Maßregelvollzug im ZfP Weinsberg (Foto: SWR, Simon Bendel)

Polizei bekommt viele Hinweise

Flucht aus Weinsberger Klinikum: Suchaktion bei Willsbach erfolglos

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Drei aus dem psychiatrischen Klinikum in Weinsberg geflüchtete Männer sind weiter auf der Flucht. Nach einem Hinweis durchsuchte die Polizei ein Gebiet bei Obersulm-Willsbach.

Freitagabend kreiste ein Suchhubschrauber der Polizei über Obersulm-Willsbach (Kreis Heilbronn), die Polizei hatte einen Hinweis von einer Frau bekommen, die verdächtige Personen in der Nähe eines Gartengrundstücks beobachtet hatte. Mehrere Streifen und ein Polizeihubschrauber suchten die Gegend ab. "Leider keine heiße Spur", sagte Polizeisprecher Carsten Diemer. Offenbar gibt es zahlreiche Hinweise für die Polizei: per Telefon, über Social Media, auch Polizisten auf Streife werden angesprochen. "Wir bewerten und prüfen, ob der entscheidende Tipp dabei ist", sagt Diemer. Auch über das Wochenende seien zahlreiche Beamtinnen und Beamte im Einsatz, man wolle die Flüchtigen "zeitnah wieder festsetzen".

Schlecht gesichertes Fenster?

Am Mittwochabend waren vier Gefangene aus der geschlossenen Station des Klinikums am Weissenhof in Weinsberg (Kreis Heilbronn) geflüchtet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Heilbronn hatten sie in einem der oberen Stockwerke der Klinik ein Fenster hinausgedrückt und sich danach abgeseilt. Nach SWR-Informationen war ein Bauteil nicht richtig verankert, weshalb den Männern die Flucht gelang. Die vier waren in einer geschlossenen Abteilung des psychiatrischen Krankenhauses untergebracht - im Maßregelvollzug und gesichert mit Zäunen und Kameras.

Lucha verspricht Sicherheitsüberprüfung

"Selbstverständlich überprüfen wir nach solchen Situationen erst recht die etwaigen Lücken, warum so etwas geschehen konnte. Aber Krankenhäuser sind keine Gefängnisse", sagte Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) dem SWR. Auch die Bürgerinitiative "Maßregelvollzug" in Weinsberg (Kreis Heilbronn) fordert eine gründliche Prüfung des Vorfalls. Der Vorsitzende Andreas Frank befürchtet Nachahmungstäter. Er hoffe, dass die Klinikleitung ihre Sicherheitsstandards überprüfe. Es sei nicht normal, dass Patienten "eine Glasscheibe raushauen und dann über den Parkplatz flüchten könnten."

37-Jähriger am Donnerstagabend gefasst

Einer der vier Männer konnte bereits am Donnerstagabend gefasst werden. Nach Polizeiangaben wurde er im Rahmen einer groß angelegten Fahndung nach konkreten Hinweisen auf den Aufenthaltsort festgenommen. Wo genau dieser Ort war, dazu gibt es keine Informationen und auch Einzelheiten zur Festnahme werden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht genannt. Auch nicht, was mit den drei weiteren Männern ist.

Derzeit sind laut Polizei-Einsatzleitung rund 40 Beamtinnen und Beamte mit der Suche beschäftigt. Aus der Bevölkerung gingen stetig Hinweise ein. "Wir suchen mit Hochdruck nach den drei flüchtigen Männern. Den Hinweisen, die wir aus der Bevölkerung erhalten, gehen wir zeitnah nach", sagte ein Polizeisprecher am Samstag. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Männer die Flucht aus dem Klinikum am Weissenhof in Weinsberg (Kreis Heilbronn) gemeinsam geplant hatten.

So sehen die flüchtigen Männer laut Polizei aus:

Polizei warnt Bevölkerung

Unter anderem waren am Donnerstag Spürhunde und ein Polizeihubschrauber im Einsatz. Drei der Männer sind rechtskräftig verurteilte Straftäter, der Vierte ist verurteilt, das Urteil aber noch nicht rechtskräftig. Da sie wegen Gewalttaten verurteilt sind, gelten sie nach Einschätzung der Polizei als gefährlich.  Die Polizei warnt weiterhin die Bevölkerung und hofft auf Hinweise.

Körperverletzung, Diebstähle und Kindergarteneinbrüche

Laut Heilbronner Stimme haben sich auch die Staatsanwaltschaften Heilbronn und Mosbach zu den Männern geäußert. Der am Donnerstagabend gefasste Benjamin N. sei wegen "mehrerer Körperverletzungen und einer gefährlichen Körperverletzung sowie Diebstählen verurteilt worden." Zwei andere Männer, die noch auf der Flucht sind, hätten Kindergarteneinbrüche begangen oder seien wegen "Diebstählen, Waffenbesitz und schwerem räuberischem Diebstahl verurteilt". Teilweise seien bei manchen Taten Alkohol oder Drogen im Spiel gewesen. Auch soll bei drei der vier Männer ein Therapieabbruch im Raum gestanden haben, teilte nach Angaben der Zeitung das Landessozialministerium mit. Das hätte Gefängnis zur Folge gehabt.

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SWR