Wer sich regelmäßig weiterbildet, erhöht mitunter seine Chancen im Job. (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Jan-Peter Kasper)

Kostenlose Konkurrenz aus dem Internet

Volkshochschulen fordern mehr Geld vom Land

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Die Volkshochschulen sind in der Krise: weniger Teilnehmer, Konkurrenz aus dem Internet, außerdem sind die Kosten gestiegen. Die Gebühren wollen sie aber stabil halten.

Die Volkshochschulen in der Region Heilbronn-Franken fordern mehr Geld vom Land Baden-Württemberg. Denn mittlerweile gibt es im Internet Tutorials für so ziemlich alles und das in riesiger Fülle. Das geht an den Volkshochschule alles andere als spurlos vorbei. Sie wollen deshalb gerne mehr kostengünstige oder kostenfreie Angebote machen.

"Wenn die Gebühren zu hoch sind, können wir manche Menschen nicht mehr erreichen", sagte die Direktorin der VHS Unterland, Roswitha Keicher, dem SWR. Deshalb sei es wichtig, dass die Volkshochschulen solide finanziert werden, vom Land, den Landkreisen und Kommunen.

Die Volkshochschule Unterland ringt mit gestiegenen Kosten, zum Beispiel beim Papier, der Energie oder höheren Sätzen für die Dozentinnen und Dozenten. Auch die VHS Heilbronn kalkuliert schon einmal einen deutlich höheren Tarifabschluss ein, auch die Indexmieten für angemietete Räume würden steigen.

Weniger Teilnehmer seit Corona

Außerdem gibt es seit der Pandemie weniger Kursteilnehmer, beispielsweise wegen der Abstandsregelungen. Am 16.11.2022 wurde für die VHS Unterland eine Erhöhung der Gebühren pro Kurseinheit (45 Minuten) beschlossen. Bei einem Zehn-Teilnehmer-Kurs in etwa kostete die Einheit pro Teilnehmer bislang 3,05 Euro, jetzt sind es 3,30 Euro.

Rücklagen sind aufgebraucht

Eigentlich habe die VHS Unterland recht hohe Rücklagen gehabt, doch die seien mittlerweile aufgebraucht, so Keicher. Trotz Unterstützung vom Land, zwei Jahre fester Zuschüsse vom Landratsamt und Sonderumlagen der Kommunen, sei das Polster weg.

Zurzeit sieht der Haushaltsentwurf der grün-schwarzen Landesregierung eine Erhöhung der Zuschüsse um jährlich eine halbe Million Euro vor. Im Koalitionsvertrag war ursprünglich die Umsetzung der Vereinbarung "Gemeinsam für Weiterbildung" vorgesehen, das wären zwei Millionen Euro jährlich. Das sei im Vergleich jetzt natürlich eher wenig, kritisiert Keicher. Auch die VHS Heilbronn schließt sich an, das sei "in jeder Beziehung unzureichend".

Sport- und Bewegungskurse liegen im Trend

Im Trend liegen bei den Kursen im Unterland vor allem Bewegungsangebote. "Wir spüren, dass die Leute nach den Corona-Einschränkungen sich wieder mehr und gemeinsam bewegen wollen", sagt Keicher. Interessant sind auch neue Projekte, wie der KI-Salon, wo künstliche Intelligenz und Kultur aufeinander treffen.

VHS Unterland. Logo auf einem Schild am Eingang. Allee 40, Heilbronn. (Foto: SWR)

Zuhören und Kennenlernen

Die 55-Jährige hat die VHS Unterland im September übernommen. Davor musste ihr Team ein halbes Jahr ohne Leitung auskommen. Zurzeit ist sie auf Tour zu den 37 Mitgliedskommunen, will zuhören und die Menschen kennenlernen. Gerade in der Pandemie, sei die Kommunikation, insbesondere mit den Außenstandorten, oft zu kurz gekommen, so Keicher.

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