Wohnungsnot in Baden-Württemberg Fördert die Wohnungsnot in Baden-Württemberg die Obdachlosigkeit?

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Steigende Mietpreise stellen Wohnungssuchende vor große Probleme. Gerade Obdachlose, die einen Ausweg aus der Wohnungslosigkeit suchen, treffen die hohen Mieten besonders hart, meint Heiner Heizmann vom Caritasverband.

Im SWR-Gespräch erläutert Heizmann vom Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart, warum es Obdachlose besonders schwer haben, welche Probleme es beim sozialen Wohnungsbau gibt und wie man sie lösen könnte.

SWR Aktuell: Schon der Durchschnittsverdiener hat Probleme, eine bezahlbare Wohnung zu bekommen. Was erlebt ein Obdachloser, wenn er zum Besichtigungstermin erscheint?

Heiner Heizmann: Im Moment ist das ganz sicherlich sehr schwierig. In den angespannten Wohnungsmärkten in Baden-Württemberg haben bereits Menschen mit niedrigem oder mittlerem Einkommen Schwierigkeiten einen guten, bezahlbaren Wohnraum zu finden, und wenn dann wohnungslose Menschen auch noch um den Rest des bezahlbaren Wohnraums konkurrieren, ist das ein Problem. Das zeigt im Wesentlichen zwei Dinge: Erstens hat im sozialen Wohnungsbau der Markt versagt und zweitens haben Menschen mit sozialen Schwierigkeiten immer weniger Chancen auf guten Wohnraum.

Ein Obdachloser liegt auf der Rückseite des Neuen Schlosses unter dem Giebelrelief der Hohen Karlsschule. (Foto: picture-alliance / dpa)
Obdachlose haben es bei der Wohnungssuche besonders schwer

Kann man es auf den Punkt bringen? Der Vermieter nimmt im Zweifel doch lieber die Krankenschwester, die hat wenigstens ein kleines Einkommen und nicht den Obdachlosen.

Ganz sicher, mit Wohnungslosigkeit geht zunächst immer auch mal ein kleines bisschen ein Verlust an Menschenwürde einher und die Stigmatisierung ist nach wie vor hoch. Selbst wenn die sozialen Schwierigkeiten, die ursächlich für die Wohnungslosigkeit sind, zum Beispiel durch unsere Hilfe überwunden werden, ist die Stigmatisierung nach wie vor da.

"Bezahlbarer Wohnraum wird immer weniger"

Wir hören immer wieder, dass Immobilienkonzerne billige Wohnungen aufkaufen, sanieren und so die Mieter rausdrängen. Werden Menschen dadurch obdachlos?

Ja, mit Sicherheit spielt das da mit rein. Ich denke, grundsätzlich ist das Problem, dass auch dadurch und durch die Maßnahmen, die Sie beschreiben, der Bestand an bezahlbarem und sozialem Wohnraum immer weniger wird. Wenn Menschen ihre Wohnung verlieren, kann es auch zu Wohnungslosigkeit führen.

Was können Sie machen, um Menschen Wohnungen zu verschaffen? Machen Sie selbst eigene Wohnungsbauprogramme?

Ja, das stimmt. Wir versuchen im Rahmen unserer Möglichkeiten auch selbst Wohnraum zu schaffen. Zum Beispiel haben wir gerade in Stuttgart-Feuerbach in Zusammenarbeit mit der Caritas-Stiftung, dem Caritas-Verband für Stuttgart und eben auch der Stadt Stuttgart ein Haus fertiggestellt. Hier finden insgesamt 16 Personen aus der Wohnungslosenhilfe ein neues und vor allen Dingen langfristiges Zuhause. Dabei geht es dann auch nicht um Hilfsangebote, sondern das sind reguläre Wohnungen mit einem Mietvertrag für die Zielgruppe.

Verfügbarkeit von Grundstücken ein Kernproblem

Bekommen Sie eigentlich genügend Hilfe von den Städten und vom Land Baden-Württemberg - finanzielle Hilfe und auch andere?

Also das Projekt, das ich gerade beschrieben habe, wäre ohne die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Stuttgart, die hier auch das Grundstück zur Verfügung gestellt hat, ganz sicher nicht möglich gewesen. Man muss sagen, das Land tut im Zusammenhang mit der "Wohnraum Allianz für Baden-Württemberg" wirklich einiges zur Verbesserung der Situation. Besonders die Wohnraumförderung bietet wirklich sehr gute Ansätze im Wohnungsbau. Ein grundlegendes Problem, dass jede Form von Wohnungsbau im Moment betrifft, ist die Verfügbarkeit von Grundstücken. Hier müssten aus unserer Sicht die Kommunen nachhaltig entlastet werden, damit bei der Entscheidung um das jeweilige Grundstück eben nicht nur wirtschaftlich, sondern auch das sozial lukrativste Angebot den Zuschlag bekommt.

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