geht von beträchtlichen Personalkosten für die Aushilfen und hohen Sachkosten aus.

Keine einheitliche Regel an der Uni Tübingen

Einen anderen Weg geht die Tübinger Universität. "Die Kontrollen finden teils analog, also durch Inaugenscheinnahme von Impf- oder Genesenennachweisen, teils digital durch das Abscannen von entsprechenden QR-Codes statt", so Sprecher Rijkhoek. "Dies bleibt den Lehrenden überlassen." Es gebe keine einheitliche Regelung, ob im oder vor dem Hörsaal kontrolliert werde.

Das System sei nicht zuletzt wegen einer Impfquote von 95 Prozent bei den Studierenden zwar sicher, betonte Rijkhoek. Allerdings bröckele der Präsenzanteil in vielen Fächern allmählich. Es werde zunehmend auf die Online-Lehre ausgewichen, weil die Herausforderungen bei der Organisation der Vollkontrolle zu stark und die Infektionszahlen in der Gesellschaft zu hoch seien.

Studierende leiden an fehlender Präsenzlehre

Unterdessen schlägt das Deutsche Studentenwerk wegen der Pandemiefolgen Alarm. Studierende litten zunehmend unter fehlender Präsenzlehre, sagte der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Matthias Anbuhl, der Deutschen Presse-Agentur. "Vereinsamung, digitale Isolation und depressive Verstimmung sind oftmals die Folge."

Die psychosoziale Beratung der Studierendenwerke würden deshalb "förmlich überrannt, die Wartezeiten werden länger", so Anbuhl. Bund und Länder müssten hier in einem Aktionsprogramm dringend die Ressourcen aufstocken. "Nötig sind bis zu zehn Millionen Euro in den kommenden vier Semestern", sagte Anbuhl. Er appellierte an Bund und Länder, solche Themen stärker in der Corona-Krisenpolitik zu berücksichtigen und Hochschulen so lange wie möglich offen zu halten.

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