Plakat über das Energieversorgungskonzept an einem Gebäude (Foto: SWR)

Kooperation zwischen Kommune und Stuttgarter Hochschule fruchtbar

Plus-Energie-Gemeinde als Ziel: Wüstenrot treibt Energiewende mit Innovationen voran

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AUTOR/IN
Harald Holz

Die Gemeinde Wüstenrot ist auf dem Weg zur Plus-Energie-Gemeinde - als internationales Vorbild. Am Freitag feiert sie zehn Jahre Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik Stuttgart.

Die Gemeinde Wüstenrot (Kreis Heilbronn) ist seit mehr als einem Jahrzehnt auf dem Weg zur Plus-Energie-Gemeinde. Das heißt, sie treibt erfolgreich die Energiewende für die ländliche Region mit Innovationen voran. Am Freitag feiert die Gemeinde zehn Jahre Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik (HFT) Stuttgart, die das Projekt wissenschaftlich begleitet. Um 18 Uhr gibt es eine Podiumsdiskussion zum Thema.

Energie-Plus-Gemeinde Wüstenrot: Plan des Versorgungsnetzes (Foto: SWR)
Energie-Plus-Gemeinde: Wüstenrot soll über ein eigenes Netz versorgt werden, überschüssige Energie wird verkauft (Archiv)

Intelligente Energiesysteme locken die Fachwelt 

Seit zehn Jahren baut die Gemeinde Wüstenrot ihre Energiesysteme nachhaltig um - Stück für Stück - und das mithilfe von Forschungsprojekten der Hochschule für Technik Stuttgart. Damit möchte sie unabhängig von Großkonzernen und anderen externen Energielieferanten werden. Das was in Wüstenrot verbraucht wird, soll auch in der Gemeinde produziert werden.

Mit intelligenten Energiesystemen sowie Stromerzeugung aus Sonne, Erdwärme und Biomasse setzt Wüstenrot auf Unabhängigkeit. Die Gemeinde gilt als Vorreiterin und Best-Practise-Beispiel. Fach-Delegationen aus ganz Deutschland wollen wissen, wie das geht. Aber auch aus China, Japan und Brasilien gab es Besuch.

Wüstenrot als Testfeld für Innovationen

Die Zusammenarbeit von der Gemeinde und der Hochschule ist ein Gewinn für beide Seiten. Die Gemeinde ermöglicht es, Innovationen in der Praxis zu testen, und Wüstenrot hat durch die HFT Stuttgart und ihre Impulse profitiert. In der Jahresbilanz wird in Wüstenrot mehr Strom aus erneuerbaren Energien produziert als verbraucht. Überschüsse werden ins Netz gespeist.

Weitgehend unabhängig von Großkonzernen

Die Gemeinde Wüstenrot hat vor zehn Jahren ihr Stromnetz von einem großen Energie-Konzern zurückgekauft und mit Mainhardt (Kreis Schwäbisch Hall) und den Stadtwerken Schwäbisch Hall die Energieversorgung Mainhardt-Wüstenrot gegründet.

Das erste Projekt der Energiewende startete 2012. Ein "Kaltes Nahwärme-Netz" in einer Plus-Energie-Siedlung. Sie ist verbunden mit einem großflächigen Erdwärme-Kollektor, der zwei Meter unter einer 1,5 Hektar großen Wiese vergraben ist. Dazu kommen die Wärmepumpen und Photovoltaik-Anlagen der einzelnen Gebäude. Es galt als eines der ersten Praxis-Projekte dieser Art. Das Beispiel ist national und international übertragbar.

Ein Mitarbeiter nimmt eine Biogasanlage der VNG-Tochter BALANCE Erneuerbare Energien GmbH bei Gordemitz in Betrieb (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / Reportdienste, Jan Woitas)
Wüstenrot strebt Energieunabhängigkeit an (Archiv) Jan Woitas

Stück für Stück autark werden

Nach und nach wurden öffentliche Gebäude neu gebaut, saniert oder umgerüstet, vor allem Photovoltaik- und Solarthermieanlagen wurden installiert. Im alten Ortskern wurde ein Biomasse-Heizkraftwerk errichtet, das mit Holzhackschnitzeln betrieben wird. An dieses Netz können sich Bürgerinnen und Bürger anschließen.

Die nächste Herkulesaufgabe betrifft die Mobilitätswende auf dem Land. Aktuell wird ein E-Carsharing im Projekt "Smart2Charge" erprobt. Dabei sollen die E-Autos bei Bedarf auch Energie zurück ins Gebäude abgeben können. Der Auto-Akku also als Zwischenspeicher.

Zum Jubiläum ein Energie-Erlebnis-Pfad

Neben dem Festakt und der Präsentation des Erreichten wird am Freitagabend auch ein Energie-Erlebnis-Pfad eröffnet. Der führt zu den vielen einzelnen Projekten auf dem Weg zur Energie-Plus-Gemeinde Wüstenrot, analog und virtuell über eine App.

Vorbildlichkeit wird unterstützt

Bisher wurden die HFT und Wüstenrot vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (vormals: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) mit 2,5 Millionen Euro unterstützt, aber auch von der Europäischen Union und dem Land Baden-Württemberg.

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Harald Holz