Die Polizistin Michèle Kiesewetter wurde 2007 auf der Heilbronner Theresienwiese ermordet (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Vor zehn Jahren flog die Terrorgruppe NSU auf

Hintergründe des Polizistinnen-Mordes in Heilbronn immer noch unklar

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Fast zehn Jahre nach dem Auffliegen der rechten Terrorgruppe NSU sind einige Fragen noch immer nicht restlos aufgeklärt, sagt der Verfassungsschutz.

Warum musste ausgerechnet die junge Polizistin Michèle Kiesewetter aus Thüringen sterben, am 25. April 2007 auf der Heilbronner Theresienwiese? Warum wurde sie bei einer Vesperpause im Auto von den NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, beide ebenfalls aus Thüringen, erschossen? War es ein Racheakt? Gab es Verbindungen? War sie einfach ein Zufallsopfer?

Auf diese Fragen gibt es bis heute keine eindeutigen Antworten. Auch nicht in irgendwelchen bisher unveröffentlichten Akten des Verfassungsschutzes, das betonte Präsident Thomas Haldenwang am Donnerstag in einer Diskussionsveranstaltung zu den NSU-Morden in Berlin.

"Bei uns gibt es keine weiteren Informationen (...), die den Sachverhalt NSU in ein anderes Licht rücken oder zusätzliche Informationen liefern. Es gibt sie nicht. Punkt."

Mit dieser Aussage reagierte Haldenwang auf Vorwürfe der Opferseite, der Verfassungsschutz würde Informationen zurückhalten. Er zeigte aber auch Verständnis für die Familien der Opfer, es bleibe eben ein "sehr, sehr unwohles Gefühl", so Haldenwang.

Hintergrund: Das Auffliegen der NSU ist zehn Jahre her

Vor rund zehn Jahren flog die rechte Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund, kurz NSU, auf. Am 4. November 2011 starben die NSU-Terroristen Mundlos und Böhnhardt in einem Wohnmobil, vermutlich töteten sie sich selbst, um der Verhaftung nach einem Banküberfall in Eisenach zu entgehen.

In den folgenden Tagen wurde nach und nach klar, dass sie für eine Mordserie an acht türkischstämmigen und einem griechischstämmigen Kleinunternehmer in ganz Deutschland verantwortlich waren. Das mutmaßlich letzte Opfer war die Polizistin Michèle Kiesewetter.

Theaterprojekt in Heilbronn zum Mord an Michèle Kiesewetter

Weil nach wie vor viele Fragen über die Hintergründe dieser Terror-Serie offen sind, haben sich Theater aus ganz Deutschland zusammengeschlossen, um in einem gemeinsamen Projekt die NSU-Verbrechen zu thematisieren. Beteiligt sind Kulturschaffende aus allen vom NSU-Terror betroffenen Städten.

In Heibronn geht es natürlich um den Kiesewetter-Mord. Hier heißt das Rechercheprojekt "Verschlusssache", die Autoren sind Regine Dura und Hans-Werner Kroesinger. Die Premiere ist am 22. Oktober im Theater Heilbronn.

"Interessiert hat uns am Ende das Schweigen in dieser Stadt über die rechten Strukturen, die Opferrolle, die man doch hier gerne einnimmt."

Autor Kroesinger betont, dass man eine Sache sehr schnell merke, wenn man sich mit der Thematik beschäftige: "Der Fall ist nicht gelöst". Es seien nur Modalitäten geschaffen worden, um den Münchner Prozess gegen das überlebende NSU-Mitglied Beate Zschäpe durchführen zu können. "Aber das Tatgeschehen ist nicht in Vollständigkeit aufgeklärt", so Kroesinger.

Das wird auch das Theaterprojekt "Verschlusssache" nicht leisten können. Aber das war letztendlich auch nicht das Ziel. "Uns interessierte das Schweigen in dieser Stadt über die rechten Strukturen", sagt Autorin Regine Dura.

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