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Mit besonders hohen Inzidenz-Zahlen forderte der Landkreis Schwäbisch Hall schon vor Wochen mehr Corona-Impfdosen vom Land. Andere Regionen bekommen jetzt diesen Zuschlag - das sorgt für Unmut.

Die Appelle aus dem Landkreis Schwäbisch Hall an Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) waren deutlich. Immer wieder forderten die Verantwortlichen in dem besonders betroffenen Corona-Hotspot Schwäbisch Hall: Wir brauchen mehr Impfstoff aus dem Kontingent der EU. Auf offene Briefe und Forderungen nach einer Hotspot-Strategie im März und April erteilte Sozialminister Manfred Lucha dem Landkreis Schwäbisch Hall eine Absage. Die Sieben-Tage-Inzidenz erreichte damals einen Spitzenwert von 482.

Zusätzliche Corona-Impfdosen als richtiger Weg

Schon damals sorgte die Abfuhr für Enttäuschung. Nun wittert Landrat Gerhard Bauer (parteilos) eine Ungerechtigkeit: Aufgrund des Infektionsgeschehens soll der Zollernalbkreis, mit derzeit sehr hohen Inzidenzzahlen, zusätzliche Impfdosen erhalten. In einem Schreiben an Sozialminister Lucha lobt Bauer das Vorhaben als wichtig und sinnvoll. Dennoch stelle er sich als Landrat des Kreises Schwäbisch Hall folgende Frage und hofft auf eine Begründung:

"Warum vor zwei Monaten bei einem erhöhten Infektionsgeschehen im Landkreis Schwäbisch Hall mit demselben Argument die Bereitstellung von zusätzlichem Impfstoff abgelehnt wurde."

Landrat Gerhard Bauer mit Maske (Foto: Pressestelle, Foto: Landratsamt Schwäbisch Hall - Pressestelle)
Landrat Gerhard Bauer appelliert an die Bürgerinnen und Bürger Pressestelle Foto: Landratsamt Schwäbisch Hall - Pressestelle

Sozialministerium wusste nichts von getroffenen Corona-Maßnahmen

Werde der zusätzliche Impfstoff doch jetzt für den Zollernalbkreis genehmigt. "Ein Schlag ins Gesicht" für alle Beteiligten", so der Landrat. Das Anliegen wurde damals trotz Resolution des Kreistags und der Kommune abgelehnt, mit der Begründung, man solle zuerst vor Ort alle erforderlichen Maßnahmen treffen. Und auf Nachfrage im Sozialministerium, welche das wären, habe man nicht einmal gewusst, welche Maßnahmen tatsächlich schon getroffen worden seien. Das Ministerium habe man zuvor bereits in Kenntnis darüber gesetzt gehabt.

"Als ich diese [Maßnahmen] erläuterte, kam die Antwort, dass wir ja schon alles getan hätten. Um uns hat sich beim Sozialministerium niemand gekümmert, es kam nie irgendeine Rückfrage!"

Wird mit "zweierlei Maß gemessen"?

Man könne dieses Vorgehen nicht akzeptieren, so der Landrat weiter und bittet um Klarstellung, warum "trotz des damals besorgniserregenden Infektionsgeschehens, keine zusätzliche Hilfe gewährt werden konnte und dies heute bei weit geringerer Inzidenz in anderen Landkreisen möglich ist." Es bestehe der Eindruck, es werde mit "zweierlei Maß gemessen". Landrat Bauer spricht weiter von Benachteiligung des Landkreises Schwäbisch Hall - was in schweren Zeiten der Pandemiebekämpfung unverständlich sei. Weiter fordert er für das Kreisimpfzentrum in Wolpertshausen mehr Impfstoff, sodass es voll ausgelastet werden könne.

Als die Situation im Kreis Schwäbisch Hall heftig war, habe dem Ministerium damals die Analyse gefehlt, sagte Lucha dem SWR dazu. Man habe keine genauen Ansatzpunkte gehabt: "Als damals im Kreis Schwäbisch Hall nachgefragt wurde, war die Rückmeldungen, [das Infektionsgeschehen sei] sehr diffus und wir wussten nicht genau, wo in Schwäbisch Hall die Ansatzpunkte sind."

Minister Lucha: Neue Erkentnisse dazugewonnen

Dass der Zollernalbkreis nun die Impfdosen erhält, ist das Ergebnis des Impfgipfels der vergangenen Wochen, so Lucha. Man schaue genauer hin, man wisse besser, wo genau man ansetzen müsse. In den vergangenen Wochen habe man durch gründliches Nachforschen neue Erkenntnisse gewonnen und daraus gelernt.

"Hätten wir damals den Kenntnisstand gehabt, den wir heute haben, hätten wir ganz gezielt Schwäbisch Hall auch unterstützt."

Manfred Lucha (Bündnis 90Die Grünen). (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Marijan Murat)
Manfred Lucha verweist auf Ergebnis des Impfgipfels (Symbolbild) picture alliance/dpa | Marijan Murat

Zudem habe man nun den Impfstoff dafür, der noch im Frühjahr fehlte. Bei der diffusen Lage im Kreis Schwäbisch Hall sei es zuerst darum gegangen, die Quarantäne- und Kontaktvermeidungsmaßnahmen in den Vordergrund zu rücken. Wäre die Lage in Schwäbisch Hall heute so wie im Zollernalbkreis, würde man auch unterstützend eingreifen.

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