Die Rote Schleife ist weltweit ein Symbol der Solidarität mit HIV-Infizierten und AIDS-Kranken (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Ulrich Baumgarten - Ulrich Baumgarten)

Zum Welt-Aids-Tag in den Fokus rücken

Aids-Hilfe Unterland: Thema HIV rückt während Corona-Pandmie in Hintergrund

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Der 1. Dezember ist seit mehr als 30 Jahren Welt-Aids-Tag, ein Tag der Solidarität mit HIV-positiven Menschen. Die Aids-Hilfe Unterland wünscht sich deutlich mehr Aufmerksamkeit.

Zum 1. Dezember rückt das Thema regelmäßig etwas in den Vordergrund. Von Bedeutung ist das gerade jetzt, da es in der Corona-Pandemie eher in Vergessenheit geraten ist. Joachim Ade von der Aids-Hilfe Unterland meint im Gespräch mit dem SWR Studio Heilbronn, deshalb sei der Welt-Aids-Tag gerade wichtiger denn je.

"Mein Wunsch ist der, dass wir die Barrieren, die in unserem Kopf sind, vielleicht einreißen, Menschen offen begegnen können, die nur HIV-positiv sind und mehr nicht."

Ausgrenzung und Diskriminierung

Menschen mit HIV-Infektion (Humanes Immundefizienz-Virus) erleben immer noch Ausgrenzung und Diskriminierung. Darauf macht die Aids-Hilfe Unterland mit Sitz in Heilbronn nicht nur zum Welt-Aids-Tag aufmerksam. Hauptursache seien meist unbegründete Ängste vor einer Infektion, sagt Joachim Ade.

Das Wissen zu HIV und Aids sei bei vielen Menschen sehr veraltet. Das liege, so Ade, an uralten Bildern, die 20 bis 30 Jahre alt seien. Diese zeigten Menschen mit deutlichen körperlichen Krankheitsmerkmalen. Das habe sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt.

Diverse Broschüren liegen auf einem Tisch (Foto: SWR)
Jedes Jahr am 1. Dezember wird besonders an Menschen mit HIV erinnert.

HIV kein Todesurteil mehr

Eine HIV-Infektion sei aber heute kein Todesurteil mehr, sagt Ade von der Aids-Hilfe Unterland: "Heute sieht man jemandem eine HIV-Infektion nicht an. Das ist genauso wie jemand, der Diabetes hat und sich spritzen muss. So lapidar möchte ich es mal runterbrechen und vergleichen."

Neue Zwei-Spritzen-Therapie

Für HIV-Infizierte Menschen ist der Alltag wie für jeden anderen Menschen auch. Als Therapie nehmen die meisten eine Tablette am Tag. Eine neue Therapie bietet zwei Spritzen an, die alle zwei Monate verabreicht werden, erklärt Ade.

Dieses neue Verfahren gebe Infizierten mehr Sicherheit. Viele verstecken laut Joachim Ade ihre Infektion auch vor der Familie, da sie sich schuldig fühlten, sich angesteckt zu haben. Mit der neuen Spritzen-Therapie falle dieses Versteckspiel weg. Das nehme auch die Angst.

Hände halten eine Medikamentenpackung (Foto: SWR)
Es einen HIV-Selbsttest für Menschen, die zunächst anonym bleiben wollen und darum einen Arztbesuch noch scheuen

HIV-positive Menschen nicht hochansteckend

Menschen, die HIV-positiv sind, sind nicht automatisch hochansteckend. Körperflüssigkeiten sind nicht infektiös, wie es immer noch in vielen Köpfen festsitzt. Infizierte Menschen können umarmt und geküsst werden, ohne dass eine Ansteckungsgefahr besteht. Das versichert auch Experte Joachim Ade.

HIV Selbsttest (Foto: SWR)
Ein HIV-Selbsttest (Archiv)

Bundesweite Kampagne "Anders als du denkst“"

Die bundesweite Kampagne "Leben mit HIV - anders als du denkst" ruft wegen veralteter Vorurteile HIV-Infizierten gegenüber zu einem guten Miteinander ohne Ausgrenzung auf. Die Kampagne unterstützt auch die Aids-Hilfe Unterland. "Grenzen müssen im Kopf eingerissen werden", fordert Joachim Ade.

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