Erneut wird in Neckarsulm gestreikt: Tausende haben sich am Dienstag auf dem Marktplatz zu einer Kundgebung versammelt. (Foto: SWR)

Tausende Streikende in Neckarsulm

IG Metall: Erneut Warnstreik auch bei Audi

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Im Streit um bessere Bedingungen hat die IG Metall Heilbronn-Neckarsulm am Dienstag wieder zum Warnstreik in Neckarsulm aufgerufen. Tausende Audi-Mitarbeitende sind gekommen.

Im bundesweiten Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie gehen die Streiks weiter. Am Dienstagvormittag legten bis zu 6.000 Mitarbeitende der Firmen Audi, Kolbenschmidt und HUAYU AluTech ihre Arbeit nieder. Hauptredner bei der anschließenden Kundgebung auf den Marktplatz in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) war Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg. Er sagte, das Angebot der Arbeitgeber sei wie die Empfehlung eines Arztes, "gegen Kopfweh hilft, sich mit der Holzlatte an den Kopf zu hauen".

Betriebsratsvorsitzender prangert hohe Dividendenzahlungen an

Die Arbeitgeber würden nicht so schlecht dastehen, wie sie behaupten, meinte Rainer Schirmer, Audi-Betriebsratsvorsitzender auf der Kundgebung. Während die Menschen in Neckarsulm und andernorts für acht Prozent mehr Lohn kämpfen, bekämen gleichzeitig die Aktionäre hohe Dividendenzahlungen, ärgert er sich. Deswegen seien die acht Prozent "hochverdient".

Roman Zitzelsberger, Michael Unser, Rainer Schirmer (v.l.n.r.) (Foto: SWR)
Erinnerungen eines Streiktags: Roman Zitzelsberger, Michael Unser (IG Metall Heilbronn-Neckarsulm) und Rainer Schirmer (v.l.n.r.) auf dem Neckarsulmer Marktplatz

Erste Signale für Entgegenkommen der Arbeitgeber

Als Ausgleich für die derzeit hohen Lebenserhaltungskosten sei eine Doppelstrategie wichtig gewesen: Einerseits die Regierung mit Entlastungen wie einer Energiepreisbremse, andererseits die Arbeitgeber mit mehr Lohn. Die Regierung habe mittlerweile geliefert, sagte Zitzelsberger, jetzt seien noch die Arbeitgeber dran.

Hier sieht Zitzelsberger erste positive Anzeichen für die nächste Verhandlungsrunde. Gegenüber dem SWR erklärte er, dass eine komplette Ablehnung einer prozentualen Erhöhung vonseiten der Arbeitgeber nicht mehr gegeben sei. Stattdessen gebe es "erste Signale", dass man bereit sei, auch darüber ernsthaft zu verhandeln. Es gebe kein konkretes Angebot, aber "eine Vorstellung, wie man das Ganze löst".

Mitarbeitende können Arbeit niederlegen

Welche Auswirkungen der Warnstreik auf die Produktion am Audi-Standort Neckarsulm haben wird, könne man erst im Nachhinein bewerten, teilte eine Unternehmenssprecherin auf SWR-Anfrage mit.

In einem schriftlichen Statement heißt es: "Es ist Teil der Rahmenbedingungen einer Tarifrunde, dass die Verbände miteinander verhandeln – und wir als Unternehmen bei laufenden Verhandlungen nicht direkt involviert sind. Für Audi sitzen die Arbeitgeberverbände vbm und Südwestmetall am Verhandlungstisch. [...] Grundsätzlich gilt, dass alle Audi-Mitarbeitenden, die von der Gewerkschaft zum Streik aufgerufen sind, von ihrem Recht Gebrauch machen und ihre Arbeit niederlegen können."

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24-Stunden-Streiks angekündigt

Die Warnstreiks laufen seit rund zwei Wochen in der gesamten Region. Insgesamt hat die Gewerkschaft IG Metall rund 150.000 Beschäftigte aus über 400 Betrieben zum Streik aufgerufen. Sie fordern acht Prozent mehr Lohn für die Angestellten. Neben der Aktion in Neckarsulm sind für Dienstag in insgesamt zehn Städten in Baden-Württemberg Warnstreiks angekündigt. Die fünfte Verhandlungsrunde findet am 17. November in Ludwigsburg statt. Sollte sie keine Einigung bringen, könnte es sogar zu 24-Stunden-Streiks kommen.

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